Familie, Gesellschaft, Persönliches

Das Maß der Dinge: Wie kann ich mein Kind achtsam beschenken?

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Steht der Geburtstag deines Kindes an und du fragst dich, wie du es dieses Jahr anders machen kannst als die Jahre davor? Keine Berge von neu gekauftem Plastikspielzeug von Oma und Opa, Tanten und Onkeln? Auch keine Bücher, die ihr zweimal lest und beim nächsten Straßenflomarkt mit schlechtem Gewissen verhökert? Kein Süßkram und keine Kleider, die deinem Kind nicht passen oder dir nicht gefallen?

Vor einigen Tagen hat unser Sohn seinen vierten Geburtstag gefeiert. Er ist – mein Herz wird weit und froh – mit viel Liebe bedacht worden – aber eben auch mit einem ganzen Berg neuen Spielzeugkrams: eine Feuerwehrstation, eine riesige Rennbahn für seine Spielzeugautos, ein Fahrrad, eine Playmobil-Ritterburg, Bücher, ein Baukasten-Steckset und noch einige kleinere Sachen mehr.

Schenken ohne Spielzeugberge

Eigentlich absurd, oder? Er ist vier. Was wird er mit fünf, sechs, zehn Jahren bekommen? Von allem noch mehr? Das größere Fahrrad, die noch prächtigere Lego-Landschaft? Und wird er sich darüber freuen? Oder beim Besuch im Spielzeugladen irgendwann abgeklärt die Bestellung für das nächste Lebensjahr abgeben?

Kinder lieben Geschenke

Klar, als Kind konnte ich mich selbst aus vollstem Herzen über Geschenke freuen. Und ich erinnere mich an ganze Nachmittage, die ich mit meinen Stofftieren, einem Puppenhaus, später meinen heißgeliebten Büchern verbracht habe. Zugleich weiß ich aber noch sehr genau, dass mich die Frage kurz vor Weihnachten oder Geburtstag: „Was wünschst du dir?“ immer ein wenig ratlos gemacht hat. Ich hatte das Gefühl, irgendwie schon alles zu haben – oder mir jedenfalls nichts zu wünschen, was sich, in Papier gewickelt, auf den Gabentisch legen ließ.

Dennoch wäre ich über Aussagen wie „Wir schenken dir Zeit“ oder „Lass uns statt deiner Geschenke Geld für Kinder spenden, die weniger haben als wir“ sicher wenig begeistert gewesen. Im Gegenteil, ich bin sehr froh, dass mir meine Eltern auch materielle Wünsche erfüllten, wobei ich das Glück hatte, diese gerade nicht als Symbol (oder gar Ersatz) ihrer Zuneigung zu bekommen.

Kurz gesagt: Schenken aus Freude, mit Aufmerksamkeit und nach bedachter Auswahl: wunderbar!

Schenken, weil eben gerade Geburtstag ist, weil es jeder macht oder gar, um vor anderen Familienmitgliedern nicht als knausrig dazustehen: warum?

Dein Kind achtsam zu beschenken ist ganz leicht

  1. Schenke nur, wenn du es wirklich willst und so viel, wie du wirklich möchtest und vermagst. Dein Kind braucht nicht die Geschenke, es braucht dich. Was zählt, bist du, deine Zeit und Aufmerksamkeit. Und deine Aufrichtigkeit.
  2. Das heißt nicht, dass du nichts schenken sollst. Vermutlich freust du dich von Herzen über die Freude deines Kindes, so dass du bereitwillig schenkst. Aber auch dann muss dein Geschenk nicht groß und teuer sein. Kinder wünschen sich große, kommerzielle Dinge, weil wir sie ihnen schenken und dabei deutlich machen, dass wir damit unsere Liebe ausdrücken möchten. Später, weil andere dieselben Spielsachen haben oder sie bereits glauben, der Besitz der Dinge mache glücklich. Warum unterstützen wir unsere Kinder nicht darin, sich von dieser Illusion zu befreien und sich an materiellen Dingen mehr „in die Tiefe“ zu freuen? Warum fragen wir unsere Kinder nicht, welches von drei möglichen Geschenken sie am liebsten hätten? Dann wird es das eine – ergänzt vielleicht um die Vorfreude auf ein weiteres zu einem späteren Anlass. Nicht alles sofort zu bekommen nährt manchmal gerade die Freude.
  3. Verbringe viel Zeit mit deinem Kind. So erfährst du nicht nur, was es an der Rennbahn oder dem Pferdehof, den es sich wünscht, so faszinierend findet, sondern du hast die Gelegenheit, überhaupt mehr über deinen Sohn oder deine Tochter zu erfahren. Worüber freut er sich? Wovon träumt sie? Wovor fürchtet er sich am Abend? Diese Aufmerksamkeit, ebenso wie das gemeinsame Spiel, bzw. später die gemeinsam verbrachte Zeit, sind Gaben, die nichts kosten, aber oft gerade das Besondere sind, an das sich deine Kinder erinnern werden. Eine schöne Sammlung an Ideen für gemeinsame, kostengünstige Unternehmungen findest du z.B. hier.
  4. Beschenke auch dich selbst: mit einem Leben, das dir Freude macht. Mit Aufmerksamkeit, Nachsicht und Großzügigkeit, die du dir selbst entgegenbringst. Gerade für Allein- und Getrennterziehende ist das oft leichter gesagt als getan. Aber schon ganz alltägliche Unternehmungen wie ein in Ruhe getrunkener Kaffee, bevor du nach der Arbeit dein Kind aus der Betreuung abholst, können deinen Alltag ein wenig entspannter machen. Eine glückliche Mutter, ein zufriedener Vater ist ein Geschenk, das jedes Kind mit Glück erfüllt. Suchst du diesbezüglich Anregungen, findest du sie z.B. in meinem Artikel „10 Wege, sich selbst Gutes zu tun“.

Und wie geht es dir? Schenkst du viel oder eher wenig? Sind dir materielle Geschenke wichtig oder versuchst du, deine Lieben auf anderem Weg glücklich zu machen? Schreib mir gern deine Meinung als Kommentar!

Herzlichen Gruß, Sarah

[Foto: Pixabay]

10 Gedanken zu „Das Maß der Dinge: Wie kann ich mein Kind achtsam beschenken?“

  1. Hallo Sarah, das Thema Schenken ist wirklich schwierig bei Kindern. Mir graut es jetzt schon vor Weihnachten, wo die Familien meine dann 20 Monate alte Tochter mit jeglichem Schund überhäufen werden.
    Als sie 1 wurde habe ich extra eine Amazon-Liste erstellt um Doppelgeschenke zu vermeiden, bzw um mitzuteilen, was man gut schenken könnte. Es hat sich tatsächlich nur meine Freundin dran gehalten. Von den Familien niemand! Mich regt das sooooo auf. Das bewegt mich gerade zum Thema Schenken. Wir, bzw. meine Tochter, brauchen eigentlich gar nichts, aber ich weiß halt, dass sie wieder irgendeinen Kram bekommt, den wir dann wieder heimlich verkaufen müssen.

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    1. Danke für deinen Kommentar und den kleinen Einblick in eure Familientraditionen!…😉 Ja, Geschenke können ein heikles Thema werden. Ich persönlich schenke allerdings, ehrlich gesagt, auch nicht gern von „Listen“ (sei es von Amazon oder im Kaufhaus vom Geschenketisch). Irgendwie fehlt mir da die „Eigeninitiative“ und das liebevolle Aussuchen. Im Zweifelsfall würde ich aber einen so klar geäußerten Wunsch auch respektieren und höchstens noch eine selbst gewählte Kleinigkeit dazu schenken. Lieben Gruß und freue mich, dass du meinen Blog jetzt abonniert hast!🙂 Sarah

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    2. Liebe Moni,
      danke für den Hinweis! Ich habe mir die Liste mal angesehen: Laufrad war und ist bei uns auch der Hit, erst mit vier, dann mit zwei Rädern. Ob z.B. Kinderbesteck allerdings sein muss? Den Teller, den unser Sohn mit ca 1 geschenkt bekommen hat, benutzt er jetzt mit vier immer noch, Kindermesser und -gabel sind ihm schon seit einer Weile zu „babymäßig“😂. Aber ist sicher je nach Familie unterschiedlich.

      Was mir noch aufgefallen ist: in deinem Artikel findet sich zu jedem Vorschlag ein Affiliate Link, bzw. ein konkreter Hinweis, wo man die Produkte kaufen kann. Damit ist dein Text eigentlich (bezahlte) Werbung, worauf du meiner Meinung nach am Anfang hinweisen müsstest… sorry für die „Pingelei“, ich bin da immer mehr für Transparenz, oder wie siehst du das?
      Viele Grüße, Sarah

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    3. Hey danke für den Hinweis. Ich bin da immer unsicher. Ich markiere die Links mit *, wo unten ein Hinweis steht, dass es Affiliate ist .
      Reicht das nicht aus?

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    4. Meine Meinung: alles, womit man beim Bloggen Geld verdient (egal ob ein gesetzter Link oder die Empfehlung eines Produkts oder einer anderen Seite gegen Bezahlung) soll (und soweit ich mich informiert habe, muss) am Anfang des Beitrags klar und offen als Werbung markiert sein. Der Artikel kann ja trotzdem inhaltlich interessant und hilfreich sein, aber zumindest bei mir entsteht sonst beim Lesen schnell das Gefühl, dass es gar nicht in erster Linie um den Inhalt, sondern v.a. um die Platzierung bestimmter Produkte geht und das schreckt mich eher ab.

      Indirekt hat die Diskussion ja auch mit dem Thema „Konsum“ zu tun (wenn auch nicht mit dem Schenken), also vielleicht gar nicht so off topic.

      Lieben Gruß, Sarah

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  2. Hallo Sarah,
    ja da hat dein Sohn wirklich viel bekommen – aber ich bin sicher, schaden wird es ihm nicht.
    Ich begrenze immer auf ein „großes“ materielles Geschenk (zum fünften war das z.B. ein Baustellenset von duplo), gern etwas, das die Kinder sich gewünscht haben und etwas gemeinsam Machen (exklusiv mit diesem Kind, ich habe ja mehrere) z.B. Kino, Theater,…
    Kleinigkeiten kommen immer dazu, auch von anderen.
    Wir fahren damit gut.
    Die Großeltern schenken meist Kleidung.
    Fahrräder – in der Regel gebraucht – schaffe ich tatsächlich wie Schuhe an – bei Bedarf und nicht zum Geburtstag.

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    1. Liebe Natalie, das hört sich sehr ausgewogen an, wie ihr das macht! Danke für das Beispiel. Ich nehme auch wahr, dass Menschen ganz unterschiedlich schenken. Für die einen soll ein Geschenk möglichst groß und gern auch teuer sein, für die anderen ist wichtiger, dass es wirklich zum Beschenkten passt und sie machen sich darüber viele Gedanken. Ich finde kleine Aufmerksamkeiten unter dem Jahr auch schön und auch die Geburtstagsgaben haben wir tatsächlich über etwa eine Woche verteilt „in Etappen“ geschenkt. Bei der Geburtstagsfeier selbst, als ohnehin noch Besuch da war, wäre das viel zu viel gewesen…
      Lieben Gruß, Sarah

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  3. Die übertriebene Schenkerei hat ja auch noch eine weitere Dimension: Das ganze Zeug, was sich über die Jahre im Kinderzimmer ansammelt und mit dem nur noch selten bis gar nicht mehr gespielt wird. Ich war vor Kurzem mit meinem Kind beim Flohmarkt, um einen Teil davon wieder los zu werden.

    Natürlich dürfen und sollen große Herzenswünsche erfüllt werden. Und trotzdem bleibt das Wertvollste was wir Eltern schenken können unsere Zeit, gemeinsame Unternehmungen und unsere ungeteilte Aufmerksamkeit.

    Danke für diesen guten Text. Deinen vier Tipps stimme ich aus vollem Herzen zu.

    Viele Grüße,
    Christina

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    1. Liebe Christina,
      ja, da hast du recht – und all die ein Jahr zuvor gekauften und auf dem Flomarkt verkauften Dinge landen dann als „Schnäppchen“ in einem neuen Kinderzimmer…😉 Aber immerhin freut sich so vermutlich ein weiteres Kind daran.
      Kürzlich hat mein Sohn zwei Haarbürsten erst als „Zugschranken“ und dann als „Waschanlage“ verwendet und damit fast 1/2h lang gespielt – ganz ohne Neuanschaffung!…
      Herzlichen Gruß und danke für deinen Kommentar!
      Sarah

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