Beruf, Familie

Ratgeber: „HomeOffice mit Familie“ (Rezension)

Buchtitel „HomeOffice mit Familie“

Vereinbarkeit von Familie und Beruf: wie geht das, wenn ich mit Kindern im HomeOffice arbeite? Wie schaffe ich es, meine Aufgaben zu erledigen, ohne dass meine Familie dabei zu kurz kommt? Und wie vermeide ich umgekehrt, ständig für Familiendinge wie Hausaufgabenbetreuung oder die Zubereitung des Mittagessens eingespannt zu werden, wenn ich zuhause arbeite? Businesstrainerin und Autorin Felicitas Richter, selbst Mutter von vier Kindern und seit Jahren im HomeOffice tätig, hat zu genau diesen Fragen einen Ratgeber verfasst. Ich habe ihn mir angesehen. 

Wie gelingt das Arbeiten zuhause?

Das Buch ist in der Reihe Beck kompakt erschienen. Und genau das ist es: kompakt und auf den Punkt. Ohne Drumherumgerede geht die Autorin auf die wichtigsten Fragen ein, die man sich stellen sollte, um im HomeOffice mit Familie produktiv und zufrieden zu sein:

  1. Rahmenbedingungen (Warum HomeOffice? Was braucht gelingendes HomeOffice?)
  2. Meine innere Haltung (Was will ich und was brauche ich? Und wie bekomme ich es?)
  3. Familienalltag mit HomeOffice (Wie können wir uns innerhalb der Familie als Team organisieren?)
  4. Arbeit im HomeOffice (Wie gestalte ich meine Arbeitsabläufe und den Kontakt zu Kolleg/innen?)

Die Autorin gibt dabei einerseits eine Fülle wirklich brauchbarer Tipps zur Selbstorganisation, beschränkt sich aber nicht auf Ratschläge, wie Arbeit und Familienleben effizienter zu gestalten seien. Statt dessen betont sie, dass die perfekteste Organisation nichts bringt, wenn ich innerlich glaube, nicht zu genügen, oder mich und meine Bedürfnisse innerhalb der Familie immer an die letzte Stelle setze. Insofern hat der Ratgeber durchaus emanzipatorisches Potential, denn Felicitas Richter rät, die Haltung innerhalb von Beruf und Familie zu hinterfragen und für die eigenen Bedürfnisse und Wünsche einzustehen.

Tipps – anschaulich und praxisnah

Wie das geht, zeigt sie anschließend sehr anschaulich, gut strukturiert und praxisnah. Sie geht zum Beispiel darauf ein, wie Arbeiten zuhause (zumindest für eine gewisse Zeit) möglich ist, wenn die Kinder – wie aktuell ja gerade oft – mit dabei sind und worauf man bei der Arbeitsorganisation achten sollte, wenn man Kinder im Kleinkind-, Kindergarten-, Grundschul- oder Jugendalter hat. Gut gefallen mir Tipps wie der, dem Kindergartenkind verschiedene Bereiche innerhalb der Wohnung einzurichten, in denen es eigenständig spielen kann, ähnlich wie die Bastel-, Bau- oder Kuschelecke im Kindergarten. Auch eine Art Ampel an der Tür des Arbeitszimmers, die bei Rot anzeigt „Bitte nicht stören“ oder die Absprache: „Geschlossene Tür = Konzentrierte Arbeitsphase, angelehnte Tür = Reinkommen erlaubt“ finde ich gut umsetzbar, inklusive des Hinweises, Kinder auch außerhalb des HomeOffice zu Selbstständigkeit zu ermutigen, ebenso wie dazu, einmal Langeweile auszuhalten. 

Was deutlich wird: wünsche ich mir, dass meine Familie mich in meiner Arbeit zuhause unterstützt, beziehungsweise ihren Anteil an der Hausarbeit übernimmt, muss ich klar kommunizieren und selbst gut strukturiert vorgehen. Felicitas Richter bringt somit auch Themen wie die Bewältigung des Mental Load (die 1000 kleinen Aufgaben, die im Alltag durchdacht und organisiert werden müssen) und die gleichberechtigte Gestaltung von Partnerschaft zur Sprache. Für alle sichtbare Checklisten, was zu tun ist und wer wann welche Aufgaben übernimmt, helfen, den Alltag zu strukturieren. Vor allem denkt dann nicht mehr nur eine Person – im Zweifelsfall diejenige, die im HomeOffice arbeitet – an alles, sondern alle Familienmitglieder fühlen sich für die Organisation verantwortlich. 

Insgesamt ein auch vom Format her sehr handlicher, praxisnaher und tatsächlich hilfreicher Ratgeber. Ein bisschen, als käme Frau Richter zu Besuch, um uns im Durcheinander zwischen HomeOffice und Familie zu unterstützen. Damit wir tatsächlich lernen, wie der Untertitel verspricht, „wie wir [uns] selbst, Arbeit und Familie so organisieren, dass (fast) nichts zu kurz kommt“. 

Lesenswert!

Sarah Zöllner

Die Autorin ist Lehrerin, freie Autorin und Mutter eines Babys sowie eines Kindergartenkindes. 

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[Foto: privat; ich danke dem Verlag für das zu Verfügung gestellte Rezensionsexemplar. Der Beitrag gibt dennoch ausschließlich meine persönliche Meinung wieder.]

4 Gedanken zu „Ratgeber: „HomeOffice mit Familie“ (Rezension)“

  1. Ich bin heilfroh, einen Beruf zu haben, der Homeoffice ausschließt – es wäre mit einem Kind, das immer 100 Prozent Aufsicht braucht, nicht möglich, würde vermutlich aber verlangt werden.
    Homeoffice ist mit Angehörigen, die Daueraufsicht brauchen, sei es nun wegen einer Behinderung, Demenz etc., quasi unmöglich.
    Kleinkinder schlafen wenigstens zu Mittag. Ich bin schon mit Homeschooling bei einem – behinderungsbedingt auch nicht selbstständig arbeitenden – Kind und der Daueraufsicht beim Kleinen fast irre geworden.

    Dass mein Blog so ein ausgesprochenes Nachtleben führt, hat schon seinen Grund. Den Blog muss ich aber nicht pflegen, wenn ich müde bin und das ist der große Unterschied.

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    1. Da stimme ich dir zu. Auch mit Kindergartenkind ist HomeOffice eigentlich nur möglich, wenn zwei Elternteile zuhause arbeiten und sich bei der Betreuung abwechseln können. Konzentriertes Arbeiten ist sonst eigentlich nur nachts möglich – und schlafen sollte frau ja auch irgendwann…😅 Fürsorgearbeit ist eben ein „Job“ für sich und nichts, was man mal so eben parallel zur Erwerbsarbeit erledigen kann.

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