Gesellschaft, Persönliches

Akzeptanz, Toleranz und Duldung: Wie gehe ich mit Meinungen um, die ganz anders sind als meine?

Wohnhaus in Originalgröße , das auf dem Kopf steht. Das Dach ist unten, das Fundament oben.
Nicht IMMER ist das Dach eines Hauses oben.

Ein kniffliges Thema, über das ich gerade viel nachdenke. Wir leben – zumindest hoffe ich das – noch immer in einer pluralistischen Gesellschaft, das heißt, grundsätzlich herrscht innerhalb Deutschland das Recht auf Meinungsfreiheit. Das schließt sogar abwegige Positionen ein. Ich darf Tierquälerei super finden, Rassistin sein oder an Bill Gates Impfchips glauben. Solange ich dabei nicht die Freiheit anderer beeinträchtige oder gar zu Gewalt gegen Andersdenkende aufrufe, ist meine Haltung mein Bier. Oder doch nicht? Ein Essay über Akzeptanz und Duldung anderer Standpunkte und wie ich mit Meinungen umgehen kann, die ganze anders sind als meine. 

Anlass zu diesem Beitrag ist ein kürzlich von mir gelesener Blogpost, in dem eine Familienmediatorin zu Wort kommt. Thema des Artikels: „Was tun, wenn ein Partner ganz anders über Corona denkt als der andere?“ Eine Aussage der Mediatorin ließ mich aufhorchen: „Was aber, wenn die tektonischen Spalten in dieser Frage mitten durch die Familie führen, am Ende sogar innerhalb der Partnerschaft verlaufen?“ Die Antwort gibt sich die Konfliktberaterin gleich selbst: „Diese Diskussion ist für mich persönlich glücklicherweise nur theoretisch, denn in meiner Familie ticken alle ziemlich gleich. Dafür bin ich unendlich dankbar.

Auf den ersten Blick wirkt eine solche Aussage gut nachvollziehbar. Denn natürlich ist es vermutlich um einiges angenehmer – oder zumindest einfacher – von Menschen umgeben zu sein, die grundsätzlich ähnliche Werte und Ansichten vertreten. Dennoch beschäftigt mich der Artikel noch einige Zeit. Und ich frage mich: ist es nicht auch in tiefer Weise sinnvoll und befruchtend, gerade auch Menschen ernsthaft zuzuhören, die ganz andere Standpunkte als ich selbst vertreten? 

Aktuell erleben wir in unserer Gesellschaft eine starke Polarisierung. Was bedeutet das? Verschiedene Standpunkte zu gesellschaftlichen Themen gab es ja schon immer. Die letzten 1 1/2 Jahre der Pandemie haben Menschen allerdings vor große Herausforderungen gestellt: etwas Neues, schwer Einschätzbares und Bedrohliches nahm auf einmal Einfluss auf unser aller Leben – und damit meine ich bewusst sowohl das Virus als auch die einschneidenden gesellschaftlichen Maßnahmen, die zu seiner Eindämmung ergriffen wurden. Die Reaktionen darauf waren so menschlich wie verständlich: von radikaler Vorsicht und umfassender Akzeptanz aller Maßnahmen, bis hin zum Ignorieren des Problems oder der Flucht in Alternativszenarien (den Verschwörungsmythen) waren alle Standpunkte vertreten. Das heißt erst einmal nichts anderes, als dass Menschen verschieden auf krisenhafte Situationen reagieren und überhaupt zu verschiedenen Einschätzungen gelangen können, wie sie mit  einer entsprechenden Situation umgehen wollen.

Wer entscheidet nun wiederum, welche Reaktion sinnvoll ist? Und wie kommt es zu diesem gesellschaftlichen Konsens? Im Fall der Pandemie werden inzwischen seit fast zwei Jahren täglich wissenschaftliche Erkenntnisse und statistische Erhebungen zitiert, ergänzt um Hochrechnungen, die, vom Ist-Zustand ausgehend, Szenarien für die Zukunft entwerfen. All diese Informationen erwecken den Eindruck, objektiv, seriös und von persönlichen Interessen unbeeinflusst zu sein. Das Virus habe nun einmal bestimmte Eigenschaften, also seien die und die Maßnahmen dagegen sinnvoll. Wer sich infiziere, habe statistisch gesehen je nach Alter die und die Wahrscheinlichkeit, schwer daran zu erkranken. Wer sich mit einer Impfung schütze, habe ein um x Prozent geringeres Risiko eines schweren Verlaufs. 

Das Problem bei all diesen Erhebungen und Hochrechnungen: der Mensch ist längst nicht so rational, wie er vielleicht gern wäre. Letztlich beeinflussen uns – gerade in Krisensituationen und unter äußerer Belastung – zahlreiche Fehlurteile, die uns zum Teil noch nicht einmal bewusst sind. Einige davon: Was wir zuerst und zuletzt hören und sehen, beeinflusst uns am meisten (Primacy und Recency Effect). Die Schockbilder der Leichenwagen aus Bergamo aus den ersten Corona-Wochen sowie zuletzt das immer wieder wiederholte Mantra „Die Impfung ist der einzige Weg aus der Pandemie“ lassen uns nicht unbeeinflusst. Was zudem genau jetzt und in unserem nahen Umfeld geschieht, bestimmt unsere Haltung deutlich mehr als Prognosen Unbekannter oder Erwartungen für die ferne Zukunft (Egozentrischer Bias und Myopischer Effekt). Die an Covid-19 verstorbene Großmutter einerseits oder der mit Impfschäden in die Klinik eingelieferte Bruder andererseits. Enge Freunde, die die Weltverschwörung wittern oder Familienangehörige mit RKI-Abo und Team Drosten-Fanshirt sowie unsere Erwartung, wie unser Körper im Fall einer Infektion auf die Erkrankung reagieren würde – das alles hat Einfluss auf unsere Meinung.

Schließlich haben wir alle die Tendenz, eine einmal gefasste Haltung bestätigt haben zu wollen und selektieren dementsprechend neue Informationen (kognitive Dissonanz). So kann ein und dieselbe Meldung komplett unterschiedlich gedeutet werden und Tatsachen, die unseren Erwartungen nicht entsprechen, werten wir als weniger relevant oder ignorieren sie gleich ganz. 

Gerade die letztere mentale Strategie ist eigentlich ein durchaus sinnvoller Versuch, die Komplexität der Welt zu reduzieren und damit Gefühle von Ratlosigkeit und Überforderung zu begrenzen. Sie macht aber auch deutlich, warum einmal bezogene Standpunkte nach einer Weile oft kaum noch hinterfragt werden und es damit eben zu der klaren Abgrenzung kommt, die wir innerhalb einer Gesellschaft als Polarisierung wahrnehmen. Auf einmal gibt es vermeintlich nur noch „schwarz“ oder „weiß“. Anhänger jeder Seite nehmen zunehmend nur noch wahr, was ihre Meinung zu unterstützen scheint. Der Schritt von diesem Tunnelblick hin zur Verurteilung der anderen Seite ist dann nicht mehr weit. Erscheint diese doch zunehmend unplausibel oder sogar bedrohlich. Würde ich nämlich anerkennen, dass auch „die anderen“ möglicherweise eine zumindest zu Teilen realistische Wahrnehmung der Wirklichkeit haben, müsste ich meinen eigenen Standpunkt in Frage stellen, zumindest in seinem absoluten Wahrheitsanspruch. 

Anders formuliert: bin ich erst einmal soweit, mir nur noch „schwarz“ und „weiß“ vorstellen zu können und dabei meine Meinung als die objektiv richtige und die andere als die objektiv falsche zu werten, ist kaum noch ein fruchtbarer Dialog mit der Gegenseite möglich. Dann geht es mir lediglich darum, diese von meinem Standpunkt zu überzeugen. Denn recht haben kann ja nur eine Seite und das bin in dieser Situation meiner Einschätzung nach ich selbst. Das Phänomen der Polarisierung ist dabei nicht nur in großem gesellschaftlichen Zusammenhang wahrnehmbar. Auch in Kleingruppen oder Zweierbeziehungen können sich Fronten verhärten, so dass wir am Ende nicht mehr miteinander, sondern nur noch übereinander reden: „Er oder sie hat nicht recht. Es ist ganz anders“.

Tatsächlich sind es aber oft die Graubereiche und Widersprüche, die wirkliche Erkenntnis möglich machen. Nicht umsonst setzt wissenschaftliche Forschung genau dort an, wo eben noch nicht alles geklärt ist und schafft damit oft ganz neue Perspektiven auf Dinge, die wir zuvor als Gewissheit angesehen haben. 

Fortschritt, Verständigung und lebendige Weiterentwicklung entsteht gerade daraus, Gewissheiten hinter sich zu lassen. Sind die Fronten allerdings verhärtet und wird die andere Position gar ausschließlich negativ bewertet, stagniert dieser Prozess der sich wechselseitig befruchtenden Erkenntnis. Wir beginnen sozusagen „im eigenen Saft“ zu schmoren. Alle um uns herum stimmen uns zu, wie recht wir haben, also muss, was wir denken, die Wahrheit sein

Hieraus entstehen allerdings oft geradezu gefährliche Fehleinschätzungen. Eine sterile Versorgung von Geburtswunden hielten Mediziner – heute kaum noch zu glauben – lange Zeit für Humbug. Hunderttausende Frauen bezahlten dafür mit ihrem Leben, indem sie dem viel gefürchteten Wochenbettfieber (ausgelöst durch eine Wundsepsis) erlagen.  Ebenso unerkannt blieb lange die Bedeutung einer ordentlichen sanitären Versorgung für die Eindämmung von Infektionskrankheiten. Auch die Schulmedizin hielt z.B. die Pest lange für einen Fluch Gottes, übertragen durch schlechte Gerüche – bevor die Bedeutung von Flöhen als Wirte des Virus erkannt wurde. 

Vieles, was uns heute als Humbug erscheint, war einmal Standard des öffentlichen Diskurses und blieb unhinterfragt. Und umgekehrt blieben Erkenntnisse, die heute für uns selbstverständlich sind, über viele Generationen hin unerkannt. Ich möchte damit sagen: es lohnt sich meiner Meinung nach sehr, auch der anderen Seite aufmerksam zuzuhören, zumindest, insofern sie nicht ihrerseits in die Abwertung und Diffamierung anderer Sichtweisen abdriftet. 

Das Merkmal des Fanatismus ist sein Absolutheitsanspruch. „Ich habe recht und du musst es – notfalls mit Gewalt – begreifen!“ ließe sich die damit verbundene Haltung umschreiben. De facto ist aber wirklich nur ganz weniges in dieser Welt so eindeutig und ohne jede Ambivalenz, wie es die Rhetoriker des „Schwarz“ und „Weiß“ gern hätten. Will ich echte Erkenntnis, muss ich dort hinsehen, wo Dinge nicht mehr eindeutig sind und denen zuhören, die, statt einfache Antworten parat zu haben, kluge Fragen stellen. 

Dann bin ich vielleicht sogar „unendlich dankbar“, dass nicht alle um mich herum ticken wie ich selbst. Denn genau dadurch erhalte ich die Chance, zu begreifen, wie komplex diese Welt tatsächlich ist und wie viele unterschiedliche – und auch legitime – Wege es gibt, dieser Komplexität zu begegnen.

Wie gehe ich also mit Meinungen um, die ganz anders sind als meine?

Ich nehme sie als Geschenk.

Herzlich, Sarah Zöllner (mutter-und-sohn.blog)

Die Autorin ist Lehrerin, Autorin für Familienthemen und Mutter eines Babys sowie eines Kindergartenkindes.

Mehr von mutter-und-sohn.blog?

Dann abonniere meinen Blog über die sozialen Netzwerke Facebook oder Twitter, oder vernetze dich mit mir über LinkedIn. Auch über nette „Likes“ und geteilte Beiträge freue ich mich!

[Foto: Pixabay]

12 Gedanken zu „Akzeptanz, Toleranz und Duldung: Wie gehe ich mit Meinungen um, die ganz anders sind als meine?“

  1. Gestern hörte ich ein Interview in den Tagesthemen über künstliche Intelligenz, kurz KI. Sie beeinflusst uns alle schon mehr, als uns lieb ist. Google und Co wählen nach einem für uns unbekannten Algorithmus aus, was ich sehen und lesen werde, dahinter steckt eine Macht.
    Angst und Empörung verkaufen sich am besten, also alles, was negativ ist. Diese Dinge merken wir uns, sie speichern wir ab.
    Nehmen wir die Impfung, zu Anfang der Pandemie gab es eine riesen Angst, weil es keinen Impfstoff gab, dann gab es endlich einen und dann kam die Impfangst.
    Beides lässt sich je nach Suchergebnissen oder gespielten Postings in der Timline eines Netzwerkes befeuern.
    Hinzu kommen vielerlei Interessen, auch aus anderen Ländern, politische, wirtschaftliche, populistische, womöglich religös, esoterische…

    Gefällt 1 Person

  2. Ich habe für mich einen persönlichen Meinungsbilder gefunden, ich lese online die Springerpresse und schon aus meiner Kinderheit weiß ich, das Gegenteil von dem, was sie schreiben ist für mich und im Grunde für die Gesellschaft gut. Das ist natürlich nicht wissenschaftlich.
    In meinem Umfeld hab ich eine Freundschaft aufgrund der pandemischen Situation beendet, ich bekam, trotz mehrfacher Aufforderung und dem Blocken in Messengerdiensten weiterhin Artikel und Filme zugesendet, mit einem hohen Maß an Missionierungseifer.
    Ansonsten scheue ich den Diskurs nicht, allerdings macht dieser auch mich manchmal müde. Denke aber, es ist wichtig sich auszutauschen, im Gespräch zu bleiben. Solange es keine persönlichen Grenzüberschreitungen gibt.

    Ich finde Corona zeigt uns als Gesellschaft gerade politisch, soziologisch, wirtschaftlich, moralisch, ethisch, technisch, im Grunde in allen Bereichen unsere Schwächen auf.
    Seine Schwächen zu kennen ist existentiell.
    Denn gemessen an anderen, möglichen Katastrophen ist Corona noch gut zu managen.
    Ich denke das Wichtigste am Dialog ist das Zuhören, ich selbst muss nicht immer antworten.
    Manchmal fehlen mit auch die Worte oder die Lust, die Energie, ist das Entsetzen zu groß.
    Aber Zuhören verbindet. Es ist eine Form des Respekts, insbesondere wenn das Gesagte, Geschriebene nicht meine Meinung widerspiegelt.
    Allerdings habe auch ich die Möglichkeit deutlich zu machen, über ein Thema nicht sprechen zu wollen, ich denke, es ist ebenfalls wichtig im Dialog ein Nein zu akzeptieren.

    Ich persönliche sehe die gesellschaftlichen Gräben gerade als Chance, wie sie aus Konflikten heraus sich immer wieder ergibt. Eine Chance, sich gesellschaftlich zu reflektieren, unseren Umgang mit den Mitmenschen und insbesondere mit der Natur, diesem Planeten zu hinterfragen, zu schauen, ob unsere Lebensmodelle insgesamt sinnig sind.
    Dafür ist ein gesellschaftlicher Dialog nötig, denke wir beginnen gerade etwas holperig damit. Dabei sollten wir uns weniger auf die KI verlassen, sondern unseren eigenen Verstand nutzen, noch haben wir Menschen eine Menge drauf, nutzen wir unser Potential.
    Eine schöne Adventszeit !

    Gefällt 1 Person

    1. Danke, Aquasdemarco, für diese interessante Sichtweise. „Ich persönliche sehe die gesellschaftlichen Gräben gerade als Chance, wie sie aus Konflikten heraus sich immer wieder ergibt. Eine Chance, sich gesellschaftlich zu reflektieren, unseren Umgang mit den Mitmenschen und insbesondere mit der Natur, diesem Planeten zu hinterfragen, zu schauen, ob unsere Lebensmodelle insgesamt sinnig sind.“
      Ich hoffe, dass du recht behältst und dass aus der aktuellen Situation tatsächlich ein fruchtbarer gesellschaftlicher Diskurs entsteht, wohin wir als Einzelne, als Gesellschaft und letztlich als Weltgemeinschaft wirklich wollen. Mit dem Bewusstsein, dass ein „Weiter so“ einfach nicht möglich ist.
      Ob diejenigen, die vom Status Quo allerdings gerade profitieren, (z.B. global expandierende Unternehmen) daran ebenso interessiert sind, wage ich zu bezweifeln. „Geld = Einfluss und Macht“, diese Gleichung gilt leider vielerorts weiterhin, was meiner Meinung nach auch die Pandemie zeigt. Das wiederum nimmt mir etwas den Optimismus.🤷‍♀️

      Gefällt mir

  3. Bei den aktuellen gesellschaftlichen Diskursen, sei es Corona oder Klima, müssen wir bloß aufpassen, nicht in die false-balance-Falle zu tappen. Meinungsverschiedenheiten und der wertschätzende Austausch darüber sind wertvoll und spannend, aber in manchen Punkten geht es eben nicht um Meinungen und Ansichten sondern schlicht um Wissenschaft. Da gibt es oft einen wissenschaftlichen Konsens, der von 99% der fachlich kompetenten Menschen geteilt wird, dagegen stehen einzelne Wirrköpfe, die dann in Talkshows selbstverständlich als die legitime, andere Seite gehandelt werden. Wenn sie legitim wären, würden sie ihren Einfluss in der Wissenschaft geltend machen und hätten sie Recht, würden ihre Erkenntnisse die Wissenschaft beeinflussen und zu einer Änderung der Lehrmeinung führen. So war es mit Semmelweis und vielen Anderen, bis hin zu Einstein, deren Erkenntnisse anfangs eben nicht ernstgenommen und abgelehnt wurden, die sich aufgrund ihrer wissenschaftlichen Stichhaltigkeit dann aber doch durchsetzten. Die abweichenden Meinungen in Bezug auf Corona und Klimawandel finden aber vielfach gar nicht innerhalb des wissenschaftlichen Diskurses statt sondern werden parallel dazu auf Youtube etc. verbreitet, so dass die ernsthafte Wissenschaft gar keine Chance bekommt, sie mit ihren gängigen Mitteln zu überprüfen, zu widerlegen oder eben anzunehmen. Insofern teile ich zwar Deine Meinung, dass Menschen immer miteinander reden und ihre gegenseitigen Ängste und Gedanken ernstnehmen sollten, aber Manches ist halt auch einfach Unsinn und so vielfältig widerlegt, dass eine Auseinandersetzung damit einfach nur Zeitverschwendung ist.

    Gefällt 1 Person

    1. Danke für deinen Kommentar! Was mich nur stutzig macht, ist, wenn selbst anerkannte Expert/innen warnen, diese Warnungen bei politischen Entscheidungen jedoch offenbar kaum Gehör finden. So wies zuletzt Stiko-Vorsitzender Mertens in Bezug auf die Covid-Impfung für 5-11-Jährige deutlich auf das noch nicht ausreichend untersuchte Risiko für diese Altersgruppe hin, ebenso wie Thomas Fischbach, Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, vor den Folgen erneuter Schulschließungen warnte. Wir werden sehen, ob beides auf die politischen Entscheidungen der nächsten Monate einen Einfluss haben wird…
      Zudem benötigt natürlich auch seriöse Wissenschaft Geld und letztlich bestimmen damit durchaus auch politische Agenden und wirtschaftliche Interessen, welche Forschung vorangetrieben, breit publiziert und damit schließlich zur Lehrmeinung wird. Stichwort „gendergerechte Medizin“: Medikamente, Diagnose- und Behandlungsmethoden orientieren sich noch immer oft am Mann als „Standardpatienten“ – mit zum Teil fatalen Folgen für weibliche Patienten.
      Mein Fazit: natürlich halte ich nicht jeden Blödsinn für eine legitime Gegenmeinung – aber ich versuche auch sehr genau hinzusehen, wer mit welcher Motivation und auf welcher wissenschaftlichen Basis die aktuelle Lehrmeinung vertritt.

      Gefällt 1 Person

  4. Liebe Sarah, ein wichtiger Beitrag! Ich würde mir auch oft einfach nur den Respekt der jeweils „anderen Seite“ für eine andere Meinung wünschen!!! [Gleichzeitig ist mir durchaus bewusst, dass ich selber eben auch „Missionierungstendenzen“ habe, v.a. nach dem Motto: „Bitte hinterfragt mehr! Bitte „glaubt“ nicht einfach!“ (Das gilt natürlich für alle Seiten)… .] 💕. Herzlichen Gruß und schönes Adventswochenende! Maren

    Gefällt 1 Person

  5. Danke Sarah, für diesen ausführlichen und gut geschriebenen Beitrag. Ich bin ganz dabei, wenn es um freie Meinungsbildung und auch Meinungsäußerung geht. Wir können über Geschmäcker diskutieren, über politische Konzepte und den Umgang mit all den Herausforderungen. Da schätze ich andere Meinungen, sie erweitern den eigenen Horizont, auch wenn ich nicht dieser Auffassung bin. Wo bei mir aber recht schnell Schluss ist, wenn Menschen falsche oder völlig irre Dinge in die Welt setzen und die dann als „Meinung“ verkaufen. Das sind dann keine „Meinungen“ mehr, das ist eine Verdrehung von Tatsachen und da werde ich keine Sekunde zuhören. Natürlich ist es schwer, genau diese Grenze zu finden, aber aktuell sind es an meiner Fensterscheibe nun mal 4,4 °C und das lässt sich nicht wegdiskutieren. Das können wir nun doof oder nett finden, von mir aus können wir auch noch mal ein anderes Thermometer versuchen, dass kommt dann vielleicht bei 4,3 oder 4,5 raus, aber trotzdem ist es kalt draußen.

    Gefällt mir

    1. Danke für deinen Kommentar! Klar, 4,4 °C sind einfach zu messen. Schon 4,4 Prozent sind eine kompliziertere Sache: was ist die Bezugsgröße, welche Schlüsse ziehe ich daraus? Wie komme ich überhaupt zu meinen Zahlen? Und nicht zuletzt: Was bewirke – und bezwecke – ich mit ihnen? Da kommen dann eben auch wieder persönliche Interessen ins Spiel – und, schwups, ist das Ganze längst nicht mehr so eindeutig. Auch ich begrüße übrigens sehr die offene und aufgeschlossene Diskussion. Mich beunruhigt eher eine „Alternativlosigkeit“, die andere Deutungen erst gar nicht gelten lässt.

      Gefällt 1 Person

    2. Den Terminus „Verdrehung von Tatsachen“ finde ich schwierig: Sogar zu 4,4 Grad C kann man aus meiner Sicht durchaus eine unterschiedliche Meinung haben: Für jemanden, der in Spanien aufgewachsen ist, wird es sich vielleicht eiskalt anfühlen, für jemanden, der in z.B. Tibet aufgewachsen ist, vielleicht eher warm. Und man muss nicht einmal aus verschiedenen Kulturkreisen stammen: Ich laufe mit Wollsocken durchs Haus, jemand anderes barfuß … . Oder: Wenn nasskalter Wind dazu kommt, fühlt sich 4 Grad anders an, als bei Sonne etc. . (Und vielleicht stimmt das Thermometer auch tatsächlich nicht, oder ich habe mich verlesen, oder mir hat jemand eine falsche Zahl vorgelesen.) Will sagen: Was sich für den einen völlig richtig anfühlt, kann sich für einen anderen völlig falsch anfühlen, selbst, wenn man von derselben Grundlage ausgeht. Denn relevant ist aus meiner Sicht für mich letztlich nicht, ob das Thermometer 4 Grad anzeigt, sondern ob MIR kalt oder warm ist … . Und darüber lässt sich dann eben auch nicht diskutieren, sondern man kann nur respektieren, dass eine andere Person ein anderes Temperaturempfinden hat.

      Gefällt mir

    3. Danke für die Antwort, natürlich kann jeder über Fakten, Messungen, Zählungen denken und empfinden wie er/sie denkt, dagegen habe ich doch gar nichts. Mir geht es darum, dass es trotzdem … und das ist nun mal fakt … 4,4° waren (im übertragenen Sinne natürlich) … und darüber brauchen wir nicht diskutieren.

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s