alleinerziehend, Familie

Hexenschuss. Wo finde ich als Mutter Hilfe im Krankheitsfall?

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Oha. Von einem Tag auf den anderen geht (fast) nichts mehr. Hexenschuss. Mit schmerzverzerrtem Gesicht humple ich durch die Gegend. Der Arzt bestätigt mir unaufgeregt: Ruhe, Wärme, moderate Bewegung werde das Ganze schon richten. Hüstel… Ruhe und moderate Bewegung als berufstätige Mutter eines Vierjährigen?

Nicht zum ersten Mal frage ich mich: Wie soll das eigentlich gehen, wenn ich einmal ernsthaft und für längere Zeit ausfalle? Eine heftige Grippe, ein durch Bienenstich zu Ballongröße angeschwollener Fuß oder jetzt eben ein (zum Glück nur moderater) Hexenschuss, haben mir einen gewissen „Vorgeschmack“ gegeben: viel geht nicht mehr, wenn der Körper nicht mitmacht.

Zeit, zu recherchieren!

1) Mutter-Kind-Kuren

Das Mutter-Kind-Hilfswerk e.V gibt einen ersten Überblick über die Schritte, die zur Beantragung notwendig sind. Meine Bloggerkollegin Silke Wildner hat zusätzlich drei Mütter befragt, die eine solche Kur bereits in Anspruch genommen haben. Fazit: Augen auf, welche Art von Kur du beantragst (im Zweifelsfall hole dir Hilfe bei einer Familienberatungsstelle, bevor du über deinen Hausarzt den Antrag stellst), habe keine übermäßig hohen Erwartungen an die Kur selbst und sei dir bewusst, dass du natürlich auch während der Kur, außerhalb der Therapie- und Kinderbetreuungszeiten, für deine mitreisenden Kinder verantwortlich bleibst. Für Alleinerziehende ohne präsenten Kindsvater und/oder familiäre Unterstützung in der Nähe, kann eine solche Kur dennoch oft der Rettungsanker sein, vor allem, weil dabei klar wird: Ich bin mit meinen Bedürfnissen und Problemen schlicht nicht allein!

2) Haushaltshilfe im Krankheitsfall

Eine Option, die für gesetzlich Versicherte interessant sein kann, ist die von gesetzlichen Krankenkassen bezuschusste Haushaltshilfe im Krankheitsfall. Privat Krankenversicherte erhalten hierzu keinerlei Finanzierung (außer sie haben explizit eine entsprechende Zusatzversicherung abgeschlossen). Beamte, insofern sie beihilfeberechtigt sind, können einen Teil der Kosten erstattet bekommen, allerdings nur, falls weitere Bedingungen, wie z.B. ein Einkommen unterhalb einer bestimmten Bemessungsgrenze oder der Umstand, alleinerziehend zu sein, gegeben sind. Der Weg geht auch hier (mit dem Formular der Krankenkasse, bzw. Beihilfe) zuerst zum behandelnden Arzt, der die Notwendigkeit der Haushaltshilfe bestätigt. Danach kannst du dich direkt mit einer Agentur in Verbindung setzen, die Haushaltshilfen vermittelt. Gegebenenfalls kann dir die Krankenversicherung dabei behilflich sein, da die Agenturen häufig mit dünner Personaldecke kalkulieren und die verfügbaren Haushaltshilfen lieber in die (lukrative) Langzeitpflege als in kurzfristige Beschäftigungsverhältnisse vermitteln. Weitere Infos zu Haushaltshilfen im Krankheitsfall bietet z.B. die Verbraucherzentrale; Information für die Finanzierung durch die Beihilfe findest du hier sowie über das Amt für Besoldung und Versorgung deines jeweiligen Bundeslandes.

3) Kurzzeit-Kinderbetreuung

Hier bieten Agenturen ihre (kostenpflichtige) Hilfe auch kurzfristig an. Manche, wie die in großen deutschen Städten verfügbaren „Notfallmamas“, der „Notmütterdienst“ im Raum Köln oder das „Dorfhelferinnenwerk“ in ländlichen Regionen, haben sich auf Notfall-Kinderbetreuung spezialisiert, was im akuten Krankheitsfall helfen kann, die Zeit bis zu einer längerfristigen Betreuung zu überbrücken. Auch hier gilt aber natürlich: ein gewisser Standard der Betreuung (z.B. pädagogisch ausgebildetes oder zumindest geschultes Personal) und die kurzfristige Verfügbarkeit haben ihren Preis. Also sicher keine langfristige Lösung, außer man schwimmt als kranke Mutter oder kranker Vater in Geld.

4) Private Netzwerke

Also zurück zu den guten alten nicht-kommerziellen Netzwerken? Die geduldige Nachbarin, die auch mal einen ganzen Nachmittag auf das Kind aufpasst? Die gute Freundin, die im Notfall die Einkäufe erledigt? Der nette Bekannte, der mit dem Nachwuchs auf den Spielplatz geht? Alles wirklich hilfreich im akuten Notfall – aber für dauerhafte Hilfestellung stehen doch meist nur wenige Menschen verlässlich zu Verfügung. Am ehesten kann das, meiner Meinung nach, funktionieren, wenn der Kontakt über den Kindergarten, die Schule oder die Nachbarschaft ohnehin bereits regelmäßig besteht und man sich z.B. beim Abholen oder Betreuen der Kleinen abwechseln kann. Aber auch das wird, sollte der Bedarf für Wochen oder gar Monate bestehen, meist organisatorisch für die Helfenden schwierig.

5) Bezahlte Babysitter oder Au-Pairs

Ein „Mittelweg“ zwischen unbezahlter Hilfe und professionellen Agenturen können versicherungspflichtig angestellte Babysitter oder Au-Pairs sein. Gerade, wenn absehbar ist, dass längerfristig bei der Kinderbetreuung oder im Haushalt Hilfe benötigt wird, kann ein Au-Pair eine echte Option sein. Eine (alleinerziehende) Freundin hat über eine entsprechende Facebook-Gruppe innerhalb kürzester Zeit auf privatem Weg bereits das zweite Au-Pair in Folge gefunden. Alternativ helfen einem Au-Pair-Agenturen, natürlich wiederum gegen Bezahlung, bei der Suche und vermitteln auch im Fall von Konflikten zwischen Au-Pair und Familie. Einen Überblick über Au-Pair-Agenturen mit entsprechender Suchfunktion bietet z.B. die Seite „au-pair-agenturen.de

Organisation ist alles

Was all diese Möglichkeiten gemeinsam haben? Sie erfordern einiges an (zeitaufwendiger) Recherche, meist ein solides finanzielles Budget und/oder die Energie, sich mit den Antragsformularen der Kostenträger auseinanderzusetzen.

Hilfe suchen nicht erst, wenn ihr Hilfe braucht

Daher zuletzt mein wirklich dringlicher Rat: kümmert euch – wie bei der Altersvorsorge – nicht erst um Hilfe, wenn ihr euch kaum noch rühren könnt. Mit Grippe, Hexenschuss oder einer Diagnose, die einen längeren Krankenhausaufenthalt notwendig macht, steht euch sicher der Sinn nach einigem, nur nicht nach zusätzlicher langwieriger Recherche.

Also informiert euch, solange ihr gesund und kräftig seid:

  1. Wer kann mein Kind im Notfall vom Kindergarten abholen und betreuen, bis ich z.B. von einem Arzttermin nach Hause komme? Klärt das vorab und notiert euch die entsprechende(n) Person(en) mit Telefonnummer. Informiert außerdem den Kindergarten, bzw. die Schule.
  2. Wer ist bei meiner Krankenversicherung/Beihilfestelle meine Ansprechperson für Themen wie die Finanzierung von Haushaltshilfen, Kinderkrankengeld, Mutter-Kind-Kuren etc.? Notiert euch Name und Durchwahl und haltet beides griffbereit.
  3. Welche professionellen Haushaltshilfe- und Babysitteragenturen gibt es in meiner Umgebung? Was sind ihre Konditionen (z.B. Mindestbetreuungszeiten, welche Aufgaben können übernommen werden? Wie teuer ist das?) Namen der Ansprechpersonen und Telefonnummer notieren.
  4. Wer ist privat bereit, mich zu unterstützen durch ein Telefonat oder einen Kurzbesuch? Wer aus meinem Freundes- oder Bekanntenkreis würde für kleinere Aufgaben wie z.B. einen Einkauf, einspringen? Auch hier fragen, solange ihr gesund und kräftig seid. Lasst euch gegebenenfalls durch die Ideen eurer Freunde überraschen!

Ich sorge gerade für den Notfall vor. Unterstützt du mich dabei?“

Das klingt vielleicht erst einmal ungewohnt. Aber es ist sicher besser, als nachts um vier als heulendes Elend die Freundin aus dem Bett zu klingeln – oder sich, heiser vor Angina, von einem Mitarbeiter der jahrelang bezahlten Krankenversicherung anhören zu müssen, eine Haushaltshilfe sei „eine versicherungsfremde Leistung, diene nicht der unmittelbaren Heilung“ und werde somit nicht finanziert.

Um meine Altersvorsorge kümmere ich mich (bestenfalls) auch nicht erst, wenn ich alt und gebrechlich bin. Warum das also für den Fall einer Erkrankung anders handhaben? Ich jedenfalls nehme mir vor: ich frage die Mutter des besten Kindergartenfreundes meines Sohnes bei der nächsten Gelegenheit, ob sie ihn im Notfall mit abholen kann. Meine Nachbarin ist bereits schon einmal bei einem Arzttermin spontan zwei Stunden lang als Babysitterin eingesprungen, eine Freundin hat Einkäufe für mich erledigt, als ich mit Grippe im Bett lag. Und wie sieht es aus mit einer professioneller Haushaltshilfe? Ich werde mich erkundigen. Mein Netz für den Notfall ist sicher noch ausbaufähig. Einen Anfang immerhin habe ich gemacht.

Und du? Auf welche Unterstützung greifst du zurück, wenn du krank bist? Fallen dir noch Hilfsangebote an, die ich hier nicht aufgezählt habe? Ich freue mich über Kommentare!

Herzlichen Gruß, Sarah

[Dieser Artikel enthält Links zu kommerziellen Anbietern. Die Verlinkung dient jedoch ausschließlich der Information. Ich habe durch sie keinen finanziellen Vorteil.]

[Foto: Pixabay]

2 Gedanken zu „Hexenschuss. Wo finde ich als Mutter Hilfe im Krankheitsfall?“

  1. Sehr gute Idee, das Thema offensiv im Freundeskreis anzugehen! Die „Haushaltshilfen“ der Krankenkassen sind theoretisch (!) auch eine gute Möglichkeit, zumal man dabei auf sogenannte Familienhelferinnen zurückgreifen kann, die auch Grundkompetenzen im Umgang mit Kindern haben. Allerdings stellen sich sowohl die Arztpraxen als auch die Krankenkassen etwas an, wenn es um diese Formulare geht. Das war zumindest meine Erfahrung, als ich mal einen Bandscheibenvorfall hatte. Da hieß es von Seiten der Krankenkasse, das sei eine Leistung, die normalerweise nur nach einem Krankenhausaufenthalt gewährt wird. Die Arztpraxis machte auch den Eindruck, dass sie das Formular zum ersten Mal sieht 😉
    Liebe Grüße
    Angela

    Liken

    1. Liebe Angela,
      ich habe selbst mit meiner Krankenversicherung und einem Notfall-Betreuungsdienst, als ich mal kurzfristig dringend Unterstützung gebraucht hätte, leider nicht die besten Erfahrungen gemacht. Vor allem hatte ich den Eindruck, mein „Fall“ wurde nur unter dem Aspekt der Wirtschaftlichkeit gesehen und ich bekam ziemlich schroff mitgeteilt, welche „Mindeststundenzahl“ ich dann buchen müsse und dass ich mich auf gewisse Kosten einstellen müsse. Alles nicht sehr erfreulich, wenn man aufgrund einer Erkrankung schon geschwächt ist…
      Daher auch mein Impuls, sich in „guten Zeiten“ um die Organisation zu kümmern (soweit möglich).
      Letztlich sind bei mir dann doch meist Freunde und Familie eingesprungen und es ging irgendwie. Dennoch weiß ich nicht, wie das aussehen würde, wenn ich mal wirklich über Wochen oder Monate ausfallen würde. Aber auch da ist vermutlich ein Stück weit (Gott-) Vertrauen nötig, dass sich in einem solchen Fall Wege auftun würden und ich Hilfe bekommen würde! Also MACHEN, was möglich ist und VERTRAUEN, wo Dinge außerhalb der eigenen Kontrollierbarkeit liegen in Kombination!🙂
      Herzlichen Gruß, Sarah

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