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Ostern: Lammbraten und Auferstehung

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Ostern – „Ostereier!“, jubelt mein Sohn. „Osterferien!“, juble ich… 

Aber was feiern wir eigentlich, an diesem, laut christlicher Tradition, „höchsten Feiertag“ des Jahres?

Für viele sind die Ostertage inzwischen vor allem eine Auszeit, an der sie mit Familie und Freunden zusammen kommen können, ein Aufatmen nach den langen Wintermonaten, der Frühling zeigt sich mit erster Wärme, lichtgrünem Laub und Blütenknospen. 

Als Kind liebte ich an Ostern das Ostereiersammeln. Wir waren als Familie zusammen, es gab ein wunderschön dekoriertes Frühstück und leckeres Ostergebäck. Mein Sohn erlebt jetzt einmal mit seinem Vater, einmal mit mir und den jeweiligen Großeltern das Osterfest. Alltag im Leben getrennter Eltern. Diesmal werde ich ihn nicht beim Eiersuchen erleben – nächstes Jahr wieder. Ich freue mich dafür auf eine schöne Zeit mit meiner Familie. 

In gewisser Weise lässt mich das an den eigentlichen Anlass des Osterfests denken, jedenfalls, wenn man dem christlichen Glauben vertraut: Ostern, das Fest, an dem wir Christus’ Auferstehung feiern. 

Lang, lang ist es her, seit ich wirklich regelmäßig in die Kirche gegangen bin, aber an die Bibelgeschichte erinnere ich mich noch: Jesus nach der grausamen Kreuzigung zu Grabe getragen, lag dort drei Tage; aber auf einmal war das Grab leer und seine Anhänger erhielten von ihm höchstpersönlich die Botschaft, er sei „auferstanden von den Toten“. Ganz schön mystisch, oder „spooky“, je nach Perspektive. 

Jesus’ Jünger glaubten ihm zuerst übrigens auch nicht. Es brauchte sozusagen „mehrere Anläufe“, bis ihre Herzen sich für die – eigentlich schlichte – Botschaft öffnen konnten: Ich bleibe bei euch, ich habe euch nicht verlassen. Geht, und tragt das hinaus in die Welt: mein (körperlicher) Tod trennt mich nicht endgültig von euch. Das Unrecht, das mir angetan wurde, konnte mir zwar das (körperliche) Leben nehmen, aber mich und das, wofür ich stehe, nicht besiegen.

Während ich mit Erwartung, einem Funken Wehmut, weil mein Sohn nicht bei mir sein wird, aber durchaus auch mit Vorfreude, den Ostertagen entgegensehe, denke ich, in welchem Zusammenhang ich dieses Vertrauen, „nicht allein“, nicht im Stich, gelassen worden zu sein, empfinden kann. 

Eltern, Großeltern, die der Tod uns „genommen“ hat, die in unseren Herzen und den Erzählungen der Lebenden aber noch immer lebendig sind? Gerade an Feiertagen wie Weihnachten oder Ostern denken wir ja oft besonders intensiv an die Lieben, die nicht (mehr) bei uns sein können. 

Verbindungen und Beziehungen, die „gestorben“ sind, von denen wir uns lösen oder sie in neuer Form gestalten müssen?

Letztlich auch die vielen „letzten“ Male des Lebens, die wir oft erst im Rückblick wahrnehmen: Ja, in dieser Runde werden wir nie wieder zusammen sitzen. Dieses Haus bewohnen wir nicht mehr. Diese winzige Jacke wird mein Kind nie wieder tragen. 

Gerade Kinder, übrigens ebenso wie der Frühling und die Natur, zeigen uns aber in aller Deutlichkeit, was wir auch als den tiefen Sinn des Osterfestes erkennen können: nichts bleibt, alles wandelt sich. Dinge enden, wir müssen sie „zu Grabe tragen“, uns von ihnen verabschieden, mit Schmerzen um sie trauern – aber wenn wir unser Vertrauen, letztlich unseren Glauben in etwas, das uns trägt, nicht verlieren, werden wir erleben, was bereits Jesus uns verspricht: dass sich Dinge wandeln, dass Verletzungen heilen und neue Freude entstehen kann. Dass auch ein Ende nicht endgültig sein muss. In der alten Form werden wir nicht wiederbekommen, was uns genommen worden ist, aber wenn wir uns öffnen, wird Neues zu uns kommen. In Form von Erkenntnis, Freude, neuen Beziehungen und Verbindungen. Vor allem aber in Form eines tiefen Vertrauens, dass auch das Schmerzlichste, der Verlust oder Tod eines geliebten Menschen, uns eines nicht nehmen kann: die grundlegende Freude am Leben! 

Meiner Meinung nach drückt das die Parabel der „Auferstehung“ Jesus’ aus. Und in diesem Sinne wünsche ich euch allen ganz herzlich ein schönes Osterfest!

Herzlichen Gruß, Sunnybee

[Foto: Pixabay]

5 Gedanken zu „Ostern: Lammbraten und Auferstehung“

  1. Das hast du ganz wunderbar geschrieben. Die Freude kann uns niemand nehmen und jeder Abschied ist wirklich auch immer ein Öffner. Ich finde es spannend dass sich ständig alles irgendwie verändert und wenn man in dieses Naturgesetz des Wandels vertraut (nicht hadert) erlebt man sein Leben sehr intensiv. So geht es mir zumindest. Dankbar für die Einladung „Willkommen im Leben!“

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Nora,
      danke für deine – ebenfalls klugen – Worte!🙂 Ja, mir geht es auch so, dass ich immer deutlicher wahrnehme, dass gerade „tiefgehende“ Dinge wie seelische Prozesse oder Beziehungskonstellationen oft gerade dann (im positiven Sinn) in Bewegung geraten, wenn ich den aktiven „Änderungswunsch“ loslasse.
      Ist ja eigentlich auch kein Wunder: Druck erzeugt einfach Gegendruck und ich selbst spüre ja auch am meisten Bereitschaft zur Wandlung, wo ich erst einmal einfach sein darf, wie ich bin.
      Vielleicht kann uns in dem Sinn der Ostergedanke die Angst vor dieser Art des Loslassens nehmen. Wandel geschieht sowieso – und ich kann das Vertrauen entwickeln, mit ihm „mitzugehen“, statt – z.B. aus Angst – am Bestehenden festzuhalten.
      Herzlichen Gruß, Sunnybee

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    2. Stell dir vor, die Jünger hätten stur daran festgehalten, Jesus sei tot und der Typ, der behauptete, ihr „auferstandener“ Lehrer zu sein, sei ein Betrüger – sie hätten sich selbst um die Hoffnung gebracht, die letztlich im Glauben liegt.
      Auf das Weltliche bezogen: wenn wir an die Möglichkeit zum Wandel im anderen und in uns selbst glauben, werden wir mit einer ganz anderen Zuversicht und letztlich inneren Stärkung durch’s Leben gehen, als wenn sich unser Blick auf das (noch) „Tote“, Verhärtete, Unerlöste in uns und in unseren Beziehungen richtet.
      Und mit diesem Glauben und Vertrauen kann wirklich Neues und Gutes entstehen!
      Herzlich frohe Ostern, Sunnybee

      Gefällt 2 Personen

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