
Heute ist Bundestagswahl. Die Ergebnisse stehen noch nicht fest. Was aber bereits jetzt klar ist: Die Themen Familie, Frauen und Gleichberechtigung haben in diesem Wahlkampf eine viel zu kleine Rolle gespielt. Das zeigt einmal mehr: Für echte Vielfalt in Bezug auf politische Themen braucht es Vielfalt ihrer politischen Vertreter:innen. Die ist in deutschen Räten und Parlamenten aber noch lange nicht gegeben. Daher an dieser Stelle meine Empfehlung für zwei spannende Neuerscheinungen: „Zu anders für die Macht?“ und „Mütter in die Politik!“
Zu anders für die Macht? Wie mutige Frauen für Gleichberechtigung in der Politik kämpfen

Dieses Buch zeigt vor allem eins: Auf wie unterschiedliche Weise politisches Engagement möglich ist. Die in diesem Buch versammelten Gastautorinnen schreiben als schwarze Frau, Mutter, Trans-Frau oder Frau mit Behinderung darüber, wie sie mit Rassismus, Sexismus und Diskriminierung unterschiedlichster Weise konfrontiert wurden, was es aber auch braucht, um als „die Andere“ in der Politik Fuß zu fassen und zu bestehen. Zu den Gastautorinnen gehören Politikerinnen wie Prof. Dr. Rita Süssmuth oder Henriette Reker, die bereits seit Jahrzehnten politisch aktiv sind, aber auch Frauen wie Onyeka Oshionwu, ehrenamtliche Bürgermeisterin in Göttingen, Eileen O’Sullivan oder auch Heike Heubach, die noch ganz am Anfang ihrer politischen Karriere stehen.
Dabei beschränken sich die Beiträge nicht auf die klassische Parteipolitik. Zwar sind oder waren die meisten Gastautorinnen innerhalb einer politischen Partei aktiv, aber es kommen auch Künstlerinnen wie Jessy James LaFleur oder Aktivistinnen wie die Journalistin und Autorin Sarah Zöllner zu Wort. Die Herausgeberinnen des Buches, Cécile Weidhofer, Stefanie Lohaus und Tannaz Falaknaz von der EAF Berlin bestätigen, dass ihnen besonders die Diversität der Stimmen und Meinungen in diesem Sammelband ein Anliegen waren.
Die Politik ist oft von Konformität geprägt, doch gerade die „Andersartigkeit“ ist es, die sie bereichern kann. […] Die Frauen, die in diesem Sammelband zu Wort kommen, sind von ihren Werten und Vorstellungen unterschiedlicher, als es auf den ersten Blick erscheint. Doch was sie eint, ist, dass sie zur politischen Vielfalt beitragen. Alle auf ihre eigene Art und Weise. (Die Herausgeberinnen)
Mein Fazit: Ein sehr lesenswertes Buch, um die Vielfalt politischer Perspektiven kennen zu lernen und ihre Bedeutung für eine wirklich repräsentative Demokratie zu verstehen.
Mütter in die Politik! Wie der Einstieg in die (Kommunal-)Politik gelingt

Das neue Buch von Autorin und Journalistin Sarah Zöllner greift die Frage auf, wie speziell Mütter den Weg in die Politik finden und sich dort behaupten. Es schließt damit eine Marktlücke. Eine entsprechende Publikation in Buchform gibt es bisher nicht auf dem deutschen Markt.
Stärke dieses Buches sind die 21 Interviews mit politisch engagierten Frauen, die innerhalb der Parteipolitik, aber auch überparteilich in Stiftungen, Gewerkschaften, NGOs oder als Aktivistin tätig sind. Die Protokolle machen deutlich: Als Mutter politisch aktiv zu werden und zu bleiben, kann herausfordernd sein. Unsere Gesellschaft aktiv mitzugestalten fühlt sich aber auch sinnvoll an und macht oft richtig Spaß!
Jungen Frauen, die mit dem Gedanken spielen, in die Politik zu gehen, würde ich immer raten: „Macht es einfach! Die Gesellschaft braucht uns mit unserer Perspektive. Du kannst dein Kind und deinen Job lieben. Also geh in die Politik, engagiere dich. Nach und nach werden sich Lösungen finden. Das kalte Wasser wird nicht wärmer, wenn man länger wartet, bis man springt! (Katharina Schulze, Fraktionsvorsitzende Bündnis90/Die Grünen Bayern)
Neben den Gesprächen greift „Mütter in die Politik!“ klassische Fragen auf, die Frauen beschäftigen, die mit (kleinem) Kind den Weg in die Politik gehen wollen: Das Sachbuch thematisiert die persönliche politische Vision, das effektive Nutzen von Ressourcen, erfolgreiches Netzwerken und auch den Umgang mit kritischen Situationen, wie zum Beispiel Anfeindungen im Wahlkampf oder sexistischen Beleidigungen in der politischen Debatte.
Zusätzlich analysiert das Sachbuch, warum Mütter einerseits noch immer so wenig in der Politik vertreten sind und welche Rahmenbedingungen sie für ihr politisches Engagement bräuchten, gibt andererseits aber auch konkrete Hinweise, wie politisches Engagement in- und außerhalb der Parteipolitik möglich ist und warum Mütter für die Politik in vielerlei Hinsicht ein Gewinn sind.
Mein Fazit: Ein mutmachendes, praxisnahes „Best-Practice-Buch“ mit vielen hilfreichen Impulsen für (junge) Frauen, die mit Kind politisch aktiv werden wollen. Darüber hinaus bietet das Sachbuch eine scharfsinnige Analyse, warum auch heute noch so wenige Frauen und vor allem Müttern der Schritt in die Politik gelingt – und wie sich das ändern lässt.
Hier könnt ihr die Bücher bestellen:
Mütter in die Politik! Ulrike-Helmer-Verlag (2025) ISBN 978-3-897-41497-6, 20 Euro
Zu anders für die Macht? Herder Verlag (2025) ISBN 978-3-451-39136-1, 22 Euro.
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[Fotos: privat]
