
Zum Tag der Menstruation am 28.05.2024
Periodenblut ist blau (sagt die Werbung für Tampons noch immer), irgendwie sexy und unorthodox, sagen Menstruations-Cup-Hersteller:innen, die ihre Produkte mit Pop-Art-Bildchen bewerben; provokant, sagen feministische Aktivist:innen; ein Geschäft, sagt der deutsche Gesetzgeber, der Slipeinlagen und Tampons erst seit Anfang 2020 nicht mehr als Luxusartikel einstuft und mit 19% Mehrwertsteuer versieht.
Zwischen Tabu und Überhöhung
Drei bis sieben Tage lang dauert unsere monatliche Blutung, mit neun bis 12 Jahren greifen Mädchen durchschnittlich zum ersten Mal zu Tampon, Slipeinlage und Co – und danach noch etwa 300-500 Mal, rein rechnerisch, in einem rund 30-40 Jahre umfassenden Zeitraum als „fruchtbare Frau“.
Denn Zeichen unserer Fruchtbarkeit ist sie tatsächlich, die Menstruation. Auch wenn die Blutung selbst anzeigt, dass im vorangegangenen Zyklus keine Einnistung eines Eis in der Gebärmutter stattgefunden hat. Alles auf Start sozusagen – jeden Monat wieder ein (blutiger) Neuanfang.
Ein Zeichen unserer Stärke könnte sie auch sein. Wir Frauen sind de facto Schöpferinnen neuen Lebens und jede (leibliche) Mutter weiß, wie es sich anfühlt, dieses Leben neun Monate lang in sich heranwachsen zu fühlen und am Ende, oft unter Schmerzen, herauszupressen.
Kleiner Sidekick: „Verdammte Schei*e“, gesungenes Kleinod der wunderbaren Guilia Becker.
Zugleich verstecken wir die monatliche Erinnerung an unsere ur-weibliche Potenz verschämt hinter nüchternen bis schüchternen Worten – meine „Regel“, die „Periode“, meine „Tage“, die „Mens“, oder gar mein „monatliches Unwohlsein“ – und lassen den physischen Beweis unseres Frau-Seins in Tampons und Slipeinlagen versickern.
Ich bin mehr als mein Körper
Hier höre ich schon die ein oder andere Geschlechtsgenossin zischen: „Ich bin als Frau doch mehr als mein Körper!“ Ebenso wie ich als Mann natürlich auch nicht auf meine Zeugungsfähigkeit reduziert werden möchte. Oder?
Und natürlich bin ich als Frau mehr als meine Physis. Aber mein Körper ist eben ein Teil von mir. Kraftvoll, schöpfend – und zugleich für nicht wenige von uns Monat für Monat mit Scham besetzt, schmerzvoll oder sogar quälend. Vom Prämenstruellem Syndrom (PMS) bis hin zu massiven Krämpfen während der Monatsblutung, kämpfen viele Frauen darum, ihren Körper einfach nur anzunehmen.
Unrein während der Tage?
Auch die soziale Ächtung, der sich Frauen, besonders in patriarchal geprägten Kulturen, während ihrer Regel ausgesetzt sehen, macht es für viele nicht leicht, ihre Monatsblutung positiv wahrzunehmen. „Hast du deine Regel?!“ Der westliche Machospruch drückt, wie das rituelle Reinigungsbad in der jüdischen Mikwe nach der Periode, letztlich dieselbe Haltung aus: Während der Menstruation ist die Frau irgendwie „unrein“, irrational und nicht ganz „bei sich“.
Keine große Sache, die Regel?
Gleichzeitig wird uns – zumindest in der westlichen Welt – signalisiert: „Ne, keine große Sache, die Regel!“ Lieber werfen wir Johanniskrautkapseln ein und ignorieren Stimmungsschwankungen vor der Periode oder betäuben körperliche Beschwerden während unserer Regel mit Schmerztabletten. Lieber stopfen wir uns Watte zwischen die Beine oder unterdrücken die „Tage“ im Rahmen der Empfängnisverhütung gleich ganz, statt uns einzugestehen, dass wir eben nicht jeden Tag im Monat gleichförmig „funktionieren“.
LESETIPP: Wie die Wertschätzung unseres Frauseins in Bezug auf unsere Monatsblutung aussehen kann, zeigen zum Beispiel die Bücher „Sei stolz, eine Frau zu sein“ und „Dringend rotwendig“. Weitere Buchtipps zum Thema findet ihr hier.
Zwischen Staunen und Schulterzucken
Ich persönlich schwanke in meiner Haltung, ehrlich gesagt, zwischen beeindrucktem Staunen und gelassenem Schulterzucken. Einerseits ist die Menstruation jeden Monat tatsächlich ein blutiges, und damit durchaus eindrucksvolles, Ereignis, andererseits ist sie mir aber auch vertraut und ich freue mich manchmal fast auf sie. Weil ich mit ihr den Neubeginn spüre, den sie jeden Monat mit sich bringt und die ganze besondere Kraft, die in ihr liegt.
Und du: Schon mal über deine Menstruation und ihre – auch gesellschaftliche – Bedeutung nachgedacht? Ich bin, wie immer, gespannt auf eure Kommentare!
Herzlichen Gruß, Sarah Zöllner (mutter-und-sohn.blog)
Die Autorin ist freie Journalistin, Autorin für Familien- und Gesellschaftsthemen sowie Mutter eines Kindergarten- und eines Grundschulkindes.
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[Foto: The Female Company]

Ist zwar, wie du richtig sagst, ein Zeichen weiblicher Stärke, aber nur einer einzigen: der Fruchtbarkeit. Wir sollten unseren Körper zwar schätzen und gesund erhalten, doch sollte er uns nicht als unser Höchstes und unser Abgott erscheinen. Er ist unser verletzlichster und vergänglichster Teil. Und Frauen sind nicht nur die mit Periode und die Fruchtbaren, sondern auch die Jüngeren, die Älteren, die Kranken, die freiwillig und unfreiwillig Kinderlosen. Liebe Grüße von Amanita
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Ja, absolut richtig. Mir ging es mit dem Text auch darum, zu zeigen, unter wie vielen unterschiedlichen Gesichtspunkten die Monatsblutung betrachtet wird und dass unsere Kultur eben weit mehr aus ihr macht als einen „neutralen“ körperlichen Vorgang – und das eben, weil mit ihr das Frausein an sich assoziiert wird. Wobei, wie du richtig sagst, längst nicht jede Frau monatlich blutet. Danke auch nochmal für diesen Hinweis.
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Das Bild ist genial 🙈🙈🙈
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😂 Definitiv!
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