Gesellschaft, Persönliches, Politik

150 geile Uschis: Frauenpower beim ersten „Geile Uschi-Kongress“ in Köln

„Geile Uschi-Kongress“? Henriette Frädrich, Organisatorin des ersten Kölner „Geile Uschi-Kongresses“ am 26.10.2019, erklärt auf ihrer Website, was der Begriff für sie bedeutet: Ein „selbstironisches Kompliment an all die tollen, großartigen Frauen, die geradlinig ihren Weg gehen, ihr Ding machen, die sich nicht scheuen, zu polarisieren und zu provozieren“. Ein Speakerinnen-Event von Frauen für Frauen und Männer. Klingt toll? 

Frauen mit Haltung

Gemeinsam mit Christina Rinkl von getrenntmitkind.de, mit der ich seit zwei Jahren einen regelmäßigen Stammtisch für Allein- und Getrennterziehende in Köln anbiete, war ich am 26.10.2019 im alten Pfandhaus in Köln als Besucherin mit von der Partie.

Eine Veranstaltung von und für Frauen, „die Haltung und Meinung haben, für ihre Sache kämpfen und einstehen, die unbequem sind, mutig, Herz und Hirn gleichermaßen einsetzen, die echt sind, wahrhaft, authentisch“. So die Ankündigung und jawohl, solche Frauen kamen hier tatsächlich zu Wort. Von der Politikerin über die Lehrerin bis hin zur erfolgreichen Teleshopping-Verkäuferin. Eine Ingenieurin war ebenso unter den Rednerinnen wie „Influencerin“ Annica Hansen mit rund 250.000 Instagram-Abonnent/innen, die Schauspielerin und Aktivistin Inez Bjørg David und die Autorin Romy Hausmann, deren Buch „Liebes Kind“ in den letzten Monaten die Spiegel-Bestsellerliste anführte. Alleinerziehende und Mehrfachmütter ebenso wie Kinderlose. Insgesamt zwölf wirklich unterschiedliche, beeindruckende Persönlichkeiten.

Und diese Frauen hatten etwas zu sagen. Sei es Politikerin Claudia Stamm, die sich mit ihrer neu gegründeten Partei MUT in Bayern für eine Politik einsetzt, die nicht „die eigene Angst über die eigenen Aufgaben stellt“, sei es Management-Trainerin Suna Hariri, die angesichts eines familiären Schicksalsschlags zu mehr Demut und Dankbarkeit in ihrem Leben fand oder Eva Schulte-Austum, die sich für mehr Vertrauen in persönlichen Beziehungen einsetzt. Annica Hansen und Buchautorin Romy Hausmann zeigten ebenso wie die BASF-Ingenieurin Natalie P. Gelder anhand ihrer Lebens- und beruflichen Erfolgsgeschichte, dass es sich lohnt, sich für seine Ziele einzusetzen und auch gegen Widerstände dem eigenen Weg zu folgen und Lehrerin Nina Toller, die an die Möglichkeiten der Digitalisierung in deutschen Schulen glaubt, sucht in „MacGuyver-Manier“ nach Möglichkeiten, trotz bürokratischer Hürden für ihre Schüler/innen wirklich guten, digital unterstützten, Unterricht zu gestalten.

Stille Töne – harte Kontraste

Mich beeindruckten auch die eher „stilleren“ Rednerinnen wie Anja Kässner, die während einer Wanderung von Dresden nach Köln Menschen aufsuchte, die sich mit großem Engagement für ein menschlicheres und gerechteres Leben in ihrer Umgebung einsetzen. Auch Karen Hartigs Vortrag fand ich wirklich inspirierend. Mit feinem Humor zeichnete sie ihren Lebensweg parallel zu dem eines Klassenkameraden, der vom Dorfschwarm zu einem der reichsten Menschen der Welt  geworden war und schließlich doch fast alles wieder verloren hatte. Ihr Fazit: Wahrer (innerer) Reichtum entsteht, wenn uns das, was wir haben, genügt. Ein dankbares „Es ist genug“ statt des Strebens nach immer mehr.

12 Rednerinnen an einem Abend. Das war wuchtig, kraftvoll – und mir persönlich fast zu viel. In drei „Blöcken“ mit jeweils vier Rednerinnen kamen all diese tollen Frauen zu Wort und zwar „Schlag auf Schlag“, ohne wirkliche Pause, abgesehen von der Anmoderation durch Henriette Frädrich. So berichtete Schauspielerin, Unternehmerin und Yoga-Lehrerin Inez Bjørg David barfuß und höchst lebendig von der Verbundenheit unter Menschen, wenn wir uns erlauben, uns mit allem, was in uns ist, zu zeigen. Direkt danach ließ uns Verkaufstrainerin und Teleshopping-Profi Nina Wirtz perfekt gestylt und rhetorisch geschliffen am Geheimnis ihres Erfolgs teilhaben: sie verkaufe „mit Herz“, erkenne also die Bedürfnisse ihrer Kunden nach Nähe und Verbundenheit und befriedige sie. Tja… Zwei Definitionen von „Verbundenheit“, die unterschiedlicher kaum sein könnten und die natürlich gerade durch diesen Kontrast zur Diskussion anregen.

Frauen sind mehr als nett und harmonisch

Frauen dürfen auch irritieren und polarisieren. Sie dürfen anecken, unbequem, machthungrig, erfolgsgeil sein. Sie dürfen sich zu kommerziellen Zwecken verkaufen, müssen nicht „die besseren Menschen“ sein. Menschen gehen höchst unterschiedliche Wege in ihrem Leben. Für manche ist der finanzielle Erfolg ein Weg, sich zu behaupten und endlich sie selbst zu sein, andere suchen unabhängig von materiellem Wohlstand nach Wachstum und Erkenntnis. Es gibt Frauen, die lernen müssen, die Verantwortung für ihre Lieben ein Stück weit loszulassen und andere, die lernen, sie zu übernehmen. All das zeigten die unterschiedlichen Rednerinnen und das allein war den Besuch dieses ersten Geile Uschi-Kongresses wert.

Mehr Raum für Diskussion!

Allerdings hätte ich mir definitiv mehr Raum für den Austausch über das Gehörte gewünscht. Auch unter den Zuschauer/innen des Abends waren ja tolle Frauen wie z.B. die Autorin und Trainerin Susanne Wendel oder die Gründerinnen von Mama Meeting, einem Kölner Netzwerk für berufstätige Mütter. Aber in den kurzen Pausen war leider nur wenig Raum für den Kontakt unter uns Zuhörer/innen. Auch den einzelnen Vorträgen hätte ich gern ein wenig länger nachgespürt. So rührte der Bericht Katja Friedrichs über die Wandlung ihres Sohnes, der im Rahmen einer Geschlechtsangleichung zu ihrer Tochter wurde, das Publikum zu Tränen und sie erhielt Standing Ovations. Aber bevor wir das Gehörte in irgendeiner Weise „verdauen“ konnten, kam schon die nächste Rednerin auf die Bühne.

WOW-Effekt trotz kleiner Pannen

Am Ende bleibt tatsächlich der WOW-Effekt, so viele tolle Frauen erlebt und gehört zu haben. Die rund 150 Zuschauerinnen und Zuschauer feierten dies auch entsprechend durch ihren Applaus. Die Organisation des Abends war insgesamt trotz kleinerer technischer Pannen sehr gut, inklusive der Moderation durch Henriette Frädrich, der Mithilfe ihres tollen Teams inklusive liebevoll gestalteter „Proviant-Tüten“ für die Pausen und „Goody-Bags“ mit kleinen Geschenken zum Abschied.

Für die Zukunft bleibt noch genug an Möglichkeiten offen. Eine Astronautin auf der Bühne? Mehr Frauen über 50, die ihre Lebensklugheit mit uns teilen? Eine rhetorisch versierte Krankenschwester? Noch mehr Vernetzung und vielleicht Musik oder Ähnliches als Ausgleich zum geistigen Imput?

Der Geile Uschi-Kongress war nur der Anfang.

Also lasst uns rausgehen und uns feiern! Lasst uns Netzwerke knüpfen, unsere Gegensätzlichkeit nutzen und als Stärke erkennen. Wir müssen nicht lieb, nett und gefällig sein, um Erfolg zu haben; aber wir dürfen auch erfolgreich und mächtig nette Menschen bleiben. Wir sind tolle, polarisierende, inspirierende Frauen. Lasst uns diese Möglichkeiten nutzen. Für uns selbst, unsere Familie und die Gesellschaft um uns herum. Als „geile Uschis“ eben!😉

Herzlichen Gruß, Sarah

3 Gedanken zu „150 geile Uschis: Frauenpower beim ersten „Geile Uschi-Kongress“ in Köln“

    1. Danke dir Sarah für die Verlinkung und hier kommt auch noch meine Zusammenfassung des Abends: https://mamachillt.com/2019/10/28/uschi/
      Es war ein inspirierender Kongress mit tollen Frauen auf und neben der Bühne. Und du hast mal wieder völlig Recht, wenn du schreibst: „Wir müssen nicht lieb, nett und gefällig sein, um Erfolg zu haben; aber wir dürfen auch erfolgreich und mächtig nette Menschen bleiben.“
      Ich freu mich schon aufs nächste Uschi-Treffen, ob im Alten Pfandhaus oder bei unserem Stammtisch 🙂
      Liebe Grüße,
      Christina

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