
Es ist das alte Märchen von Aschenputtel, neu interpretiert: Armes Mädchen angelt sich den reichen Prinzen. Ihre Qualifikation: Sie ist jung, schön und unschuldig. Seine? Er hat das Geld. Was mir bisher nicht bewusst war: Dass manche sich dieses Modell auch für Alleinerziehende vorstellen können…
Anfrage für eine lukrative (Werbe-) Partnerschaft
Über meinen Blog erreichen mich immer mal wieder Anfragen für Kooperationen. Einige davon nehme ich an. Eine der letzten fand ich dann aber doch kurios. Ich erlaube mir, aus dem Anschreiben zu zitieren:
Sehr geehrte Damen und Herren,
bei unserer Recherche im Internet sind wir auf Ihre Website aufmerksam geworden. Wir sind die Betreiber der internationalen Sugar-Dating-Plattform […]* mit über 7 Millionen Mitgliedern weltweit.Da sich unsere Zielgruppen in mehreren Bereichen überschneiden, können wir uns gut vorstellen, gemeinsam zu kooperieren – sei es im Rahmen einer Affiliate-Partnerschaft oder auch in anderer Form (z. B. durch Content-Kooperationen, Cross-Promotion oder individuelle Kooperationen). […]
Alleinerziehende als neue Zielgruppe für ein Sugar-Dating Portal? Für diejenigen, die das Prinzip hinter dem Sugar-Dating nicht kennen: Es geht dabei um genau die strukturelle Ungleichheit, die dieser Blog über Beiträge zum Gender Pay Gap, zu finanzieller Abhängigkeit von Frauen in der Ehe, zu Nachtrennungsgewalt etc. – immer wieder thematisiert und kritisch hinterfragt: Eine Frau, finanziell deutlich schlechter gestellt, aber dafür jung und attraktiv, sucht sich einen solventen Mann (meist deutlich älter) für beiderseitigen „Nutzen“. Jugend gegen Bares also. Oder etwas romantischer formuliert: Das Aschenputtel-Prinzip.
Und das Ganze funktioniert offenbar, mit – laut Aussage der Plattform – über 7 Millionen Nutzer:innen jährlich…
Meine etwas spröde Antwort…
Mich amüsiert und fasziniert die Anfrage. Und verdient zugleich klare Worte meinerseits (aus meiner Antwortmail):
Sehr geehrter Herr […]*,
danke für Ihre Anfrage. Hätten Sie meinen Blog etwas genauer angesehen, wäre Ihnen sicher aufgefallen, dass die Themen weibliche Emanzipation und finanzielle Unabhängigkeit dort eine große Rolle spielen.
Daher danke, aber mit einem Portal wie […]* sehe ich als Inhaberin des Blogs keine relevanten inhaltlichen Überschneidungen. Aber ich nehme Ihre Anfrage gern als journalistischen Impuls im Sinn der Frage: Welche Rollenstereotype vertreten Sugar-Dating Plattformen wie […], die Alleinerziehende offenbar als potentielle Zielgruppe erschließen wollen.
Ja, viele Alleinerziehende sind leider (u.a. aufgrund struktureller Ungleichheit) von Armut betroffen – als Lösung hierfür zu suggerieren, frau brauche sich nur einen reichen Mann zu angeln, um dieser Misere zu „entkommen“, sehe ich allerdings als wenig zielführend an. Insofern danke für Ihr Interesse an einer Zusammenarbeit – sie kommt für mutter-und-sohn.blog jedoch nicht in Frage.“
Bedauert ihr meine Entscheidung? Hättet ihr mich gerne bald unter den Großverdienerinnen gesehen („unsere erfolgreichsten Partner verdienen über 10.000 Euro monatlich“) und mutter-und-sohn.blog mit Sugar-Dating-Appeal?
Sarah Zöllner (mutter-und-sohn.blog)
Die Autorin ist freie Journalistin, Autorin für Familien- und Gesellschaftsthemen sowie Mutter eines Kindergarten- und eines Grundschulkindes.
*Anmerkung der Autorin: Zitate aus den Originalschreiben. Namen aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes entfernt.
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