
Ich war live dabei. Bei der großen Demo der Kampagne #Hunderttausendmütter in Berlin. Mitten unter rund 1000 Müttern, Vätern, Kindern und weiteren Unterstützer:innen, die dieses Jahr am 10.5., einen Tag vor Muttertag, auf die Straße gegangen sind.
✅ Für Gleichstellung
✅ Für Sichtbarkeit
✅ Für gleichberechtigte Teilhabe in allen gesellschaftlichen Bereichen
Meine Eindrücke heute, zwei Tage später:
- Es war eine unglaubliche Energie zu spüren, dort auf der Straße. Und Fröhlichkeit, Entschlossenheit. „Wir sind Mütter, wir sind laut!“ skandierten die Menschen während der Demo. Es war spürbar: Diejenigen, die da waren, meinten das ernst. Das war kraftvoll. Mutmachend. Ich bin froh, live dabei gewesen zu sein!
- Die Vielfalt der Mütter und Menschen auf der Straße machte mir ebenfalls Mut. Mütter mit behinderten Kindern, alte und junge Menschen, Väter, Menschen mit Migrationshintergrund.




- Großartig war auch, dass nach der Veranstaltung die Tagesschau online darüber berichtete und unsere Kernforderungen nannte. Ebenso wie rbb, der Tagesspiegel, ARTE, der Freitag. Das ist für eine so junge Initiative wie #Hunderttausendmütter ein enormer Erfolg.


- Was aber auch eine Tatsache war: Wir wurden im Verlauf der Kampagne im Netz massiv angefeindet. Ausgerechnet von anderen Frauen und Müttern. Die darauf herumhackten, dass wir uns als Initiative zeigen, die die Vielfalt des Mutterseins sichtbar machen will. Mütter mit und ohne Migrationshintergrund. Mütter in queeren Familien, auch Mütter, die als Adoptiv-, Pflegemütter oder Wahlverwandte für ihre Kinder soziale Mutterschaft übernehmen. Ohne hier näher darauf eingehen zu wollen: Es sind ideologische Grabenkämpfe, die an dieser Stelle Mütter und Menschen voneinander fern halten, die eigentlich miteinander laut werden müssten. Ein Grundproblem feministischer Bewegungen: Frauen streiten sich – und letztlich profitieren davon die echten Frauenfeinde.
- Es ist auch eine Tatsache, dass wir aufgrund einer kurzfristigen Absage der Stadtverwaltung, nicht, wie ursprünglich geplant, vor dem Brandenburger Tor demonstrieren durften, mitten unter den Menschen, sondern schön außerhalb, auf einer Wiese vor dem Reichstag, im „befriedeten“ und damit weitgehend menschenleeren, Regierungsbezirk der Stadt. Da standen wir dann. Laut, sichtbar – aber irgendwie doch ungehört. Und JA, auch das war spürbar.
- Und JA, ich empfinde es auch als bezeichnend, dass buchstäblich KEIN:E Vertreter:in der Bundesregierung bereit war, öffentlich und symbolisch unsere Forderungen, die mehr als 50 Verbände, Initiativen und Einzelpersonen gemeinsam formuliert hatten, in Empfang zu nehmen. Wir standen vor dem Reichstagsgebäude. Aber die Politiker:innen, die wir erreichen wollen, interessierte das offenbar nicht.
- Und JA, es macht mich auch traurig, dass es letztlich „nur“ rund 1000 Mütter und Menschen mit Careverantwortung auf der Straße waren. Manche hatten – trotz viel Werbung – wohl gar nichts von der Veranstaltung erfahren. Viele hatten nicht kommen können, weil niemand währenddessen die Carearbeit für sie übernahm. Für viele war der Anlass wohl auch nicht wichtig genug, um dafür die Reise nach Berlin auf sich zu nehmen.
- Und JA, große Eltern-Influencerinnen und Aktivistinnen, die sogar auf der Demo mitliefen und ihre Banner in die Kameras hielten, waren im Vorfeld auffallend zurückhaltend, als wir sie baten, die Kampagne zu unterstützen und unter Eltern für noch mehr Öffentlichkeit zu sorgen. Auch das ist leider eine Tatsache: Solange viele tolle Frauen vor allem ihre jeweils eigenen Projekte im Blick haben, wird sich im Großen einfach wenig bewegen. Echte Solidarität unter Frauen ist möglich. Aber sie ist keine Selbstverständlichkeit.
Damit ziehe ich ein erstes – gemischtes – Fazit:
✅ Es war ein großartiger Auftakt. Es waren – für mich – viele reale, herzwärmende Begegnungen mit Menschen, die sich wirklich aus Überzeugung für Mütter und Menschen mit Careverantwortung einsetzen.
✅ Da auf der Straße waren außerdem genau die Mütter und Menschen, für die ich meine Bücher schreibe, die ich ermutigen möchte, mit denen ich Seite an Seite laufen möchte. Ich bin ja selbst Mutter. Ich bin alleinerziehend. Ich weiß, was es heißt, im Alltag oft allein Kinder, Beruf und gesellschaftliches Engagement schultern zu müssen. Umso stärkender war die Gemeinschaft dort auf der Straße auch für mich. Das gemeinsame Wollen, das unter den Anwesenden an diesem Tag spürbar war!
✅ Und damit JA: Wir haben (mediale) Öffentlichkeit geschaffen für unsere Themen. Das ist ein großer Erfolg!
✅ Und JA, die Vernetzung zwischen Verbänden, Initiativen und einflussreichen Einzelpersonen, die sich jetzt schon aus der Kampagne ergeben hat, ist wirklich vielversprechend. Damit werden wir weiter daran arbeiten, unsere Forderungen in die politischen Gremien zu tragen. Um konkrete Entscheidungen zugunsten von Müttern und Menschen mit Careverantwortung zu bewirken.
❌ Aber auch JA: Wir waren noch nicht genug. Die Mütter und Menschen mit Careverantwortung, für die wir sprechen, konnten wir (noch) nicht im wirklich großen Stil mobilisieren.
❌ Und JA: Die Politiker:innen, die wir erreichen wollen, können uns – auch deswegen – öffentlich weiter ignorieren.
Das erklärte erste Ziel der Kampagne, nämlich Öffentlichkeit zu schaffen, Themen zu besetzen, zu zeigen: Wir sind als Mütter vielfältig – und solidarisch, haben wir erreicht. Mit uns könnt ihr rechnen! Ich denke, das wurde an diesem Tag klar.
Was weiterhin fehlt: Dass sich Mütter und Menschen mit Careverantwortung wirklich im großen Stil selbst ernst genug nehmen, um wirklich laut zu werden. Und dass – verdammt nochmal – die von uns gewählten politischen Vertreter:innen signalisieren: Wir WOLLEN euch auch hören!
Es bleibt genug zu tun. Auch das hat dieser Tag gezeigt: Ein erster Höhepunkt, ein erster Teilerfolg. Aber noch längst nicht genug.
#Hunderttausendmütter – Wir bleiben dran! www.hunderttausendmuetter.de
Die Autorin ist freie Journalistin, Autorin für Familien- und Gesellschaftsthemen sowie Mutter eines Kindergarten- und eines Grundschulkindes.
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[Fotos: privat]

Danke für deinen tollen Beitrag zu der Aktion und diesen Text!
Sehr schade, dass die Veranstaltung örtlich so an den Rand gedrängt wurde – das „passt“ ja ganz zur Gruppe der Care-Arbeitenden, deren Arbeit so oft unsichtbar gemacht wird und die „nichts wert“ ist im Sinne fairer finanzieller Entlohnung…
Ein wichtiger Anfang ist getan – ich hoffe, es geht kraftvoll weiter!
♥️💪🏾💪🏼💪🏿♥️
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Danke für deinen Kommentar! Ja, im Rahmen der Kampagne sind großartige Kontakte und Verbindungen engagierter Menschen, Initiativen und Verbände entstanden. Über die nächsten Wochen und Monate wird sich zeigen, wie diese genutzt werden können.
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