Krank mit Kind? Ein Resümee

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Wie war das einmal, vor langer Zeit? Krank mit Fieber im Bett liegen und nur ab und zu gefragt werden: „Möchtest du noch einen Tee?“, „Wie geht es dir?“, „Warte, ich mache dir einen Teller mit frischem Obst“?

Krank sein mit (kleinem) Kind ist ein anderes Kaliber. 39 Grad Fieber: wenn du Glück hast, ist Wochenende und der Vater springt ein. Oder die Oma. Oder eine nette Nachbarin. Was du nie wieder hast ist die selige Gewissheit, GAR nichts mehr zu müssen. Einfach nur Kopfschmerzen, Halsschmerzen, Magen-Darm-Infekt auskurieren zu können – so lange, wie es eben braucht, bis du wieder gesund bist. Statt dessen weißt du: spätestens am dritten Tag musst du – Fieber oder nicht – zum Arzt und ein Attest für deinen Arbeitgeber besorgen. Und selbst, wenn du deiner beruflichen Tätigkeit ein paar Tage nicht nachgehst – dein „Job“ zu Hause kennt keine, bzw. so gut wie keine, Krankenzeiten. 

Längerfristig krank sein?

Fieber mit Kleinkind: „Mama, SPIELEN!“ – spätestens nach einer Stunde sind die Ideen für ruhige (!) Spiele im Liegen (!) von der Couch aus dann auch erschöpft. Glücklich also, wer einen Partner, bzw. Ex-Partner hat, der das Kind für 2-3 Tage klaglos und die komplette Zeit über betreut. Glück auch, wenn ihn noch eine dritte Person (nette Nachbarin, Oma oder Opa) dabei entlasten kann. Das Glück haben viele – und erst recht viele komplett Alleinerziehende – gar nicht. 

Trotzdem bleibt es auch bei solch eigentlich günstigen Umständen dabei: länger als maximal vier, fünf Tage darfst du als Mutter nicht ausfallen, darfst du nicht ernsthaft krank sein – sonst gerät das ganze Gebilde aus Absprachen, Verpflichtungen und Verantwortlichkeiten, aus dem dein Leben besteht, gefährlich ins Wanken. Berufstätig Mutter eines Kleinkinds zu sein ist auch so bereits ein Spagat, der im Alltag oft nur mit einer Menge mauer Kompromisse zu bewältigen ist. Nein, es ist nicht schön, sein Kind weinend im Kindergarten zurückzulassen, weil es an diesem Morgen schlicht mehr Mama bräuchte, Mama aber jetzt und sofort weiter zur Arbeit muss. Nein, es ist nicht schön, abends gereizt und übermüdet Kind oder Partner anzupflaumen und den Frust wegen einer beruflichen Besprechung bei ihnen abzuladen. Nein, es ist auch nicht schön, sich für die Arbeit perfekt vorbereitet zu haben und dann hat das Kind Fieber und Mama muss zuhause bleiben. Und noch doofer ist es, wenn am Ende die Dinge nicht mehr möglich sind, die einem wirklich Spaß machen, weil man – nach stressigen Wochen – einfach selbst krank wird. 

Krankheit als (Warn-) Signal

„Krankheit macht ehrlich.“ Der Meinung ist zumindest der Alternativmediziner und Autor Rüdiger Dahlke. Du brichst dir, über die Kloschüssel gebeugt, die Seele aus dem Leib? Was gerade an deinem Leben ist „zum Kotzen“? Du fieberst und dir platzt schier der Kopf vor Schmerzen? Gibt es einen (inneren) Konflikt, den du trotz allen Kopfzerbrechens nicht lösen kannst? 

Natürlich haben Grippe und Co häufig ganz „handfeste“ Ursachen. Schließlich bist du als Mutter oder Vater im Alltag genügend Viren und Bakterien ausgesetzt, schläfst oft zu wenig, erlebst viele Momente, die stressig sind. Dennoch lohnt sich meiner Meinung nach der Blick auf deine Krankheit auch als das, was sie eben auch ist: Warn- und Signalgeber. Es reicht. Es wird dir zuviel. Rien ne va plus. 

Wenn du fiebernd, mit Matschbirne im Bett liegst, kannst du erleben, wer dich (er-) trägt, mit all deiner Schwäche und Bedürftigkeit. Du kannst auch erleben, wie gut du dich selbst erträgst, sobald du einmal aus der Rolle der souveränen, leistungsstarken Managerin deines Lebens fällst.

Was brauchst du, wenn du krank bist?

Was brauchst du in solchen Momenten? Menschen, die dir ganz konkret und verlässlich ihre Hilfe anbieten? „Ich passe zwei Tage auf dein Kind mit auf.“ „Ich hole deinen Sohn vom Kindergarten ab und bringe ihn zu dir.“ „Ich habe Gemüsesuppe gekocht, magst du einen Teller?“ Oder vielmehr die seelische „Nahrung“? Die warmherzige Nachfrage, auch am dritten, vierten Tag noch: „Wie geht es dir?“ „Kann ich etwas für dich tun?“. Das Angebot: „Ich bin da, wenn du mich brauchst“?

Mich selbst hat vor kurzem eine heftige Grippe erwischt. Letztlich nichts Dramatisches und doch haben mir die vier Tage, ausgeknockt mit Fieber im Bett, doch deutlich gezeigt, was ich wirklich brauche. Neben der praktischen Unterstützung, die mein Ex-Partner mir zumindest einige Tage lang geben konnte, indem er unseren Sohn allein betreut hat, nämlich auch die Wärme echten Mitgefühls, einfach die Erfahrung: da interessieren sich Menschen, die mir nahe stehen, für mich, gerade auch, wenn ich körperlich und seelisch geschwächt bin.

Ich merke, dass ich nicht die Erwartung haben darf, dieses Mitgefühl wie selbstverständlich zu bekommen – dass ich andererseits aber auch aktiv darum bitten darf: „Können wir reden?“ „Kommst du vorbei?“ „Kannst du mir einfach zuhören, jetzt, wo es mir gerade nicht gut geht?“ Ich kann noch viel mehr zeigen, dass ich mir genau diese Unterstützung wünsche und dass ich sie auch brauche. Ich habe keine „Garantie“ dafür, dass ich sie bekomme. Aber fragen kann ich. Und ich muss es auch, damit ich langfristig gesund bleibe.

Wie geht unsere Gesellschaft mit Schwäche um?

Krank sein mit (kleinem) Kind ist kein Zuckerschlecken. Abgesehen davon, dass man innerhalb kürzester Zeit verstörend elend aussehen und sich entsprechend fühlen kann, passt Krankheit nicht in eine Gesellschaft, die vom gesunden, starken, leistungsfähigen Menschen ausgeht. Eine simple Grippe kann uns in kürzester Zeit „auf die andere Seite“ katapultieren. Dort, wo die Bedürftigen, Geschwächten, Wehrlosen stehen. Mit einer Grippe ist das Ganze meist auf eine, maximal zwei, Wochen beschränkt. Trotzdem reicht das meiner Meinung nach, um den Blick zu schärfen für die folgenden Fragen:

  • Wer ist da, wenn es mir schlecht geht?
  • Wer bin ich ohne die Fähigkeit, Leistung zu erbringen?
  • Läuft mein Leben im Notfall auch ohne mich?

Große Fragen, die man sich sicher nicht mit Bronchitis und Fieber stellen sollte. Aber durchaus Fragen, die es wert sind, sie sich zu stellen, wenn wir – hoffentlich bald – wieder gesund sind. Schlicht, um beim nächsten Mal, mit Halskratzen, Kopf- und Gliederschmerzen nicht zuerst und vor allem vor einer Sache Angst zu haben: überhaupt und ernsthaft krank zu werden. 

Herzliche, nachdenkliche Grüße, Sunnybee

[Foto: Pixabay]

5 Kommentare zu „Krank mit Kind? Ein Resümee

  1. Mein Netz ist gar nicht sooo schlecht und dank Pflegegrad kann ich Extrababysitter in Krankheitsfall sogar über die Verhinderungspflege bezahlen …
    aber meine beiden Fundevögel reagieren psychisch so extrem auf Schwächeln meinerseits, dass mir jede Stunde externer Betreuung hinterher doppelt auf die Füße fällt. Mein Kranksein verunsichert sie und sie brauchen mich mehr denn je.
    Das große Kind hat seine leibliche Mutter in sehr, sehr schlechter Verfassung erlebt, hat in solchen Zeiten gehungert, ist nicht gewickelt worden etc und ist dann immer sehr angetriggert. Gut, inzwischen ist sie groß und sitzt sowieso am liebsten mit ihrem Handy im Zimmer und sie ist auch sehr hilfsbereit, aber früher war es ein Albtraum.
    Dem Kleinen ist ohnehin jedes Abweichen vom Alltag zuviel und er reagiert, wie er auf jede Belastung reagiert, sehr laut, sehr zerstörerisch, also genau das was man mit Fieber braucht.
    Meine Rettung in solchen Situation sind mein erwachsener Sohn, Essenslieferdienste, zusammen in der warmen Badewanne sitzen und auch alle „elektrischen“ Babysitter, ob Hörspiel, YouTube Filmchen oder was auch immer..
    Da der Kleine sowas sonst aus Prinzip nicht darf, kriegt mein Kranksein so einen gewissen Reiz.
    „Richtig“ krank werden ist mein größter Albtraum.

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    1. Ach, danke für deinen persönlichen, ehrlichen Kommentar! Soviel dazu nur im Moment, denn direkt nach mir sind jetzt mein Sohn UND sein Papa krank geworden und wer betreut unseren Sohn jetzt 12h am Tag, da er nicht in den Kindergarten kann (plus in den, infektbedingt äußerst unruhigen, Nächten)? Klar, ich… habe jetzt ja kein Fieber mehr und bin also wieder fit… 1-2h pro Tag frage ich gute Freunde oder eine liebe Nachbarin (Großeltern wohnen leider alle nicht in der Nähe) – aber das ist mehr ein Luftholen als wirkliches Erholen!
      Herzlichen Gruß aus dem Lazarett😉, Sunnybee

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  2. Ich kann leider nicht physisch unterstützen aber ich nehme Anteil an Deiner Situation und möchte meinem Mitgefühl Ausdruck verleihen. Solche Situationen können durch die zusätzliche Verantwortung sehr belastend sein. Wünsche Dir und Deiner Familie gute Genesung.

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    1. Hey, Tilman, deine Worte freuen mich sehr! Ich bin gerade ganz überrascht und gerührt!🙂 Du wohnst mit deiner Familie weit weg vom Rheinland, oder? Sonst könnten wir uns ja tatsächlich mal persönlich grüßen – wenn auch vielleicht nicht direkt zum Krankenbesuch…😉 Herzlichen Gruß, Sunnybee

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