alleinerziehend, Familie, Persönliches

Meine erste Fernreise allein mit Kind: Das erwartet euch wirklich! (Teil 2)

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Vorab: Es war wunderschön. Manchmal stressig. Überraschend. Eine intensive Zeit mit meinem Kind. Und ich durfte mich selbst – und meinen Sohn – noch einmal von ganz neuen Seiten entdecken.

Fernreise auf die Kanaren

Mit meinem Sohn verbrachte ich dieses Jahr eine Woche allein auf den Kanaren, auf Lanzarote. Was hatte ich mir vor dem Flug für Gedanken gemacht über Größe und Gewicht des Fluggepäcks, Abflugzeit etc. Letztlich hatte sich die ganze Organisation auch gelohnt: leicht bepackt mit nur einem Handgepäckkoffer (55x25x40cm), einem halb so großen Rucksack und einer Miniaturhandtasche für Geld und Dokumente, umgingen wir alle Wartezeiten an der Gepäckaufgabe und reisten tatsächlich ziemlich leicht und unbeschwert. 

Trotzdem hier noch ein paar Details, auf die ich beim nächsten Mal sicher achten werde:

(Über-) Leben im Flugzeug

Fliegen, erst recht in Low-Budget-Airlines, hat so gut wie nichts mehr mit dem „Verwöhnprogramm“ über den Wolken zu tun, mit dem die großen Fluglinien ihre Kunden locken. In der Economy-Klasse gibt es auch bei Langstreckenflügen längst nicht mehr in allen Airlines kostenlos etwas zu essen und zu trinken. Deckt euch also wie bei einer Busreise mit belegten Broten ein, wenn euch die angebotenen (kostenpflichtigen) Snacks an Bord zu teuer sind.

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Nicht immer hält die Bord-Verpflegung, was sie verspricht…

Getränke über 100ml Füllmenge könnt ihr nach der Sicherheitskontrolle im Transitbereich erstehen oder ihr nehmt für den Security-Check eine leere Trinkflasche mit, die ihr kurz vor Start in einer der Flughafentoiletten mit Leitungswasser befüllt (natürlich nur, wenn dieses als trinkbar deklariert ist, was auf einigen Kanarischen Inseln z.B. nicht der Fall ist).

Bucht, wenn irgend möglich, einen Sitz am Gang! Der Blick aus dem Fenster mag die ersten zehn Minuten faszinierend sein, in den restlichen 3-5h macht es jedoch einen gewaltigen Unterschied, ob ihr bei jedem Klogang eure/n Sitznachbar/in am Gang um „Erlaubnis“ bitten müsst; außerdem müssen eure Mitreisenden nur leicht über Normalgewicht liegen und schon habt ihr, vor allem auf den Mittelplätzen einer Dreier- oder Viererreihe, das perfekte „Sardinengefühl“… Anders als in der Bahn sitzt ihr die meiste Zeit auch wirklich. Also auf einem Langstreckenflug für euer lebhaftes Kindergartenkind viiiel ruhige Spielideen parat haben (kleine Bücher, Steckpuzzle, Malsachen, Tablet mit Kinderfilmen (?)). Der Gang zum Klo alle 1-2h wird dann zur willkommenen Möglichkeit ein wenig die Beine zu vertreten…

Zuletzt noch eine Erkenntnis, die ich erst während des Fluges hatte: Handgepäck nur soweit befüllen, dass ihr tatsächlich noch an alles herankommt. Und zwar, ohne dass ihr z.B. euren ganzen Rucksack durchwühlen müsst. Griffbereit sein sollten: Pass/Ausweis (auch der der Kinder!), Boarding-Pass (euer Flugticket, auf dem ihr meist schon das Abfluggate findet sowie euren Sitzplatz), Geld, Wasserflasche, kleiner süßer und salziger Snack (und ggf. Babynahrung oder -milch), Kaugummi (Druckausgleich bei Start und Landung), Taschentücher sowie, falls zum Einschlafen benötigt, Schnulli oder Kuscheltier. Idealerweise auch 2-3 Spielsachen oder Pixibücher für’s Kind. Griffbereit heißt dabei wirklich am Körper in einer kleinen Handtasche oder maximal in der Vordertasche eines Reiserucksacks, den ihr im Flugzeug unter den Sitz vor euch klemmen könnt. Handgepäck in den Gepäckablagen über den Sitzen erreicht ihr während des Flugs nur unter ziemlichem Aufwand (je nach Sitzplatz auch nur nach freundlicher Nachfrage (s.o.)). Also packt eure Essentiells gleich dorthin, wo ihr sie für euch und euer ggf. müdes, hungriges Kleinkind sofort erreicht! 

Und schließlich durfte ich erleben, dass auch Flugzeuge Verspätung haben können, bzw. schlicht länger in der Luft unterwegs sind als laut Flugplan angegeben. Auf der Hinreise schrumpfte so unsere ohnehin knappe Umsteigezeit von 55 Minuten auf 15 Minuten zusammen… Dank Sprint durch den mir bis dato unbekannten Umsteige-Flughafen und der Tatsache, dass ich schon im Flugzeug nach dem Abflug-Gate gefragt hatte, kamen wir auch punktgenau zum Boarding an!… Für etwas „gemütlichere“ Gemüter: mindestens 2h Umsteigezeit einplanen oder – allein mit Kind und Gepäck – gleich einen Direktflug. Sehr ratsam ist auch, was manche Fluglinien inzwischen ohnehin fordern: checkt bis zu 48h vor Abflug online über die Seite der Fluggesellschaft ein und druckt euch euren Boarding-Pass selbst aus. So könnt ihr am Flughafen, falls ihr nur Handgepäck dabei habt, direkt zum Sicherheits-Check weiter und spart Zeit und Nerven. 

Unser Feriendomizil: Entspanntes Zuhause auf Zeit

Mit unserem Zuhause auf Zeit haben wir es in diesem Urlaub wirklich großartig getroffen. Eine wunderschöne, gepflegte Anlage mit zwei großen Pools zwischen Palmen, einem Bio-Laden vor Ort sowie einen kleinen Restaurant für Frühstück, Mittagstisch und Abendbrot.

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Ein Ort zum Wohlfühlen: unsere Ferienwohnungsanlage

Weiß getünchte Bungalows und tatsächlich wunderbare Ruhe mit der Möglichkeit, einige Stunden pro Tag eine Kinderbetreuung in Anspruch zu nehmen, an der sogar mein Sohn (knapp 4) nach etwa 10 Minuten, die ich mit ihm dort zum Ankommen gemeinsam blieb, begeistert teilnahm (um an den nächsten Tagen doch nicht mehr hinzuwollen – aber da spielte er schon mit den anderen Kindern in der Anlage und ich hatte so zumindest ab und zu etwas Zeit für mich). Die Frau, die das Ganze anleitete, war selbst Mutter zweier Kinder und Deutsche, so dass die Sprache keine Barriere darstellte. 

Dennoch möchte ich nicht unterschlagen, dass Urlaub allein mit einem quirligen Kindergartenkind bedeutet, (fast) immer aktiv zu sein. Mir war das phasenweise auch zuviel (zumal mich ab Tag 3 eine dicke Erkältung erwischte) und ich hätte gerne ein paar Mal mehr wirklich die Verantwortung abgegeben, bzw. mich nicht noch zusätzlich darum kümmern müssen, mit meinen Mitreisenden Kontakt aufzunehmen und gemeinsame Unternehmungen zu planen. 

Was ich mir für die Zukunft merken werde:

Alleine Reisen mit (Klein-) Kind muss nicht bedeuten, dass du immer allein mit deinem Kind unterwegs bist. Aber auch als kontaktfreudiger Mensch bist du – an einem neuen Urlaubsziel – erst einmal allein, und auch allein verantwortlich, unter Fremden. Um dich da nicht überfordert oder gar einsam zu fühlen, achte möglichst genau darauf, wie die anvisierte Unterkunft gestaltet ist. Auch ein Urlaub im Familienhotel kann sich einsam anfühlen, bist du allein unter  Paaren mit deinem Kind als einzige/r an einem Zweiertisch untergebracht. Umgekehrt entlastet es ungemein, wenn andere Eltern (ggf. selbst allein unterwegs mit ihrem Kind) einmal mit auf deinen Nachwuchs ein Auge haben können oder ihr euch sogar zu den Mahlzeiten oder zu gemeinsamen Unternehmungen treffen könnt. Mir haben für meine Entscheidung die detaillierten Erfahrungsberichte anderer alleinreisender Eltern auf der Website meines Reiseunternehmens geholfen. Falls angeboten, nutzt diese Möglichkeit unbedingt.

Planung lohnt sich (doch)! So spontan mein ursprünglicher Entschluss zu dieser Reise war, so froh war ich letztlich, wirklich sinnvoll gepackt und mich über Urlaubsziel und Unterkunft informiert zu haben. Klar, alle Details lassen sich nie kalkulieren (das ist ja Teil des Urlaubsreizes), aber zu viel Unvorhergesehnes stresst euch nur unnötig – und eine Herausforderung ist das alleine Reisen mit Kind die ersten Male schon, gerade, wenn ihr es wagt, ein, auch für euch, neues Reiseziel oder eine ungewohnte Reiseart auszuprobieren. 

Und nicht zuletzt: genießt diese Zeit mit eurem Kind, bzw. euren Kindern! Lasst euch wirklich auf sie ein. Gesteht euch – und ihnen – zu, dass sie, ebenso wie ihr selbst, von einem langen Flug und der ungewohnten Umgebung gestresst sein können und erwartet nicht sofort die pure Urlaubsfreude. Vielleicht fällt aller Alltagsärger tatsächlich beim Start eures Fliegers von euch ab, viel eher aber nehmt ihr euer Alltagsselbst in den Urlaub mit und es dauert ein paar Tage, bevor ihr aufhört, (Freizeit-) Termine zu machen und euch wegen herumliegenden Spielzeugs zu ärgern. 

Seit ihr aber soweit, beginnt wirklich eine tolle Zeit: ihr wart mutig, ihr wart gut genug organisiert um diese Reise zu planen und anzutreten. Und jetzt gehören diese Tage und Wochen euch und eurem Kind ganz allein. Erfahrungen, von denen ihr später tatsächlich zehren werdet, wobei gerade die heikelsten Momente zu euren Held/innentaten werden.

Also los – gute Reise und alles Gute euch dabei! Sarah

PS. Wie immer freue ich mich über eure Kommentare, eigene Reiseberichte oder auch Fragen zur Organisation eurer Reise. Wenn ich euch weiterhelfen kann – gern!

[Fotos: privat]

 

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