Die Richterin der Frauen: Erna Scheffler, erste Richterin am Bundesverfassungsgericht

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(C) Bundesregierung / Rolf Unterberg

Lust auf eine Powerfrau?

Dann lest hier über eine Juristin, die sich in ihrer Jugend nicht nur Abitur und Staatsexamen hart erkämpfen musste, sondern als erste Richterin überhaupt am deutschen Bundesverfassungsgericht tätig war. 

„Männer und Frauen sind gleichberechtigt“

Ohne sie würde ich heute vermutlich nicht meinen Beruf ausüben und könnte dadurch, getrennt lebend, meinen Sohn und mich finanzieren. Ich würde vielleicht auch nicht mit entsprechendem Selbstvertrauen meinen männlichen Kollegen gegenüber das Wort ergreifen, im Bewusstsein dessen, was das Grundgesetz seit 1949 in Artikel 3, Absatz 2 formuliert: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“. Und nicht zuletzt würde mein Sohn mit völlig anderen Rollenbildern aufwachsen: Mama am Herd, ohne eigenes Konto, Papa als der „Entscheider“, der das Leben außerhalb des Hauses regelt. So führt er sein (Puppen-) „Baby“ ebenso selbstverständlich mit dem Kinderwagen aus, wie er mit seinem (Spielzeug-) „Motorrad“ zur „Arbeit“ flitzt und ich bin in seiner Vorstellung genauso klar berufstätig und für das Geldverdienen verantwortlich wie sein Vater. 

Pionierin Dr. Erna Scheffler

Ein Kompliment also an Dr. Erna Scheffler, von 1951 bis 1963 erste Richterin am Bundesverfassungsgericht. Im Spiegel habe ich vor kurzem einen sehr interessanten Artikel über sie gelesen („Fünf Wörter“), der mir noch einmal bewusst machte, welche kurze Zeitspanne eigentlich seit dem Moment verstrichen ist, als Männer und Frauen qua Gesetz gleichberechtigt wurden.

„Männer und Frauen sind gleichberechtigt“: Dieser Satz, 1949 von der Juristin und SPD-Abgeordneten Elisabeth Selbert durchgefochten, wäre ohne Frauen wie Richterin Scheffler vielleicht heute noch eine leere Floskel. Erst 1953 erreichte sie mit Entschlossenheit und Beharrlichkeit ein Urteil, das den bis dahin umstrittenen Gleichberechtigungs-Passus im Grundgesetz als rechtmäßig und damit auch für Entscheidungen des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) als verbindlich definierte. 

Diskriminierung in der Familie ist illegal

Nach diesem Grundsatzentscheid waren Urteile, die den Familienvater allein aufgrund seines Geschlechts zum Entscheidungsträger und „Oberhaupt“ der Familie erklärten, ungesetztlich, die bis dahin gesellschaftlich akzeptierte Diskriminierung von Frauen in Ehe und Familie wurde illegal. 

Dass das alles erst 65 Jahre her ist, verblüfft mich immer noch. Und zugleich ist auch heute vollständige Gleichberechtigung z.B. bei Gehaltsverhandlungen oder im Steuerrecht ja noch längst nicht selbstverständlich. Aber Frauen sind mit großem Selbstbewusstsein auch in akademischen Berufen tätig und viele Mütter verdienen ihr eigenes Geld, was ihnen im Fall partnerschaftlicher Konflikte oft erst den Schritt zur Trennung ermöglicht. Zugleich erhalten auch Väter die Möglichkeit zu einem neuen Rollenverständnis: Seit 1953 ist der Mann auch vor dem Gesetz nicht mehr vor allem Ernährer und Entscheider, sondern darf gleichberechtigtes Mitglied der Familie sein und z.B. eine Bindung zu seinen Kindern aufbauen, die über Abendspielstunden und Wochenendfreizeit hinausgeht. Die Elternzeit, die allmählich auch immer mehr Väter in Anspruch nehmen, ist sicher ein (richtiger und wichtiger) Schritt in diese Richtung. 

Mehr Raum für Männer und Frauen

Somit haben die „fünf  Wörter“ Elisabeth Selberts („Männer und Frauen sind gleichberechtigt“), die Richterin Scheffler in ihrem Grundsatzurteil bestätigte, nicht nur das Potential, Frauen zu stärken und sie ihrer Rechte zu versichern, sondern weiten auch den Raum, der sich für Männer auftut: das Recht auf beruflichen Erfolg und finanzielle Unabhängigkeit gilt seit 1953 für beide Geschlechter, aber auch das Recht auf elterliche Fürsorge und innerfamiliäres Engagement. 

Danke Ihnen, Richterin Scheffler! 

Herzlichen Gruß, Sunnybee

Zum Weiterlesen: 

Elisabeth Selbert als „Mutter der Gleichberechtigung“ (Die Zeit online)

Dr. Erna Scheffler am Bundesverfassungsgericht (STB Web)

Initiative zur gesetzlichen Stärkung von „Care“-Arbeit in Familie und Beruf (Online-Petition)

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