Familie, Kunst

„Überall Popos“ (Rezension)

Buchcover „Überall Popos“

Ein Buch über Popos – das muss fast der Hit im Kinderzimmer werden, oder? Die fünfjährige Mila, Hauptfigur der Erzählung, darf samstags endlich mit ihren Eltern ins Schwimmbad. Soll sie für den Sprung vom Beckenrand die Spiderman-Badehose anziehen oder lieber den Prinzessinnen-Einteiler? Und wie aufregend ist schon das Umziehen und Duschen in der Gemeinschaftskabine: Frauen jeder Form und jeden Alters – ohne Kleider jede für sich interessant und spannend. Um den wohlwollenden Blick auf Körper und den Mut, die eigenen Grenzen zu erweitern geht es in diesem Kinderbuch von Annika Leone und Bettina Johansson. 2020 in deutscher Übersetzung veröffentlicht, ist es inzwischen bereits in der vierten Auflage erschienen.  

Als Milas Vater – mit Bäuchlein und Dreitagebart – vom Dreimeterbrett springt, kommt ihm beim Bauchklatscher die knappe Badehose abhanden. Mila rettet ihn mit ihrem Sprung vom Beckenrand und fischt seine Hose wieder aus dem Wasser. Dabei fühlt sie sich wie eine Superheldin: nicht nur hat sie ihrem armen nackten Papa geholfen, sie hatte auch den Mut, zum ersten Mal ganz allein ins tiefe Becken zu springen. 

Beim anschließenden Entspannen in Wirlpool und Sauna sind dann wieder alle Arten von Popos, Brüsten und nackten Bäuchen zu sehen – ohne, dass diese Vielfalt groß thematisiert wird. Mila interessieren ohnehin mehr die Süßigkeiten, die ihr Vater ihr für nach dem Schwimmbadbesuch versprochen hat. Und doch ist der Blick auf all die dicken, dünnen, faltigen, jungen und alten Körper ermutigend. In diesem Buch haben sie ganz selbstverständlich ihren Raum. Alle irgendwie gleich und doch ganz verschieden, stellt Mila staunend fest. 

Buchdoppelseite: nackte Frauen unterschiedlichsten Aussehens und Alters in Gemeinschaftsdusche eines Schwimmbads.

Als Mutter freue ich mich über ein Buch, das Nacktheit und die Vielfalt von Körpern explizit und doch selbstverständlich zum Thema macht. Milas direkte Fragen und Kommentare sind erfrischend („Guck mal, Mama, bei der Frau sieht die Scheide aus wie Lakritz! Alles voller Schnurrhaare! Und die da sieht aus wie ein Nacktmull…“). Die Reaktion ihrer Mutter wohl durchaus realistisch („Pssst!“ macht Mama sofort. Ihr Gesicht wird rot wie eine Tomate.) Nacktheit als Tabu? Nicht in diesem Buch, das so unverkrampft, direkt und mutig ist wie seine fünfjährige Protagonistin. Lesenswert, nicht nur für Kinder im Vorschulalter!

Herzlichen Gruß, Sarah Zöllner (mutter-und-sohn.blog)

Die Autorin ist Lehrerin, Autorin für Familien- und Gesellschaftsthemen und Mutter eines Kindergarten- sowie eines Grundschulkindes.

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[Fotos: privat]

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