Familie, Gesellschaft

Glück trotz Pandemie – Warum es klug ist, das Leben gerade jetzt zu genießen (Teil 1/2)

Bunter Schmetterling auf Asphalt

Teil 2/2 „Druck und Vertrauen: Wie uns die Pandemie die Chance gibt, uns selbst treu zu bleiben“ (ab 09.02.22)

„Omicron rauscht durch Deutschland“, „Kitas und Schulen im Test-Chaos“, „Durchseuchung unserer Kinder“. Betrachte ich die Schlagzeilen der Tages- und Wochenzeitungen sowie der großen Nachrichtenportale, kann mir als Mutter oder Vater im Moment Angst und Bange werden. Oder ich beginne vor Wut zu kochen. Von „Deluxe-Versagen“ der Regierenden ist da die Rede, von der Schande der Politik, die Familien im Stich lasse. Hm… wohl wahr. Und dann lese ich in einem kleinen Blog den folgenden Absatz: „Jeder Mensch ist imstande, sein Dasein so angenehm wie möglich zu gestalten, indem er denkt. Umdenkt, falls nötig. Es kostet ein bisschen Zeit und für manche Menschen auch Überwindung. Aber es lohnt sich. Wir drehen schließlich alle in diesem Leben diese eine Runde auf Erden. Machen wir uns diese doch so schön wie irgend möglich.“

Das Leben schätzen, statt es zu beherrschen

Im Ernst – gerade jetzt? Ist es naiv oder gar hedonistisch, sich das eigene Leben „so schön wie möglich“ machen zu wollen, wenn die Welt ringsum Kopf zu stehen scheint? Verschließe ich die Augen vor der Realität – oder öffne ich sie vielleicht gerade für sie?

Sich das Leben schön zu machen, heißt auch, es wahrlich wertzuschätzen. In Liebe, in Dankbarkeit und sogar Ehrfurcht vor seiner nie beherrschbaren Komplexität. Genau das Beherrschen, das Kontrollieren und „Dagegen Sein“ scheint mir gerade medial und politisch – übrigens von allen Seiten – massiv im Fokus zu stehen. Aber aus einem NEIN ist selten Gutes entstanden – weder individuell noch gesellschaftlich.

Mich interessiert inzwischen viel mehr: wie soll das weitere Leben und auch mein weiteres Leben aussehen? Wozu kann ich aus vollem Herzen JA sagen? Dorthin gehe ich und danach handle ich. Mir hilft dieser Weg, im Kern handlungsfähig und damit hoffnungsvoll zu bleiben. Vielleicht auch eine Haltung, die sich aus einem prägenden Verlust in meinem frühen Erwachsenenalter entwickelt hat: Das Leben ist so spürbar endlich – wir sollten uns die Freude daran nicht schon zu Lebzeiten nehmen. Kann es nicht sogar besonders wichtig sein, dass ich genau jetzt soviel Schönes und Ermutigendes wie möglich wahrnehme und alles, was richtig rund läuft, erst recht zu schätzen weiß? 

Engagement von Lehrer/innen, Erzieher/innen und Eltern

In Kindergärten und Schulen also nicht das Test-Chaos und die Überforderung der Lehrerinnen und Lehrer – sondern das ehrliche Bemühen vieler tagtäglich um das Wohlergehen, die Bildung und Entwicklung unserer Kinder. Versuche, ihnen zwischen allen Beschränkungen Freiheiten zu verschaffen, sie unbeschwert sein zu lassen, an ihrer Seite zu stehen. Ja, auch das gibt es. Auch das ist Teil unserer Realität gerade!

Und auch wir Eltern sind ja nicht immer nur erschöpft, frustriert und überfordert. Ganz sicher lachen wir auch mit unseren Kindern, weinen mit ihnen, fiebern mit ihnen bei Herausforderungen mit und freuen uns über alles, was ihnen gelingt. Und das ist nicht wenig. Denn gerade unsere Kinder leben ja weiter. So intensiv und lebensvoll wie möglich. Es ist in ihnen angelegt, so viel Leben wie möglich erfahren und begreifen zu wollen. Und selbst, wenn sie dabei frustriert, enttäuscht und ausgebremst werden, wie es gerade nicht selten geschieht, lernen sie so vielleicht bereits früh die wichtige Lektion des Umgangs mit Hindernissen und Schwierigkeiten. Wenn wir sie begleiten. Wenn wir sie ermutigen und darin bestärken, bei sich selbst zu bleiben. Wenn wir ihre Gefühle ernst nehmen und ihnen vertrauen. Ich bin sicher, dann kommen sie auch gut durch diese Zeit! 

Vertrauen und der Einsatz für das, was uns wichtig ist

Wir selbst können uns dabei auch vertrauen. Uns selbst zugestehen, zu bestimmen, was geht und was nicht. Wo wir uns abgrenzen und schützen möchten und wo mehr Einlässigkeit möglich ist. Öffnen wir uns dem Leben, können wir uns auch wieder der ganzen Palette unserer Gefühle öffnen. Nicht nur Angst, Wut und Besorgnis, sondern auch dem Erkennen unserer tieferliegenden Motivation. Letztlich dessen, was uns stärkt. 

Es wird nicht der Kampf gegen etwas sein, sondern der Einsatz für etwas. Und sobald sich unser Blick so wendet, unser Denken sich in dieser Weise neu ausrichtet, werden wir auch wieder Kraft und Motivation finden, uns für das einzusetzen, was uns wichtig ist. Nicht, indem wir das andere – oder gar die anderen – bekämpfen (egal von welcher Seite), sondern indem wir uns für das einsetzen, was unser Leben – und bestenfalls auch das Leben anderer – wieder leichter macht

So lese ich die Zeilen des oben genannten Blogbeitrags: Sich das Leben gerade jetzt schön zu machen, den Blick auf das zu richten, was an Positivem da ist und was rund läuft, stärkt uns, genau davon noch mehr zu erschaffen. Indem wir selbst hoffnungsvoll, freundlich und zugewandt, engagiert und motiviert bleiben. Nicht gegen das meiste, was uns gerade umgibt, sondern für die Möglichkeit, die in dem, was uns umgibt, steckt. Weil nichts im Leben sinnlos ist. Weil nichts umsonst geschieht. Weil gerade schwer Verdauliches uns an das erinnern kann, was uns im Kern wichtig ist. Statt stets dagegen zu sein, gehen wir auf das zu, was uns glücklich macht!

Herzlichen Gruß, Sarah Zöllner (mutter-und-sohn.blog)

Die Autorin ist Lehrerin, Autorin für Familienthemen und Mutter eines Babys sowie eines Kindergartenkindes.

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[Foto: Pixabay]

5 Gedanken zu „Glück trotz Pandemie – Warum es klug ist, das Leben gerade jetzt zu genießen (Teil 1/2)“

  1. Liebe Sarah, ich kann gerade nicht klar sehen, weil mir die Tränen in den Augen stehen, nachdem ich Deine wunderbaren Zeilen gelesen habe. Ja, so ist es!
    Richten wir unseren Blick und damit auch unser Herz auf das, wohin wir wollen, stellen wir uns das so vor, als wären wir bereits dort … Und Kinder sind darin ganz großartig: Träumen. Visionieren. Mir kommen im Moment ganz viele Gedanken, wie wichtig es gerade jetzt ist, insbesondere die Kinder „mitzunehmen“ auf die Reise in eine neue, andere und vermutlich bessere Zukunft. Sie sind DAS Potenzial der Zukunft …
    Oh, ich merke, dass meine Gedanken anfangen zu fliegen, und ich meiner Zeit wieder voraus bin. Aber ich wünsche mir so sehr, dass wir unser Potenzial – jeder in sich und alle in einer Gemeinschaft – erkennen und es nutzen.

    An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei Dir bedanken, dass Du den Beitrag meines kleinen Blogs verlinkt und Dich mit seinem Inhalt hier beschäftigt hast. DANKE 🙏💕

    Ich wünsche Dir ein wundervolles Wochenende und grüße Dich von Herzen
    Wilma

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    1. Oh danke, Wilma, ebenfalls für deine Worte. Da haben wir wohl gegenseitig beieinander etwas zum Klingen gebracht. Wie schön!😊
      Mir tut dein Kommentar auch gut, denn neben der Zuversicht und dem Blick auf das, was (mich) trägt, kenne ich gerade sehr wohl auch Momente, in denen ich schwer ins Zweifeln gerate, ob wir uns als Gesellschaft in eine gute Richtung bewegen.
      Es bedrückt mich sehr, wahrzunehmen, was eine aktionistische, stark von wirtschaftlichen Interessen geleitete Politik in den letzten zwei Jahren in Deutschland angerichtet hat. Dass Menschen aktuell bewusst ausgegrenzt und unter Druck gesetzt werden, weil sie politisch nicht gewollte Entscheidungen treffen, dass alte und schwer kranke Menschen aufgrund ökonomischer Vorgaben im Minutentakt „abgepflegt“ werden und die Bedürfnisse von Kindern und Eltern so wenig Berücksichtigung finden, ist für mich schwer erträglich. Auch, dass viele Menschen die Verdrehung des Begriffes „Solidarität“ so kritiklos hinnehmen und jede noch so absurde Maßnahme mittragen (vermutlich insgeheim froh, wenn ihr eigenes Leben dadurch nicht oder nur wenig beeinträchtigt wird), bedrückt und beunruhigt mich. Bei all dem trotzdem das Positive zu sehen, fällt mir oft nicht leicht. Gerade deswegen ist es, finde ich, aber wichtig, es zu versuchen und daraus Kraft zu schöpfen. Daher ein Text wie dieser.
      Herzlichen Gruß und auch dir ein schönes Wochenende! Sarah

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  2. Hallo,
    ja zu sagen zum Leben ist sehr wichtig . Diese Ausnahmesituation hat mir beruflich viel abverlangt. Ich arbeite als Betreuerin in einer OGS und wir müssen unseren Dienstplan immer wieder neu und flexibel gestalten. Bei jeder Änderung passe ich mein privates Leben drumherum an, damit es mir gut geht. Das Leben geht weiter und will gelebt werden. Wenn du mich fragen würdest “ Bist du glücklich ?“, dann würde ich mit „Ja!“ antworten. Wir als Familie und ich als Einzelperson leben unser Leben so, dass wir auch Freude haben und nicht von dem Drama in der Welt runter gezogen werden. Natürlich haben wir auch viele Momente von „Ich mag nicht mehr“ und auch „Ich kann nicht mehr“. Diese Momente anzunehmen und weiter zu gehen, das ist für mich das Leben leben.
    Liebe Grüße,
    Britta

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    1. Hallo Britta,
      danke für deinen Kommentar! Mir persönlich ist inzwischen wichtig, genau hinzusehen: was ist wirklich nötig (zum Eigenschutz und Schutz anderer) und wo sind Schwierigkeiten eher menschgemacht als virusbedingt. Immer wieder viel zu kurzfristig angekündigte geänderte Vorgaben im Kita- und Schulbereich sind so ein Beispiel. Wie ich aus erster Hand weiß, sorgte und sorgt das für unnötigen zusätzlichen Stress bei denjenigen, die diese Vorgaben dann ad hoc irgendwie umsetzen müssen. Hier den Verantwortlichen gegenüber deutlich zu machen, dass das anders gehen muss und kann, finde ich ebenso wichtig wie die grundlegende Akzeptanz der Situation. Daher gibt es kommenden Mittwoch auch noch einen zweiten Teil, in dem ich darauf eingehe, wie jede/r einzelne diesbezüglich aktiv werden kann.
      Herzlichen Gruß und alles Gute, Sarah

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