Familie, Gesellschaft

Sorry, Väter! Warum es nicht reicht, in der Familie „mitzuhelfen“ – und was ihr statt dessen tun könnt!

Mann in Anzug mit Baby auf dem Arm

Zum Muttertag 2022: Ein Appell an alle Vollzeit arbeitenden „mithelfenden“ Väter!

„Ich arbeite Vollzeit. Abends und am Wochenende helfe ich meiner Frau mit den Kindern, wo ich kann. Und trotzdem ist sie nicht zufrieden!“ – „Ich kann ihr nichts recht machen. Wenn ich mit anpacke, meckert sie nur!“ Oder: „Typisch Maternal Gatekeeping – eigentlich will sie gar nichts abgeben – sonst würde sie doch nicht „Nein“ sagen, wenn ich ihre Aufgaben am Wochenende übernehmen will?“ Kennt ihr solche Aussagen aus dem Freundeskreis? Oder vielleicht sogar von euren eigenen Männern? Was ist da los?

Liebe in Vollzeit arbeitenden Väter!

Laut statistischem Bundesamt arbeiteten in Familien mit minderjährigen Kindern im Jahr 2020 noch immer knapp 95 (!) Prozent der Väter in Vollzeit, also meist 40 Stunden oder mehr pro Woche. Entsprechend übernahmen ihre Frauen im Alltag 80 bis 100 Prozent der Organisations- und Fürsorgearbeit – gegebenenfalls neben einem eigenen (Teilzeit-) Job außer Haus. Was bedeutet das für die Rolle der Väter in der Familie? Aber auch für uns Mütter? Liebe in Vollzeit arbeitenden Väter – drei klassische Dilemmata „mithelfender“ Männer – und wie ihr eure Frauen wirklich unterstützen könnt!

„Ich arbeite Vollzeit. Abends und am Wochenende helfe ich meiner Frau mit den Kindern, wo ich kann. Und trotzdem ist sie nicht zufrieden!“

Hinter dieser Aussage steht meist die (unausgesprochene) Erwartung, deine Frau solle dankbarer für die gegebene Hilfe sein. Schließlich sei ihre (Haupt-) Aufgabe im Alltag Haushalt und Kinderbetreuung, während du im Job außer Haus das (Haupt-) Einkommen der Familie generierst. Dementsprechend sei es ein Entgegenkommen deinerseits, dass du ihr abends oder am Wochenende überhaupt mithilfst – schließlich seien die Aufgaben, die du dabei übernimmst, eigentlich ihr Job. Vielleicht gehst du gedanklich sogar soweit, Kinderbetreuung und Haushalt ohnehin für eher „weibliche“ Aufgaben zu halten („Frauen sind einfach die ordentlicherem Menschen!“, „Ein Kind braucht seine Mutter!“) und entsprechend Aufgaben in diesen Bereichen als freiwilliges „Extra“ auf Männerseite anzusehen.

Tja – diese Sichtweise mag für euch funktionieren, insofern deine Frau mit einer derart konservativen Rollenverteilung tatsächlich einverstanden ist. Aber grundsätzlich ist selbst dann die Denkweise „Mein Job – Ihr Job“ nicht fair – auch wenn sie jahrhundertelang von Männern bereitwillig akzeptiert wurde, die sich „nach getaner Arbeit“ von ihren Frauen, die mit Kind und Haushalt beschäftigt waren, abends bedienen und verwöhnen ließen… 

Denn – neben der Bezahlung – gibt es zwischen ihrer und deiner Aufgabe höchstwahrscheinlich einen bedeutenden Unterschied: während du irgendwann Urlaub und Feierabend hast, ist sie mit Haushalt und Kindern quasi nonstop beschäftigt. Ihre Arbeitszeit endet nicht um 17, 18 oder auch 20 Uhr. Ihre Aufgaben sind auch nachts, am Wochenende und in Urlaubszeiten weiter vorhanden – ergo ist es eigentlich nur fair, dass du mithilfst. Schließlich hast du dieselben Kinder in die Welt gesetzt und lebst in demselben Haushalt, der euch eben auch noch am Wochenende beschäftigt. Für deine „Mithilfe“ besondere Dankbarkeit zu erwarten und sie anzubieten oder auch wieder zu entziehen, wie es dir passt, verbietet sich eigentlich von selbst. Dass du mithilfst, ist eine Selbstverständlichkeit, du solltest eher fragen, wie du eine echte Hilfe sein kannst!

„Ich kann ihr nichts recht machen. Wenn ich mit anpacke, meckert sie nur!“

Auch ein klassischer Satz „mithelfender“ Männer. Besonders gern gesagt, nachdem das Kleinkind, auf das ihr aufzupassen versprochen habt, mit der Bastelschere den Tisch zerkratzt oder die Wand mit Wachsmalkreide „verschönert“ hat („Ich habe doch nur eben kurz auf dem Handy meine Mails gecheckt, kann ich ahnen, dass sie so schnell auf solche Ideen kommt?“) oder auch, nachdem beim Wocheneinkauf die Hälfte vergessen wurde, die roten Socken die weiße Wäsche verfärbt haben, und so weiter. Üble (Geschlechter-) Klischees? Liebe „mithelfenden“ Männer – echte Hilfe bedeutet auch, sich verantwortlich zu fühlen. Situationen richtig einzuschätzen und im Zweifelsfall zu fragen, was wirklich hilfreich ist und was nicht und Aufgaben auch wirklich komplett und in einer Weise zu übernehmen, dass dadurch nicht noch mehr Arbeit entsteht.

Also nach dem Kochen zum Beispiel auch die Küche aufzuräumen. Das Baby nicht nur zu wickeln, sondern auch wieder vollständig anzuziehen (auch wenn es genau das gerade partout nicht will und dabei schreit), oder im Kleideretikett die Pflegehinweise anzusehen, so dass die anvertrauten Kleider nach dem Waschen nicht eine Größe kleiner sind als zuvor. Statt einfach zu machen und anschließend zu meckern, dass eure Frau genervt ist, wenn dabei etwas schief läuft, fragt einfach (und merkt es euch), wie sie es gern hätte. Vergesst nicht: sie hat die Routinen, trägt (meist) die Verantwortung und ist durch eure Aufgabenteilung in diesem Bereich tatsächlich die Expertin – behandelt sie auch so! 

„Typisch Maternal Gatekeeping – eigentlich will sie gar nichts abgeben – sonst würde sie doch nicht „Nein“ sagen, wenn ich ihre Aufgaben am Wochenende übernehmen will?“

Was aber, wenn ihr voller Elan am Feierabend oder Wochenende Aufgaben in der Familie übernehmen wollt, die sonst in ihren Bereich fallen – und eure Frau will das gar nicht? Ist das tatsächlich ihr Problem? Kann sie nicht delegieren und ist überhaupt zu kontrollierend? 

Nun, vielleicht. Vielleicht ist aber auch der  Knackpunkt, dass ihr im Innersten die von euch übernommenen Aufgaben noch immer nicht als eure gemeinsame Verpflichtung anseht (wie gesagt, eure gemeinsamen Kinder, euer gemeinsamer Haushalt). Statt dessen haltet ihr es zwar für richtig und wichtig, dass ihr als Männer und Väter „mithelft“, aber eben immer auf freiwilliger Basis. Ihr geht am Wochenende mit den Kindern zwei Stunden auf den Spielplatz, „damit sie mal was für sich tun kann“?  Darin schwingt mit, dass eure Hilfsbereitschaft ein Entgegenkommen ist, das ihr auch jederzeit wieder entziehen könntet. Wenn ihr ehrlich seid, erwartet ihr aber umgekehrt, dass sie 5x pro Woche eure gemeinsamen Kinder zuverlässig von Schule oder Kindergarten abholt, da ihr ja (Vollzeit) arbeiten müsst. Genau das ist das hinter solchen Aussagen liegende Ungleichgewicht: ihr gebt ihren Aufgaben und Interessen weniger Priorität als euren. Wenn ihr erst mal soweit in der Schieflage in eurer Beziehung seid, hilft eigentlich nur eins: eine ehrliche Entschuldigung. Und eurer Frau endlich anzubieten, was sie braucht und was ihr wichtig ist, genauso ernst zu nehmen wie eure Belange.

Vielleicht sagt sie euch tatsächlich, dass sie aus voller Überzeugung wirklich immer und mit alleiniger Verantwortung für eure Kinder und den Haushalt zuständig sein möchte. Vielleicht erfahrt ihr dann aber auch erst, welche Unterstützung sie sich wirklich von euch wünschen würde. Statt innerhalb des Rahmens, den ihr durch eure Arbeit und eure Prioritäten vorgebt, netterweise „ihre“ Aufgaben zu übernehmen, könntet ihr euer Leben so gestalten, dass ihr tatsächlich beide das verfolgen könnt, was euch wichtig ist und euch dabei verlässlich unterstützen. Echte Gleichberechtigung statt Hierarchie!

Schreibt mir eure Meinung!

Und, was haltet ihr davon? Helft ihr in eurer Familie mit, unterstützt ihr euch gegenseitig oder tragt ihr die alleinige Verantwortung? Und welches Konzept bevorzugt ihr persönlich? Eure Meinung interessiert mich – schreibt sie gern in die Kommentare!

Mit diesem Artikel nehme ich an der Blogparade der Seite „Starke Mamas“ teil. Bis 31.05.22 könnt ihr euch noch an der Blogparade beteiligen und die bereits veröffentlichten spannenden Beiträge lesen. Schaut doch mal vorbei!

Herzlichen Gruß, Sarah Zöllner (mutter-und-sohn.blog)

Die Autorin ist Lehrerin, Autorin für Familien- und Gesellschaftsthemen und Mutter eines Kindergarten- sowie eines Grundschulkindes.

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30 Gedanken zu „Sorry, Väter! Warum es nicht reicht, in der Familie „mitzuhelfen“ – und was ihr statt dessen tun könnt!“

    1. Nicht wahr, kaum zu glauben. Und sie sind mitten unter uns…😉🤓 Gut, dass du nicht zur „Pfeifenfraktion“ zu gehören scheinst! Kein Vollzeitjob oder trotz Vollzeitjob andere Arbeitsteilung in eurer Familie?
      Herzliche Grüße, Sarah

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  1. Liebe Sarah,
    vielen Dank für den tollen Beitrag! Und ja, solche konservativen Haltungen sind nach wie vor weit verbreitet. Das liegt oft auch daran, dass es in der Kindheit so erlebt wurde und somit „normal“ war. Da dürfen neue Rollenbilder und auch Verhaltensweisen schlicht in der Praxis entstehen. 😉

    Vielen Dank für deinen tollen Beitrag! Ich habe ihn sehr gerne gelesen!
    Natalie

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    1. Danke, Natalie – auch für die Idee deiner Blogparade! Wie du auf deiner Seite als Kommentar zu meinem Beitrag schreibst: das Thema sorgt sicher für Diskussionsstoff – und das ist durchaus auch meine Absicht.
      Denn Männer wie Frauen sitzen meiner Meinung nach oft noch alten Rollenvorstellungen und -erwartungen auf, die einer wirklich partnerschaftlichen Aufteilung der Aufgaben in der Familie im Wege stehen. Falls mein Beitrag dazu führt, diese zu überdenken oder überhaupt sichtbar zu machen, ist meine Absicht schon erfüllt!
      Herzlichen Gruß, Sarah

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    1. 👆 Auch interessant: Autor/in (?) Anne Nühm schreibt unter Pseudonym, möchte laut Aussage in seinem/ihrem Blog „zu einem besseren Verständnis zwischen Männern und Frauen beitragen“ und argumentiert mit der „Undankbarkeit der Mütter“, die die Anstrengung der Männer nicht zu schätzen wüssten und statt ihnen den Rücken freizuhalten, immer nur nörgelten. Zitat: „Es ist im höchsten Maße undankbar, dann auch noch zu erwarten, dass [der Vater] in seiner wenigen Freizeit auch noch die unangenehmeren Aufgaben der Kinderversorgung übernimmt. Einfach ein wenig gemeinsame, unbeschwerte Zeit mit dem Kind gönnt man ihm ja nicht, sondern erwartet, dass er – zusätzlich zu einem vielleicht stressigen Job – noch Verantwortung für irgendwelchen Kleinkram übernimmt.“
      Tja… wobei die Frau in dieser Argumentation eben täglich wie selbstverständlich den „Kleinkram“ erledigt, damit der Mann seinem – offenbar als deutlich wichtiger empfundenen – Job nachgehen kann. Die Dankbarkeit dafür hält sich in diesem Blogbeitrag allerdings auch in Grenzen. Ach ja…🤷‍♀️

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  2. Ohje,
    eine Klageschrift, die sich selbst entlarvt;
    1) Die Entscheidung, wie die Konfiguration der Familie aussieht ist in den meisten Fällen eine gemeinsame. Die meisten Frauen können sich nicht vorstellen, nach der Elternzeit Vollzeit in den Job zu wechseln und das Kind beim Vater zu lassen. Über die individuellen Gründe kann man sicher im Einzelfall diskutieren, Allgemeinplätze sich aber sicher falsch.
    2) Das Familienvermögen zu erwirtschaften ist ebenso „Carearbeit“ für das Kind bzw. Familie. Das Argument, dass die Betreuung des Kindes durch die Mütter unentgeltlich passiert, ist schlichtweg falsch. Von welchem Vermögen zahlt die Mutter ihren Latte Macchiato am späten Vormittag mit ihren Freundinnen? Vermutlich vom Familienvermögen, das der Mann erwirtschaftet.
    3) Ja, wenn man der klassischen Aufteilung folgt, Mann = arbeitet, Frau = Haushalt, dann hat der Mann seinen Teil der Aufgabenteilung erfüllt. Die Autorin scheint der Auffassung zu sein, dass der Mann zum Freizeitvergnügen in die Arbeit geht, und die wichtige und schwere Arbeit alleinig bei der Mutter liegt.
    4) Nein, die Arbeit im Haushalt endet nicht um 17 Uhr. Doch liegt eine gewisse Arroganz in der Vorstellung, dass der (arbeitende) Mann nach Dienstende sich gedanklich nicht mehr mit der Arbeit beschäftigt, sich vielleicht Sorgen um die Finanzierung der Familie macht.
    5) Die Autorin spricht das Symptom des „Maternal Gatekeeping“ an und beweist mit ihrem Artikel genau dieses. Der Mann soll (selbstverständlich) „mithelfen“, aber nur in dem Maße, wie sie es brauchen kann und sie bereit ist, Verantwortung abzugeben.
    6) Wenn sie aber Verantwortung abgeben möchte, dann muss sie auch bereit sein, diese Verantwortung loszulassen. Auch wenn es klar ist, dass der Man in einem u.U. nicht primären Verantwortungsbereich Fehler macht. Und wenn sich die Autorin darüber lustig macht, dass eine rote Socke bei der weißen Wäsche zu finden war, dann sollte sie von der Überheblichkeit herunterkommen und sich an ihre eigenen Fehler, in diesem Fall verwaschene Wäsche, erinnern.
    Fazit, die Autorin könnte ihre Meinung auf ihre Konsistenz überprüfen. So bleibt der Artikel ein großes Jammern auf einem arrogant hohem Niveau.

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    1. Uiuiui… der Beitrag erregt offensichtlich die Gemüter. Schade nur, dass die Kritik an (angeblichen) Allgemeinplätzen mit Allgemeinplätzen begründet wird. Vom mutmaßlichen „Familienernährer“ bis zur „Latte Macchiato trinkenden“ Mutter, die sich finanziell aushalten lässt, bleibt kein Klischee unbemüht. Autsch!
      Wobei ich zustimme: der Weg in diese Form der Familienaufteilung ist meist tatsächlich selbst gewählt – welche politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen noch immer fast 95% aller Familien genau dieses Modell wählen lassen, müsste allerdings auch betrachtet werden. Darum geht es hier allerdings ja nicht primär.
      Dass sowohl Erwerbs-, als auch Fürsorgearbeit für die Familie wichtig ist, zweifelt die Autorin übrigens gar nicht an. Leider kann Frau (oder auch Mann) von Letzterem allein nicht das eigene Leben finanzieren – diese gesellschaftliche Nicht-Anerkennung der innerfamiliären Care-Arbeit schafft damit erst das Ungleichgewicht.

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  3. Therapeutisch müsste man in der Beziehungsarbeit vermutlich beim versteckten Minderwertigkeitskomplex oder der arroganten Egozentrik ansetzen, die es offenbar für beide regelmäßig erforderlich machen, das eigene Tun auf- und das des Partners und – in Übertragung auf all seine Geschlechtsgenossen – das der Männer per se abzuwerten.

    Dieses Bedürfnis scheint den den Lehrendenberuf Ergreifenden in gewisser Weise immanent zu sein, meint man dort, im Sammelbecken der Unsicheren, Unzufriedenen und um stete Abwertung des Gegenübers bemühten, doch ständig irgendwelche Werturteile bevorzugt über in gewisser Weise Abhängige (SchülerInnen, Eltern, Kollegen …) fällen zu müssen und zu dürfen.

    Allerdings ist Narzissmus eine der therapieresistentesten Erkrankungen überhaupt.

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    1. Hm… Das sind gleich einige steile Thesen, unter anderem die Annahme, das im Appell Genannte basiere 1:1 auf persönlichen Erfahrungen der (Blog-) Autorin, die als Lehrerin quasi qua Beruf Freude an der Be- und Abwertung anderer habe… Zum Glück ist das nicht so.
      Die weitere psychologische Beurteilung ist interessant, leider aber auch der Versuch, Empörung über strukturelle Ungerechtigkeiten als persönliche Hysterie (hier „Narzissmus“, „Egozentrik“, „Arroganz“) darzustellen und damit zu bagatellisieren. Ein übliches Vorgehen Frauen gegenüber. Man denke nur an die „hysterische Ehefrau“ des 19. Jahrhunderts oder die angeblich von „Penisneid“ gequälten emanzipierten Frauen im 20. Jh. Wer die Botschaft nicht hören will entwertet den/die Boten/in…

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    2. Wenn mit „struktureller Ungerechtigkeit“ z. B. gemeint ist, dass deutsche Gerichte auch im 21. Jahrhundert immer noch das Residenzmodell mit in mehr als 80% der Fälle Wohnsitzzuteilung bei der Mutter für das ideale Prinzip und die Krönung der gerechten und sinnvollen Entscheidung in Fragen der paritätischen Kindererziehung halten und das durchschnittliche deutsche Familienrichtende immer noch nichts vom Cochemer Modell gehört hat … dann ist das sicher äußerst beklagenswert.

      Wenn im gleichen Sinn real existierendes „maternal Gatekeeping“ verharmlost und entschuldigt werden soll oder ein simplifiziertes, klischeehaftes Bild von durchaus engagierten Familienvätern gezeichnet und unter Zuhilfenahme diverser Claquere gar als „typisch“ zur gesellschaftlichen Wahrheit stilisiert werden soll… dann ist das sicher ebenfalls beklagenswert.

      Wenn ein vermeintlich Gerechtigkeit heischender Beitrag derartige strukturelle Schieflagen aber völlig ignoriert, dann kann man der Autorin (die ja selbst mit der Abwertung anderer Personen nicht spart, ja im Prinzip sogar ihre ganze „Argumentation“ nur darauf aufbaut) den Vorwurf von (bestenfalls) Unkenntnis oder (schlimmstenfalls) böswilligem Narzissmus wohl nur schwer ersparen.

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  4. Die innenfamiliäre „Care-Arbeit“ ist kein gesellschaftlich zu bearbeitendes, sondern ein innenfamiliär zu bearbeitendes Thema. Vulgo: Wer nicht reif für eine Familie ist und eine tragfähige Vereinbarung dazu finden und dauerhaft leben kann, der sollte auch keine Familie gründen.

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    1. Sehe ich nicht als rein privates Problem. Wer ein tatsächlich gleichberechtigtes Familienleben führen möchte, kann dies natürlich grundsätzlich tun: die Maxime der Vollerwerbstätigkeit als Standard im Berufsleben, der Präsenzarbeitszeit und massive Nachteile von Teilzeitarbeit sowie die fehlende finanzielle und gesellschaftliche Anerkennung von Fürsorgearbeit stehen genau diesem (berechtigten) Anliegen aber nur zu oft im Weg. Und natürlich alte Rollenvorstellungen und -erwartungen, die Paaren oft erst wirklich bewusst werden, wenn Kinder da sind.

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    2. Sich vermeintlich tradierten Rollenvorstellungen oder -erwartungen zu unterwerfen oder sich auch nur davon tangieren lassen zu wollen ist ein sehr individuelles, aber auch sehr intrapersonelles Problem.

      Nachteile von Teilzeitarbeit treffen Mann wie Frau gleichermaßen und haben nichts mit spezifischen, gar notwendigerweise zugewiesenen Rollenmodellen zu tun, es sei denn man verstünde die bewusste, ureigenste Entscheidung für Teilzeitbeschäftigung, Familie oder gar ein Kind absurderweise und völlig falsch etwa als gesellschaftlich oder fremdbestimmt aufoktroyierten Malus oder gesellschaftlich erwarteten Bonus, für den man eine Belohnung erwarten dürfe.

      Das Gegenteil ist doch wohl der Fall: Die bewusste Entscheidung für ein Kind oder im erweiterten Sinn für jede Art von Familie und damit verbundener „Care-Arbeit“ trifft man höchstpersönlich und gemeinsam im Familienkonstrukt, u. a. auch, obwohl man um die damit verbundenen Belastungen weiß, z. B. weil die positiven Seiten und der emotionale Gewinn einer Familie (den man dann übrigens oft genug sehr gerne nur für sich behält und -ganz anders als die Nachteile der sog. „Care-Arbeit“- nicht sozialisieren will) eindeutig überwiegen.

      Einfacher: Wer sich ein Auto anschafft, der wird von niemandem dazu gezwungen, deshalb kann er aber doch wohl auch nicht erwarten, dass er für Autopflege, Benzinkosten, Wagenwäsche oder andere „Care-Arbeiten“ gesamtgesellschaftlich entschädigt würde, nur weil das Auto so schön glänzt?!

      Und bitte: Man erspare mir doch jetzt die allfällige (und wenig treffende) Einrede, ein Kind sei kein Auto und erzeuge allein durch seine Existenz doch schon allerhand gesamtgesellschaftlichen Nutzen z. B. als späterer Steuer- und Rentenzahler, dessenthalben auch eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung für alle Kinder schon allein daraus erwüchse.

      Bei genauerer Betrachtung sind das argumentative Taschenspielertricks und Ablenkungen von der simplen Tatsache, dass innerfamiliäre Angelegenheiten auch ausschließlich innerfamiliär zu verantworten und damit auch dort zu bewältigen sind.

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  5. Aus dem Geschriebenen darf ich erfreut schließen, dass das Kind der Autorin in einem gleichberechtigten Wechselmodell lebt, die Geschiedenen sich gegenseitig bei der Erziehung des Kindes tatkräftig unterstützen und die Autorin selbst keinen Unterhalt oder Rentenansprüche von einem Partner oder Ex-Partner bezieht und für die eigene Versorgung und die des Kindes vollständig aufkommt, so wie das auch der Partner tut.

    Ach, wäre das doch immer so!

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    1. Ist es etwa anders? Ich hoffe nicht! Denn es ergibt sich doch ganz zwangsläufig aus dem Geschriebenen (warum ich ja auch nicht „ich las“, sondern „ich darf erfreut schließen“ schrieb), dass eine allen Seiten gerecht werdende Lösung nur aus einem vollkommen gleichberechtigten Miteinander bestehen kann.

      Das im Text so köstlich satirisch überzeichnete „de Frau sacht (un weiß) nur allein un immer, wo et lang jet un de Bedürfnisse un Befindlichkeiten von Kind un Mann sin ens völlich ejal“ kann ja wohl nicht ernst gemeint sein?!

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    2. Ich sehe den Text als satirische Reaktion auf eine leider noch immer traurige Realität in manchen Familien, wo beide Seiten sich nicht gesehen und anerkannt fühlen und statt in echtem Dialog mit Forderungen und Kritik aneinander herantreten. Nie der beste Weg für einvernehmliche Lösungen.
      Übrigens, mit meinem eigenen Alltag als Autorin haben diese Aussagen (zum Glück) nur wenig zu tun, auch wenn darüber gleich mehrere der Kommentator/innen spekulierten.🙂

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    3. Warum dann diese klischeehafte Überzeichnung an Stelle eines sachlichen Beitrags zu tatsächlicher Verständigung?

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    4. Als Diskussionsanstoß. Was, wie die zahlreichen Kommentare zeigen, offenbar auch gelungen ist. Wer sich ein wenig in meinem Blog umschaut, kann übrigens viele Beiträge entdecken, in denen ich mich den Themen Vereinbarkeit, familiäre Fürsorge und Gleichberechtigung sachlich und weniger provokant widme. Bei Interesse viel Freude beim Lesen!🙂

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  6. Für die meisten Menschen in dieser Gesellschaft scheint es klar zu sein, dass die berufliche Identität für die Selbstwahrnehmung zentraler zu sein scheint als die Familienarbeit. Daher bleibt letztere im Zweifel eher „ungesehen“ und diejenigen, die sich ihr nicht nur widmen müssen, sondern auch wollen, müssen sich rechtfertigen („du Hausfrau“/“du Hausmann“, „arbeitslos?“).

    Diese Prämisse, die ich von rechts nach links, von Feministinnen und Konservativen, als nie in Frage gestellt erlebe, finde ich problematisch. Denn wer einer Vollzeittätigkeit nachgeht, der kann nicht auch noch in Teilzeit etwas anderes tun. Das gilt für arbeitende Menschen genauso wie für die, die kleinere Kinder betreuen (ab dem Zeitpunkt, an dem Kinder alleine zur Schule gehen, sehe ich das nicht mehr so, da ist Teilzeit dann schon irgendwann möglich). Wer also in Kenntnis dieser Tatsachen eine Familie gründet, soll sich nicht in die Tasche lügen und die Beziehung belasten, sondern Ressourcen in die Hand nehmen. Wenn der vollzeit arbeitende Vater also keine Lust hat auf Wäsche waschen, putzen und Kinder chauffieren, soll er etwas Zeit und Geld in die Hand nehmen für Haushaltshilfe /Kinderbetreuung. Und auch die Mutter könnte das Outsourcen in ihrem Sinne unterstützen, statt dass beide mit falsch verstandenem Geiz und überzogener Do-it-yourself-Mentalität damit Familie und Beziehung belasten. Die einzige Tätigkeit, die man nicht delegieren kann, ist die Qualitätszeit mit den eigenen Kindern.

    Oder man macht Familienarbeit gerne und sucht sich einen Partner, der das auch sehen kann.

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    1. Danke für diesen konstruktiven Kommentar aus männlicher Perspektive!🙂 Klar unterstreichen kann ich den Satz „wer einer Vollzeittätigkeit nachgeht, der kann nicht auch noch in Teilzeit etwas anderes tun“. Genau daran reiben sich aber zahlreiche Frauen (und einige Männer) auf, die mit kleinen Kindern neben der Vollzeitaufgabe der Kinderbetreuung und Haushaltsführung noch einem (bezahlten) Beruf außer Haus nachgehen wollen. Zu wenig Zeit und Energie an allen Enden ist oft die Folge. Naheliegend und pragmatisch finde ich daher den Vorschlag, ungeliebte und zeitraubende Aufgaben „auszulagern“, wobei sich das grundsätzliche Problem dadurch meiner Meinung nach nur verlagert.
      Statt Haushalt und Kinderbetreuung (meist) weiblichen Angestellten aufzubürden, die dafür oft auch nicht ausreichend bezahlt und gewertschätzt werden, muss sich die Arbeitswelt selbst verändern: flexible Arbeitszeiten, weg vom Diktum der Vollzeitarbeit als dem „Normalen“ und statt dessen als Standard Möglichkeiten, verantwortungsvolle Aufgaben auch im Team zu übernehmen seien hier als Beispiele genannt. Vor allem aber tatsächlich die Sichtweise, dass die Fürsorgearbeit in der Familie genauso wichtig, kompetenzfördernd und identitätsstiftend ist wie die Erwerbstätigkeit. Egal, ob sie von Männer oder Frauen übernommen wird. Bis das erreicht ist, können pragmatische Lösungen das Ungleichgewicht mildern – letztlich muss aber ein solch radikales Umdenken das Ziel sein.

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    2. Manches wird die Gesellschaft sicher öffnen müssen, und der Wandel wird nach und nach von gutausgebildeten Frauen und Männern vorangetrieben werden, die in ihren Jobverhandlungen solche Forderungen aktiv hineinbringen. Von solchen Realitäten aus werden dann politische Anliegen nicht nur gehört, sondern auch umgesetzt werden müssen. Aber das Nachdenken darüber wie Familie und Selbstverwirklichung zusammengehen, kann keine Gesellschaft, keine kollektive Entscheidung uns abnehmen: Wer eine klassische Karriere im alten Stil anstrebt, kann keine jahrelange Familienarbeit machen und umgekehrt. Da würde ich mir von Frauen und Männern, die viel in ihre Ausbildung investiert haben, schon auch wünschen einmal darüber nachzudenken, ob und wie viel Familie wirklich möglich und sinnvoll ist. Das wird nicht nur über die Aufwertung von Familienarbeit, sondern durch das Ablegen der Vorstellung von Selbstverwirklichung, dass alles geht, was man will, funktionieren müssen.

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  7. Ich bin über die Blogparade starke mütter, bei der ich auch mitgemacht habe, auf diesen Beitrag gekommen! Finde ihn echt stark – ich habe ebenso demletzt über das Thema Mentale Last der Mütter geschrieben, in dem es genau darum geht.

    Leider sind klassische Rollenbilder in sehr vielen Köpfen noch fest verankert. Mithelfen und großen gesellschaftlichen Respekt dafür einkassieren – das ist das Problem. „Ein toller Papa, er hilft ihr echt viel mit den Kindern, keine Ahnung was sie hat!“ Es ist echt dramatisch und aufwühlend wie konservativ die Rollenbilder noch immer sind.

    LG Jasmin von https://frauentalk.net/

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    1. Danke Jasmin, ich freue mich, dass dir mein Beitrag gefällt – und finde auch die zahlreichen Kommentare dazu wirklich spannend – offenbar haben sich nicht wenige „mithelfende“ Männer ordentlich auf den Schlips getreten gefühlt…
      Ja, unsere Gesellschaft ist bezüglich echter Vereinbarkeit von Familie und Beruf und vor allem der dahinter liegenden Rollenerwartungen wohl weit konservativer als es manche Magazin-Story über Paare, die sich 50:50 alles teilen, vermuten lässt. Das zu ändern sehe ich als wichtige gesamtgesellschaftliche Aufgabe – und eben nicht, wie manche Kommentator/innen meinten, als rein private und innerfamiliäre Aufgabe!
      Herzlichen Gruß – ich schaue jetzt auch mal bei dir im Blog vorbei,
      Sarah

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