Beruf, Hochsensibilität, Persönliches

Sachlich streiten?

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Ich mag es nicht, wenn Menschen so tun, als sei „sachlich“ zu sein per se positiv. Interessanterweise wird der Appell „Bleiben Sie sachlich!“, oder das scheinbar unbeteiligte „rational gesehen…“ meist dann verwendet, wenn derjenige, der Sachlichkeit einfordert, stark emotional beteiligt ist.

So ist mir das vor kurzem in einem Konfliktgespräch mit einer Schülerin widerfahren. Die junge Frau Mitte 20 fühlte sich im Unterricht ungerecht behandelt, was wir bei der nächsten ruhigen Gelegenheit zu klären versuchten. Dieses halbstündige Gespräch war für mich Schwerarbeit. Im Verlauf der Unterhaltung wurde mir nicht nur die oben erwähnte Unsachlichkeit unterstellt – was, auf die beschriebene Situation bezogen, tatsächlich stimmte, denn ich hatte mich geärgert und selbst in gereiztem Ton reagiert. Darüber hinaus äußerte die junge Frau aber verschiedenste Vermutungen in Bezug auf meine Motive und wir hätten uns wohl heillos in diesen Mutmaßungen verfangen, wäre ich auf sie eingegangen. Statt dessen versuchte ich zu begreifen, was meine Schülerin eigentlich beschäftigte. Und – ja, ja, ja – es war die Sorge, ich könne etwas gegen sie haben und der Wunsch, in einer entspannten Atmosphäre den Unterricht zu besuchen.

Nun herrscht allerdings in dieser Klasse – ich habe es hier im Blog schon einmal beschrieben – eine ohnehin sehr angespannte Atmosphäre. Zwischen einigen Schüler/innen bestehen massive Konflikte. Zugleich scheint Konsens zu sein, dass diese im Unterricht ignoriert werden sollen. „Ich bin hier nicht, um Freundschaften zu schließen, sondern um meinen Schulabschluss zu machen“, „Machen Sie einfach Unterricht!“: Aussagen, mit denen ich von Seiten einiger Schülerinnen und Schüler konfrontiert wurde und die mich, ehrlich gesagt, sehr befremden. Konflikte wie in dieser Klasse lassen sich meiner Meinung nach nur ignorieren (wie es offensichtlich einige Kollegen tun) oder aber lösen, indem ich auf das eingehe, was hinter der Sachebene steht.

Im Gespräch mit meiner Schülerin habe ich genau das versucht. Ob ich sie erreicht habe, weiß ich nicht. An der Atmosphäre in der Klasse wird das vorerst wohl nichts ändern. Aber vielleicht hilft manchmal auch einfach nur, abzuwarten und Dinge mit ‚offenem Herzen‘ zu begleiten. Ich versuche reflektiert zu sein in meiner Arbeit, für meine Schüler einschätzbar und in der Sache klar.

Sachlich im Sinn von „unberührt“ bin ich nicht. Und will es auch nicht sein.

Hochsensibilität, Persönliches

Mein roter Faden

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In Musik und Literatur gibt es den Begriff des „Leitmotivs“. Hör dir einmal das Stück „Die Moldau“ von Friedrich Smetana an: Eine bestimmte Tonfolge, vielfach variiert, zieht sich durch das Stück und begleitet den Gang des Flusses, vom schmalen Bächlein zum mächtigen Strom. Ebenso kann sich ein „Lebensthema“ wie ein roter Faden durch dein Leben ziehen.

Das passt zu mir!

Ich möchte hier zwei Arten dieses „roten Fadens“ unterscheiden: ersterer ist scheinbar ‚schicksalhaft‘, wie bereits in dir angelegt: du erkennst ihn, indem du darauf achtest, in welchen Situationen du ganz „du selbst“ bist und vor allem, was an diesen Situationen dich beflügelt. Auch Aussagen guter Freunde („Typisch Du!“, „Das passt zu dir!“) und Erinnerungen aus früher Kindheit können dir einen Hinweis auf diese Art des „Lebensthemas“ geben. Und nicht zuletzt auch Situationen, in denen du dich gerade nicht wohl fühlst und somit vermutlich gegen deine ‚innere Melodie‘ anlebst. Für mich ist z.B. „Freiheit“ und die Möglichkeit, mich in dieser Freiheit zu erfahren ein solches Lebensthema: ich habe sowohl nach Abschluss meiner Schulzeit, als auch im Anschluss an mein Studium mehrere Monate außerhalb Deutschlands verbracht und es genossen, mich in diesem fremden Umfeld, mit neuen Kontakten und ungewohnten Abläufen ein Stück weit selbst neu zu entdecken. Am Reisen mochte ich die Möglichkeit, mich im Grunde jeden Tag von Neuem entscheiden zu können: wohin gehe ich, mit wem teile ich ein Stück meines Wegen und wann ziehe ich weiter? Ich mochte sehr die Leichtigkeit und das Unwägbare, das sich in diesen Situationen zeigte. Vermutlich reise ich deswegen auch gern allein: es macht mir nichts aus, auf mich zurückgeworfen zu sein – im Gegenteil: ich genieße es geradezu, mir dabei gut „zuhören“ und auf die Eindrücke, die von außen auf mich einwirken, in einer Weise reagieren zu können, die mir entspricht. Ich gerate dabei ins Staunen über die Welt, bin ganz präsent – das gibt mir ein Gefühl großer Lebendigkeit!

Umgekehrt macht mich eine Lebensweise, in der ich so gut wie keine (äußeren) Gestaltungsmöglichkeiten habe, buchstäblich krank. Auch das habe ich bereits zweimal erleben können, einmal im beruflichen und einmal im privaten Rahmen: auf meine ‚innere Melodie‘ zu hören und mir zu diesem Zweck immer wieder (äußere) Freiräume schaffen zu können, ist offensichtlich lebensnotwendig für mich.

So will ich sein!

Das führt mich zu der zweiten Art des „roten Fadens“: er ist weniger in dir angelegt, als von dir bewusst „gesponnen“. Zugleich entsprichst du, indem du ihm folgst, auch wieder dem, was dir entspricht. Etwas weniger komplex formuliert: Ist wie bei mir „Freiheit“ und damit einhergehend innere Entfaltung das „Lebensthema“, so kann ich mich fragen: was hilft mir, diese Freiheit (innerlich und äußerlich) zu erlangen? Bei mir ist es zum Beispiel, echt zu sein, also in meinem Handeln klar an meinen Werten orientiert zu bleiben. Es ist der Wunsch, liebevoll zu mir und zu anderen zu sein und schließlich, zu wachsen, indem ich mein Verhalten und die Umsetzung meiner Werte immer mal wieder hinterfrage.

Interessanterweise erlange ich gerade dadurch, dass ich mich entlang dieser selbstgeschaffenen „Richtschnur“, eben entlang meines ‚roten Fadens‘, bewege, tatsächlich Freiheit, – nämlich zunehmend Unabhängigkeit von äußeren Wertungen und Maßstäben. Wo ich inneren Werten folgen kann, renne ich nicht äußeren Normen hinterher. Besonders spürbar wird das für mich in Krisensituationen: dann spannt sich mein „roter Faden“ und ich halte mich daran fest wie an einem Rettungsseil, um von den Wogen des Lebens nicht umgeworfen zu werden.

Folgst du mir noch durch’s  Metapherngestrüpp?;-) Vielleicht hast du ja Lust, deinen eigenen „roten Faden“ (in dir angelegt und selbst geschaffen) zu entdecken? Oder vielleicht folgst du ihm bereits?

Ich wünsche dir herzlich alles Gute dabei!