
Glück sei, ganz in der Gegenwart zu leben, lese ich in einem Buch. Statt dass wir über Vergangenes grübelten oder auf Zukünftiges hinlebten, gehe es darum, jetzt zu leben. Jetzt. Und jetzt. Aber was, wenn ich im Jetzt einfach nur Kopfschmerzen habe, genervt bin oder mir alles zu viel ist? Wo ist da das Glück?
Glück ist… das Dahinterliegende zu erkennen
Wenn ich gereizt bin, spüre ich meine Grenzen. Meine Wutenergie hält die Kraft bereit, für sie einzustehen. Ich darf laut werden und meine Stimme für mich selbst erheben. Das ist Glück.
Wenn ich erschöpft bin, sagt mir meine Müdigkeit: Nur so weit und nicht weiter. Sorge gut für dich! Ich darf genau das tun. Das ist Glück.
Wenn ich mich eingeengt fühle, zeigt mir der Wunsch nach Freiraum, dass ich Möglichkeiten in mir habe, die über mein jetziges Leben hinausgehen. Was will ich? Wohin zieht es mich? Wofür bin ich da in dieser Welt? Es ist ein Glück, dass ich mir diese Fragen stellen kann.
Fühle ich mich einsam, darf ich die Furcht vor dem Verlassenwerden und die Trauer über fehlende Verbindung fühlen. Ich spüre aber auch mein liebendes Herz, meine Bereitschaft, mich weich, weit und vertrauensvoll zu öffnen und hinzugeben. In Freundschaft, in Beziehung, in Verbindung. Das ist Glück.
Fühle ich mich ängstlich, zaudernd, fällt es mir schwer, den nächsten Schritt zu gehen, darf ich meine Schutzenergie spüren, die mich beim Weg ins (noch) Unbekannte begleitet. Ich möchte mich bewegen, aber ich schütze dabei auch alles Zarte in mir, verschaffe mir einen Überblick, erlaube mir die Zeit, reif genug zu werden für das Neue. Das ist Glück.
Und was, wenn ich einfach nur tieftraurig bin, nicht glaube, dass ich je wieder glücklich sein kann? Dann darf ich spüren, wie sehr mich etwas hält, wenn ich selbst nichts mehr tragen kann. Ich bin nicht allein, auch in größtem Unglück nicht. Das ist Glück.
Glück ist… den Weg zu gehen, den das Leben dir weist
Glück ist, zu merken, dass du das Schwere tragen kannst. Und dass es dir als Botin den Weg weist zu dem, was schon da ist: Die Kraft des Augenblicks, die Botschaft der Annahme, die Möglichkeit zur Wandlung. Die Fähigkeit zu sein.
In diesem Sinn herzlich einen glücklichen Sonntag!
Sarah Zöllner (mutter-und-sohn.blog)
Die Autorin ist freie Journalistin, Autorin für Familien- und Gesellschaftsthemen sowie Mutter eines Kindergarten- und eines Grundschulkindes.
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[Foto: privat]
