Familie, Psychologie

Stark zusammen! Wie wir als Paar und Eltern Hürden meistern

Paar in Winterkleidung Hand in Hand spazierend.


7.15 Uhr: Mein Mann hat gerade das Haus verlassen, macht sich auf den Weg zur Arbeit. Die Brotdosen für die Kinder hat er gepackt, die Kleider für den Großen herausgelegt, jetzt helfe ich beiden Kindern, Schuhe, Jacke und Schals anzuziehen. Schulranzen, Kindergartenrucksack – alles da? Los geht’s in Kita und Schule und für mich ab acht Uhr an meinen Schreibtisch im Homeoffice. Alles normal also? Bis wir uns als Familie diese Routine geschaffen haben, haben wir einen ganz schönen Weg zurückgelegt. Als Familie ein Team – für uns kein Selbstläufer. Vielleicht interessiert euch, wie wir es geschafft haben, trotz einiger Hürden als Familie stark zu werden!

Einzelkämpfertum versus „Wir als Team“

Ein Riesenschritt zwischen meinem Partner und mir, den wir im Alltag in kleinen Schritten immer wieder neu gehen müssen: die Haltung weg von „ICH will!“, hin zu „Was brauchen WIR?“ Eigentlich könnte man meinen, zwei Menschen Ende Dreißig seien diesen Schritt schon vor ein paar Jahren gegangen – aber ganz ehrlich: wenn die Wogen im Familienalltag hoch schlagen, die Kinder wahlweise kotzen, quengeln oder kaum schlafen, ist der Schritt vom WIR zum ICH schnell getan. Wer beschäftigt sich morgens um fünf nach einer harten Nacht mit dem Jüngsten? Wer denkt an die Hundert Kleinigkeiten des Alltags? Wer darf am Wochenende mal die Füße hochlegen? (Spoiler: Keiner!…) Wenn der Raum für Eigenes knapp – und zu knapp – wird, wird der Wunsch, die eigenen Bedürfnisse zu leben, leicht übergroß. Und damit entstehen eben auch Forderungen wie „Mach du mal! Ich will jetzt einfach meine Ruhe!“

Gemeinsamen Raum finden und genießen

Wir haben gemerkt: damit wir als Eltern ein gutes Team sein können, müssen wir uns erst einmal als Paar (wieder) nahe kommen. Eigentlich logisch: für die Frau, die einem morgens mit einem liebevollen Kuss aufweckt, engagiert man sich lieber, als für die Tante, die schon vor sechs meckert und motzt. Und umgekehrt ist der Mann, der überraschend vom Einkaufen die Lieblingsschokolade mitbringt, doch attraktiver, als derjenige, der seine Unterhose täglich vor der Dusche statt im Wäschekorb daneben liegen lässt. Sich füreinander engagieren zu wollen hat – zumindest für uns – viel damit zu tun, dass wir uns grundsätzlich wohl miteinander fühlen. Und dazu gehören ganz dringend auch Freiräume ohne Kinder, ohne die Elternrolle und die Aufgaben des Alltags. Paarberater Christian Thiel nennt das in seinem wirklich guten Ratgeber „Was glückliche Paare richtig machen“ „Für gute Stimmung sorgen“. Lösungen für Probleme findet man gemeinsam nämlich viel eher, wenn man sich bereits als Gemeinschaft fühlt. Sonst wird der Streit ums nicht abgeräumtes Geschirr oder den vergessenen Einkauf schnell zum Stellvertreter für tieferliegenden Frust. Dass wir uns täglich Raum für Gemeinsames schaffen (und sei es auch mal „nur“ für einen innigen Kuss beim Spülmaschineausräumen), macht uns als Paar stark – und damit auch als Eltern viel stabiler im turbulenten Familienalltag.

Gerechte Aufgabenverteilung und stützende Routinen 

Ein weiterer ganz wichtiger Punkt – den zu klären uns aber meist erst gelingt, wenn wir wieder freundlich und ohne Vorwurf miteinander reden können: eine für uns beide akzeptable Aufgabenverteilung im Alltag. Dazu gehören auch „stützende Routinen“. Es ist also klar und muss nicht jedes Mal neu verhandelt werden, wer die Mülltonnen vors Haus stellt, morgens die Brotdosen richtet, die Wäsche in die Maschine räumt und sie nach dem Waschen aufhängt. Um die eigenen Aufgaben kümmert sich jeder von uns automatisch – oder bedankt sich explizit beim anderen, wenn der sie mal übernimmt. Das Ganze verschiebt sich durch äußere Umstände natürlich immer wieder. Es gibt Phasen, in denen mehr Bürokram zu erledigen ist (zu großen Teilen mein Bereich) und Phasen, in denen der Haushalt mehr fordert. Mal hat der eine neben der Arbeit außer Haus mehr Zeit, mal der andere. Wichtig dabei: keine/r darf anfangen, sich auf Kosten des/r anderen zurückzulehnen. Wir merken es als Paar sofort, wenn ein Ungleichgewicht der übernommenen Aufgaben entsteht. Dann sinkt meist die Stimmung, denn aus dem WIR wird gefühlt das Nebeinanderherleben zweier Einzelkämpfer. Höchste Zeit für Punkt 1: wieder mehr Zeit nur für uns. Ungestört mehr als zehn Sätze miteinander reden, kuscheln, Gemeinsames wiederfinden!

Einander Zeit und Raum für Eigenes schenken

Zum Gefühl, miteinander „wohl“ zu sein, gehört für uns persönlich auch immer, Raum für Eigenes zu haben. Im Familienalltag mit zwei kleinen Kindern ist der ohnehin nicht leicht zu finden. Umso wichtiger, dass wir uns gegenseitig Freiräume schenken. „Ich gehe mit den Jungs raus, damit du mal durchatmen kannst!“, „Ich richte das Abendessen, geh du nach der Arbeit in Ruhe duschen!“, „Ich nehme die Zeit, in der du arbeitest, ernst und störe dich dabei nicht!“ Auch hier ist oft die Haltung ausschlaggebend: übernehme ich gern und freiwillig etwas mehr, um den anderen zu entlasten, oder beginne ich den knappen Raum, der mir bleibt, gegen den Freiraum des oder der anderen aufzurechnen? Je nach Haltung verändert sich das Verhalten und damit auch das Gefühl, mit den eigenen Bedürfnissen gesehen und unterstützt zu werden. Genau das macht im Alltag viel aus. Turbulent ist’s mit zwei Kindern ohnehin. Stressig wird es, wenn die täglichen Aufgaben das ganze Leben zu bestimmen scheinen. Sich dann gegenseitig Raum zum Durchatmen zu schenken, empfinden wir als echten Liebesbeweis. 

Über Bedürfnisse statt (Nicht-) Getanes reden

Wichtig ist schließlich die Haltung, mit der wir miteinander reden. Beginnt es uns (wieder) ernsthaft zu interessieren, wie es dem anderen geht, bekommen wir auch sein Wohl in den Blick und sprechen dadurch fast automatisch wertschätzend und liebevoll miteinander. Dann fällt es uns auch viel leichter, weniger über das zu sprechen, was der jeweils andere (nicht) tut und statt dessen über unsere Bedürfnisse. Also statt „Nie hilfst du am Morgen! Ich habe es so satt, alles allein stemmen zu müssen!“, lieber „Die Nacht war wieder so mies, kannst du bitte den Kleinen übernehmen, so dass ich morgens in Ruhe duschen kann?“ Ein kleiner, aber extrem wirkungsvoller Unterschied. Übrigens nehmen den auch unsere Kinder wahr und reagieren oft sehr aufmerksam und einfühlsam, wenn wir, statt gereizt Forderungen an sie zu richten, ihnen zeigen, dass wir ihre Mithilfe wirklich brauchen.

Im Ganzen wenige Punkte, die doch große Veränderung im täglichen Miteinander mit sich bringen. Mich interessiert: Was tut ihr, um als Eltern eure Partnerschaft – und damit letztlich Eure Familie – am Laufen zu halten? Schreibt gerne eure Erfahrungen und Anregungen in die Kommentare!

Herzlichen Gruß, Sarah Zöllner (mutter-und-sohn.blog)

Die Autorin ist Lehrerin, Autorin für Familien- und Gesellschaftsthemen und Mutter eines Kindergarten- sowie eines Grundschulkindes.

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[Foto: Pixabay]

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