Gesellschaft, Politik

#GesichtstattBeine – Wie uns beeinflusst, was wir täglich sehen

Junge Frau mit Wischmopp und Sprühflasche schaut in die Kamera


Frauen sind fürsorglich, sexy und ihr Bereich ist die Familie. Männer können sich durchsetzen, ihr Metier ist der Beruf. Klischee aus der 1950er-Jahre-Mottenkiste? Nicht, wenn frau sich die Ergebnisse der Stichwortsuche in einem Portal für kostenlos abrufbare Bilder ansieht. Viel Spaß beim Staunen. Und jaaa – wir schreiben das Jahr 2024!

Frauen und Beruf – Eine schwierige Kombi?

Ich gebe versuchsweise „Frau und Aktenkoffer“ ein. Die Kombination ist dem Bildportal offenbar ein Mysterium. „Mann und Aktenkoffer“ dagegen bilderreiche Normalität.

Suchergebnis „Frau – Aktenkoffer“

Suchergebnis Frau - Aktenkoffer: 0 Treffer


Suchergebnis „Mann – Aktenkoffer“

Suchergebnis Mann - Aktenkoffer: 63.825 Treffer

Männer und Frauen im Beruf

„Mann und Beruf“ und „Frau und Beruf“ dagegen sind auf den ersten Blick fast gleichauf: 365 vs 340 Ergebnisse. Den Unterschied machen im Anschluss die ausgespuckten Bilder…

Suchergebnis „Frau – Beruf“

Frau mit Putzzeug und Krankenschwester


Suchergebnis Mann – Beruf“

Mann am Laptop, bzw. am Schreibtisch


Klar, die besorgte Krankenschwester darf nicht fehlen – direkt neben der lasziv schauenden Reinigungsfachkraft. Immerhin bringen die beiden Farbe ins Spiel – anders als die doch recht grauen Herren am PC.

Bauch, Beine, Po – Was Frauen können?

Weiter geht’s: Ich mache mich auf die Suche nach den Qualitäten jenseits der Arbeitswelt… Ganz klar: „Frau und sexy“ schlägt „Mann und sexy“ um Längen.

Suchergebnis „Frau – sexy“

Frau - sexy: 12966 Treffer


Suchergebnis „Mann – sexy“

Mann - Sexy: 743 Treffer


Trauriger Fakt: Auch seriöse Medien sehen Frauen offenbar vor allem als „Mensch mit Körper“. Das zumindest lassen Bebilderungen wie diese vermuten:

Bild weiblicher Beine als Illustration für „Frauen in der Top-Etage“ (SZ-Artikel)

Weibliche Beine in roten Pumps als Illustration für den Weltfrauentag (BR/ARD)


Küche

Zurück zum Suchportal: Sexy und gut am Herd, so sieht die Bilderplattform die weibliche Bevölkerung. „Frau und Küche“ schlägt die Kombi „Mann und Küche“ bei weitem.

Suchergebnis „Frau – Küche“


Suchergebnis „Mann – Küche“

Suchergebnis „Frau – Familie“

„Frau und Familie“ übertrifft die Suchkombi „Mann und Familie“ ebenfalls (für erstere immerhin rund doppelt so viele Treffer).


Suchergebnis „Mann – Familie“


Mein Fazit: Zwischen Lachen und Verzweiflung

Was ich dazu sage? Nein, nein, nein? Versuchsweise gebe ich das kleine Wörtchen „nein“ ein. Die Ergebnisse zu „Frau und nein“ erschrecken mich doch etwas: Was wohl der Totenkopf (Bild 2) als einer der Top-Treffer bedeutet? Frauen, die Nein sagen, sind so gut wie tot? Auch die weiteren Bilder lassen nichts Gutes ahnen: Frauen, die nein sagen, sind innerlich zerrissen (Bild 3) – oder angestrengt mit steiler Falte auf der Stirn (Bild 4)?

Suchergebnis „Frau – Nein“

Suchergebnis „Mann – Nein“

Im Vergleich: „Mann und Nein“: Wenn er nein sagt, dann entweder als blasierter Geldgeber – oder aber, weil ihm das Geld ausgeht?


Bilder beeinflussen unsere Wahrnehmung und damit die Realität

Bilder beeinflussen unsere Wahrnehmung, unser Handeln – und damit letztlich die Realität. Alltagssexismus wird dadurch zementiert, oft schon im Kindes- und Jugendalter. Wollen wir eine Welt, in der Frauen mehr erlaubt ist, als ihren Körper zu zeigen (oder zu verstecken), sexy oder keusch und möglichst angepasst zu sein, dürfen wir als einen der ersten Schritte anfangen, die Bilder zu hinterfragen, die wir im Alltag für Männer und Frauen verwenden.

Gegen Klischees in Wort und Bild?

Du willst aktiv werden?

  • Einmal im Jahr vergibt der Verein klische*esc den Goldenen Zaunpfahl für sexistische Werbung. Hier könnt ihr online eigene „Fundstücke“ einreichen.
  • Tipps zur Vermeidung stereotyper Männer- und Frauenbilder in Familie und Bildung findet ihr auf der Seite rosa-hellblau-falle.de.
  • Unter dem Hashtag #GesichtstattBeine wehren sich Frauen (und Männer) in den sozialen Netzwerken gegen geschlechterstereotype und sexistische Berichterstattung. Spannende Aufklärung dazu bietet zum Beispiel die Seite @bildermaechtig.de auf Instagram.

Welche Männer- und Frauenbilder sind euch zuletzt positiv aufgefallen? Und welche haben euch den Kopf schütteln lassen? Schreibt es in die Kommentare!

Herzlichen Gruß, Sarah Zöllner (mutter-und-sohn.blog)

Die Autorin ist freie Journalistin, Autorin für Familien- und Gesellschaftsthemen sowie Mutter eines Kindergarten- und eines Grundschulkindes.

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Ich freue mich auf dich!

[Fotos: Pixabay, SZ Online/dpa, ARD Audiothek/BR24]

2 Gedanken zu „#GesichtstattBeine – Wie uns beeinflusst, was wir täglich sehen“

  1. Liebe Sarah, vielen Dank für den Beitrag, in dem du dich der „Bildsprache“ widmest! Ich finde das sehr wichtig, denn Bildsprache hat viel mit unserem Unterbewussten zu tun.
    Ich schaue mir ja deshalb auf meinem Blog seit einiger Zeit insbesondere die uralten Bilder an, die aus meiner Sicht auch heute noch die Wahrnehmung von Frauen und Männern auf eine ungute Art beeinflussen. Meinen beiden letzten Kurzgeschichten (Etüden) passen vielleicht ganz gut zu deinem heutigen Beitrag: Die Kurzgeschichte „Das Machtwort“ z.B. hat zum Hintergrund, dass die meisten Menschen (Männer und Frauen) auch heute noch Macht anbeten. Und den angeblich „starken“ Mann, der das „Macht-Wort“ spricht, während Frauen ja nicht ernst zu nehmen seien („das Mädchen“…, das die Interessen des Landes / Unternehmens doch gar nicht aggressiv und „stark“ vertreten könne …). Dass also allzu viele Menschen immer noch Aggression als „Stärke“ missverstehen, obwohl aggressives Verhalten in Wahrheit eine Schwäche ist und der Menschheit gar nicht gut tut.
    Wie ich gerade erst vor Kurzem anhand der Kurzgeschichte „Die Gedreiteilte“ (http://ichlachemichgesund.blog/2024/03/25/die-gedreiteilte/) versucht habe zu verdeutlichen, laufen aber auch Frauen häufig in die Falle, sich uralte Klischees „anzuziehen“, und zu denken, damit würden sie Weiblichkeit stärken.
    Denn die Frage, was ist eigentlich urweiblich – und stärkt mich als Frau in meiner Weiblichkeit wirklich – , die ist aus meiner Sicht nicht einfach zu beantworten.
    Herzliche Grüße
    Maren

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    1. Ja, gute Frage: Was ist eigentlich „weiblich“ und „männlich“ – und brauchen wir diese Kategorien überhaupt? In Bereichen, wo es um geschlechtsspezifische Diskriminierung oder Gewalt geht, wohl schon (z.B. bei Schutz- und Förderprojekten). Wenn es „nur“ um Interessen und Vorlieben geht, vermutlich eher nicht. Ludwig XVI trug noch rosa Strümpfe, wallendes Haar und Absatzschuhe als Zeichen seiner Macht – heute gilt all das als weiblich und damit für „echte Jungs“ als wenig erstrebenswert. Eine unnötige Verengung unserer Weltsicht und Möglichkeiten, finde ich.

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