alleinerziehend, Familie

Living Apart Together: Eine Familie, zwei Wohnungen – geht das gut?

Reihenhaus, zwei bunte Türen nebeneinander.

Junge Paare führen oft jahrelang eine Beziehung, ohne dabei in einer gemeinsamen Wohnung zu leben. Dennoch ziehen die meisten Menschen spätestens vor der Geburt des ersten gemeinsamen Kindes zusammen. Natürlich ist dies nicht immer möglich. Paare, die zum Beispiel aufgrund beruflicher Gründe nicht am selben Ort wohnen können, nutzen oft zwei Wohnungen, zuweilen auch noch mit gemeinsamen Kindern. Oft entsteht hier jedoch früher oder später der Wunsch, die Fernbeziehung zu beenden und zusammenzuziehen. Was aber, wenn ihr euch als Paar mit eigenen Kindern bewusst dafür entscheidet, zwei eigene Wohnungen zu behalten? Getrennt zusammen leben, „Living Apart Together“ (LAT) wird dieses Wohn- und Lebensmodell auch genannt. Kann es mit Kindern auf Dauer gut gehen? 

Für den Fall, dass ihr, womöglich im Rahmen einer neuen Beziehung nach einer Trennung, erst einmal eure jeweiligen Wohnungen behalten wollt, euch aber fragt, wie ihr das mit gemeinsamen Kindern organisieren sollt, liste ich euch hier Vor- und Nachteile dieses Wohnmodells auf. Ich kann hierzu meine eigene Erfahrung beisteuern: mein Partner und ich wohnen bewusst nicht zusammen, führen jedoch natürlich eine Beziehung und haben vor kurzen sogar ein weiteres gemeinsames Kind bekommen. Wir praktizieren das Living-Apart-Together-Modell also sogar mit zwei Kindern im Baby- und Vorschulalter. 

Für wen ist Living Apart Together (LAT) geeignet?

Natürlich entscheidet ihr als Paar und, je nach Alter, auch eure Kinder, ob das Modell für euch ein passender Lebensentwurf ist. Behaltet ihr als Familie bewusst zwei Wohnungen, dann meist, weil ihr entweder sehr unterschiedlich in eurem Lebensstil und euren Interessen seid oder von eurer Persönlichkeit her viel Freiraum braucht und euch trotz gemeinsamer Kinder gerne ein wenig Unabhängigkeit bewahren wollt. 

Natürlich könnt ihr auch mit unterschiedlichen Gewohnheiten und Interessen zusammenleben. Und ihr könnt euch auch in einer gemeinsamen Wohnung Freiräume lassen. Vielleicht schätzt ihr aber, wie es bei uns der Fall ist, die Möglichkeit, wirklich einmal komplett für euch zu sein, eure Wohnungstür hinter euch zuzuziehen und damit vom Familienalltag abschalten zu können. Es kann zudem sehr schön und belebend für eure Beziehung sein, dass ihr euch jeden Tag neu dafür entscheidet, zusammenzukommen und nur zeitweise einen gemeinsamen Alltag zu teilen. Die klassischen Konfliktpunkte bezüglich Ordnungsliebe, Sauberkeit oder gemeinsamer Freizeitgestaltung könnt ihr so erheblich entschärfen. Jede/r hat ja sein Reich, in das er den anderen einlädt und in dem er den Alltag gestalten kann, wie er möchte. 

Ist es „reifer“ oder verbindlicher, zusammenzuwohnen? 

Das Vorurteil, eine solche Beziehung müsse irgendwie unverbindlich oder „unreif“ sein, kann ich persönlich nicht bestätigen. Im Gegenteil: gerade dadurch, dass wir immer wieder Pausen des Zusammenseins haben, wird die gemeinsam verbrachte Zeit noch kostbarer. Wir entscheiden uns ja immer wieder neu und bewusst, sie miteinander zu verbringen. 

Mit inzwischen zwei Kindern gehört hierzu natürlich auch viel Alltagslogistik und gerade nach der Geburt unseres Jüngsten mussten wir das ganze Modell noch einmal überdenken und so anpassen, dass es für uns – und natürlich auch für unsere Kinder – weiter angenehm ist. 

Eine Rückzugsmöglichkeit für euch als Eltern

Als Mutter oder Vater können zwei getrennte Wohnungen dir auch einmal Rückzug vom Familienleben ermöglichen, wenn zum Beispiel beide Kinder in der anderen Wohnung sind und du dadurch „familienfrei“ hast. Bei zwei kleinen Kindern, wie wir das Modell momentan leben, ist dies natürlich nur bedingt möglich. Unser jüngster Sohn braucht mich momentan noch zu sehr und lebt deswegen die ganze Zeit über bei mir. Als Familie sehen wir uns täglich mehrere Stunden nach der Arbeit, beziehungsweise dem Kindergarten. Aber  gerade an den Wochenenden empfinde ich es als sehr wohltuend, auch Zeiten allein mit unserem Jüngsten zu haben, schlicht, weil ich dadurch viel mehr Ruhe habe und auch wirklich auf seinen Rhythmus eingehen kann. Andererseits ist es wahr, dass ich meinen älteren Sohn, der aktuell häufig in der anderen Wohnung übernachtet, dadurch nur relativ wenig sehe. Zu wenig für meinen – und auch seinen –  Geschmack. Aber da sind wir wohl in guter Gesellschaft vieler Familien mit zweitem Kind. Die Zeit für das Größere muss ich mir in den ersten Monaten als Mutter geradezu freischaufeln, oft begleitet von einem Gefühl innerer Zerrissenheit: was ich meinem einen Kind  an Zeit und Zuwendung gebe, fehlt beim anderen. 

Verbindliche Absprachen für eure Kinder

Entsprechend werden auch wir unser Modell wohl noch einmal überdenken und voraussichtlich bald wieder häufiger alle gemeinsam in unserer „Hauptwohnung“ übernachten. Die Möglichkeit, grundsätzlich aber auch innerhalb unserer Partnerschaft einen echten Rückzugsraum zu haben, gefällt uns beiden und wird vermutlich dazu führen, dass wir das Living-Apart-Together-Modell noch eine Weile aufrechterhalten. Dann vielleicht aber nicht wie jetzt mit zwei Wohnungen in angrenzenden Stadtteilen, sondern in derselben Straße oder in zwei Etagen eines gemeinsamen Hauses. 

Ist Living-Apart-Together für Familien geeignet? 

Mein (Zwischen-) Fazit: Auch mit Kindern kann es gelingen, auf zwei Wohnungen verteilt ein gemeinsames Familienleben zu führen. Dies erfordert aber ganz klar immer wieder die Kommunikation, ob die Situation für alle Beteiligten noch passend ist. Je älter die Kinder sind, umso mehr entscheiden sie natürlich darüber mit, wo sie sich gerade aufhalten wollen. Umso wichtiger ist es, dass ihr Eltern dann darüber in Austausch bleibt, dass grundsätzliche Standards (z.B. Medienzeit unter der Woche oder eine vollwertige Ernährung) in beiden Haushalten gelten. Grundsätzlich finde ich es für Kinder besser, wenn diese zum Beispiel vorwiegend in der „Hauptwohnung“ übernachtet und nur ihr Erwachsenen euch zeitweise zurückzieht, beziehungsweise die Kinder mit in eure Wohnung nehmt, so dass der andere Zeit alleine hat. 

Nicht zuletzt ist es natürlich auch eine Kostenfrage, ob ihr euch zwei Wohnungen leisten könnt und wollt. Statt einer 5-Zimmerwohnung habt ihr auf diese Weise vielleicht eine Zwei- sowie eine Dreizimmerwohnung und damit vermutlich höhere Miet- und Nebenkosten. Und falls ihr nicht von Anfang an in zwei Wohnungen gewohnt habt, kommt noch der organisatorische Aufwand dazu, überhaupt zwei Wohnungen in der richtigen Größe zu finden, die ausreichend nah beieinander liegen. 

Wie in jeder Wohn- und Lebensform lassen sich aber auch hier Lösungen finden, wenn ihr wirklich davon überzeugt seid, was ihr tut. Für eure Kinder sind klare Absprachen in Bezug auf die Zeiten, in denen sie in der einen oder anderen Wohnung sind, oder auch in Bezug auf erzieherische Standards, sehr wichtig. 

Rücksichtnahme und Verbindlichkeit, auch mit zwei Wohnungen 

Living Apart Together bedeutet – erst recht als Familie – also nicht, in getrennten Wohnungen „sein Ding durchzuziehen“. Es heißt vielmehr, sich auf ein Familienleben einzulassen, das regelmäßig an mehr als einem Ort stattfindet. Insofern ähnelt eure Situation zwar der von Familien nach einer Trennung. Anders als die meisten getrennt lebenden Eltern verbringt ihr aber natürlich auch weiter viel gemeinsame Zeit zusammen. Living Apart Together muss sich somit – auch für eure Kinder – nicht weniger geborgen anfühlen als Familienalltag in einer gemeinsamen Wohnung. Die Frage ist, was ihr daraus macht. 

Auf einen Blick: Vor- und Nachteile des Living-Apart-Together-Wohnmodells

Vorteile:

  • Sehr flexibel. Ihr bestimmt, wieviel Zeit ihr miteinander an welchem Ort verbringen möchtet und in welcher Konstellation. 
  • Hilfreich, um mögliche Konfliktpunkte des Zusammenlebens zu entschärfen, wie unterschiedliche Ordnungs- und Hygienestandards, unterschiedliche Freizeitgestaltung, usw.
  • Eure Kinder haben zwei Zuhause mit der damit einhergehenden Abwechslung und Anregung.
  • Ihr könnt euch als Eltern gegenseitig relativ einfach „familienfreie“ Zeit verschaffen.
  • Gut, wenn ihr innerhalb eurer Beziehung eine gewisse Unabhängigkeit behalten wollt und gern Zeit alleine verbringt. Gegebenenfalls könnt ihr danach umso bewusster mit euren Kindern und eurem Partner oder eurer Partnerin zusammen sein.

Nachteile:

  • Teuer. Ihr bezahlt zwei Wohnungen inklusive Neben- und Lebenshaltungskosten. Das kann  gerade in der Stadt schnell ins Geld gehen.
  • Mit Kindern (anfangs) gegebenenfalls aufwändig zu organisieren.
  • Eure Kinder brauchen vielleicht mehr Kontinuität im Alltag (diese kann allerdings auch eine „Hauptwohnung“ bieten, in der alle regelmäßig übernachten).
  • Gerade wenn euer Kind häufig in der anderen Wohnung ist, bekommt ihr von seinem Alltag weniger mit und könnt euch phasenweise trotz Familie einsam fühlen.
  • Absprachen in Bezug auf eure Erziehungsstandards in beiden Wohnungen sind wichtig, auch als Orientierung für eure Kinder.
  • Wenn ihr gerne den Alltag mit eurem Partner, bzw. eurer Partnerin teilt, der andere aber deutlich mehr Rückzug braucht, kann das zu Konflikten führen. 

Wäre das Living-Apart-Together-Modell etwas für dich? Oder praktizierst du es vielleicht sogar schon? Ich freue mich – wie immer – über eure Kommentare!

Herzlich, Sarah (mutter-und-sohn.blog)

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[Foto: Pixabay]

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