Kater Carter fährt zum Nordpol

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In Träumen steht das Unglaubliche oft wie selbstverständlich neben dem Alltäglichen. In diesem Buch auch.

„Draußen schien die Sonne, und es war heiß. Alle Katzen trugen leichte Sommersachen, jagten Schmetterlinge oder rollten im Gras. Nur Kater Carter blieb im Haus und strickte etwas Warmes, denn er bereitete sich auf ein neues Abenteuer vor.“

Ein Kater, der einen Wollpullover strickt, ein Haus, in dem die Temperaturen von Etage zu Etage, die die Protagonisten erklimmen, frostiger werden – 

„Die Fenster auf dem Treppenabsatz waren vereist, und von der Decke hingen lange Eiszapfen wie Zähne herab. Der Boden der Halle war schneebedeckt. Kater Carter schnallte sich seine Tischtennisschläger-Schneeschuhe an die Hinterpfoten.“

Illustrationen in kohlestiftfarbenem Grau, die keinen Anspruch erheben, gefällig zu sein. Vielmehr wecken sie den Eindruck einer prachtvollen und zugleich seltsam unbelebten Welt, die Kater Carter und seine (Menschen-) Freundin Maria mit Entschlossenheit durchschreiten.

Schlittschuhlaufen auf dem Arktischen Meer

Dabei muss Kater Carter den Mut finden, das letzte Stück zum Nordpol, seinem Ziel, ganz allein zu gehen. Als er dieses erreicht, dreht er jubelnd auf Schlittschuhkufen Runden auf der vereisten See, entdeckt dann ein verlassenes, zwischen Eisschollen feststeckendes Segelschiff, das „Katzenschiff“, und liest eine Nachricht, die sein Onkel, „Kapitän Roy“, dort für ihn hinterlassen hat. Diesem scheint bereits vor Verlassen des Schiffs klar gewesen zu sein, dass sein Neffe seine Botschaft entdecken würde. Maria stößt wieder zu Carter, verspricht, ihn auf ihrem Schlitten nach Hause zu bringen, Kater Carter schlummert vertrauensvoll ein – und findet sich zu Marias Füßen auf deren Chaisselonge, im nun eisfreien Salon ihres Hauses, wieder…

Die Erzählung endet so unvermittelt, wie sie begann, viele Frage offen, Kater Carter ganz geborgen und zugleich nur eine Schnauzenspitze entfernt von seinem nächsten Abenteuer: 

„Er hatte einen schönen Traum gehabt: von einer Reise, die er zusammen mit Maria und Onkel Roy machte, um rechtzeitig zur Eisschmelze das „Katzenschiff“ zu erreichen. Er schloss seine Augen. Er hoffte, es wäre bald soweit.“

Kopfschüttelnd, bezaubert und ein wenig perplex, lege ich dieses „Kinder“-Buch zur Seite. Träume bemühen sich nicht, „kindgerecht“ zu sein, dieses Buch ebenfalls nicht. Das macht es zu einem echten Fundstück. 

Tim Wynne-Jones und Eric Beddows: Kater Carter fährt zum Nordpol. Jacoby&Stuart. 

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