
Neues Jahr, neues Glück? Wie hat das alte bei dir geendet? Noch schnell die Schnittchen fürs Silvesterbuffet vorbereitet? Davor die Weihnachtsgeschenke weggeräumt, das Lametta versorgt, Streit zwischen den Kids geschlichtet, dem Mann geschrieben, dass er auf dem Weg von der Arbeit bitte noch Brötchen holen soll?
Sie sorgt – Er hilft mit. Realität 2024
An Weihnachten hattest du einen Mann an deiner Seite, der mitgewichtelt, gebacken, mit den Kids getobt und dich mit liebevoller Aufmerksamkeit überhäuft hat? – Bevor er, pünktlich zum 27.12., wieder im Büro zu verschwunden ist? Klingt zynisch? Ist aber in sehr, sehr vielen Familien Realität. Auch rund 50 Jahre nach der 2. Welle des deutschen Feminismus.
Als Frauen und Mütter sind wir erwerbstätig, vielleicht sogar erfolgreich im Beruf, kennen unsere Rechte, fordern sie ein. Und wenn wir einen netten Mann an unserer Seite haben, unterstützt er uns dabei. Findet Familie auch wichtig. Und Gleichberechtigung sowieso.
Wenn es auf Arbeit allerdings brennt – und allzu oft nicht nur dann – ist er genau dort zur Stelle. Und den Po des Jüngsten wischen wir Mütter ab, tagaus, tagein. Im Elternbeirat der Kita engagieren wir uns. Für bessere Betreuung im offenen Ganztag unserer Schule setzen wir uns ein. Ist halt ein Mütterthema, irgendwie. Oder natürlich nicht, sagt der moderne Vater – aber kurzfristig ist eben noch ein Auftrag reingekommen. Da muss er präsent sein. Das verstehen wir sicher. Wir sind ohnehin besser drin in der Materie. Eloquenter auch. Was soll er zu dem Ganzen überhaupt sagen – er kennt da ja keinen.
Der Elefant im Raum: Care-Verantwortung ist eine Lose-Lose-Situation
Als Mütter sind wir konfrontiert mit einer Gesellschaft, die den Elefant im Raum nicht benennt: Es ist für sehr viele Menschen, äh… Männer, sehr angenehm, die tägliche Care-Arbeit dort zu belasten, wo sie aktuell ist.
Denn, verd**t, wer sind denn die 77%, die laut Väterreport 2023 für ihre Kinder vollumfänglich da sein und eine gleichberechtigte Partnerschaft führen wollen – aber dann doch direkt nach der Geburt wieder in Vollzeit ranklotzen (während die Mutter ihrer Kinder ab sofort nur noch in Teilzeit am Start ist)? Wer sind die Ehemänner, die als Besserverdienende bereitwillig das Ehegattensplitting nutzen und damit langfristig die finanzielle Abhängigkeit ihrer Frau in Kauf nehmen? Wer sind andererseits die 75 Prozent (!), die laut Bertelsmann-Stiftung nach einer Trennung und Scheidung zu wenig oder gar keinen Unterhalt zahlen, ohne übrigens in den meisten Fällen mit Konsequenzen rechnen zu müssen?
Da sind zum einen die offen sexistischen, rückwärtsgewandten Kotzbrocken, die von der Elternzeit als Zeit fürs eigene Hobby schwärmen und die Wahlmöglichkeit der Frau gern auf ihre Lidschattenfarbe beschränkt wüssten. Solche Typen gibt’s. Auch leider noch immer in jeder gesellschaftlichen Schicht und Altersklasse. Gut an ihnen: sie sind klar erkennbar und frau kann, so sie will, einen Bogen um sie machen.
Eher tragisch sind die „richtig netten Jungs“, die in den 3,5 Elternmonaten, die sie selbstverständlich nehmen, ihre Babys in der Trage vor der Brust tragen. Die beim Abwasch helfen – am Abend und Wochenende – und es irgendwie auch sch**e finden, dass Frauen in Deutschland immer noch durchschnittlich fast 20% weniger verdienen und fast 40% weniger Rente bekommen. Aber was sollen sie als Einzelner schon tun? Ihrem Chef jedenfalls können sie es nicht antun, öfter als nötig im Beruf zu fehlen. Und ist es nicht auch bewundernswert, wie sie alles wuppt, seit die Kinder da sind? Sie ist schon ne ganz Toughe! Nette Jungs sind fast immer stolz auf die starke Frau an ihrer Seite…
Gleichberechtigung? Wir brauchen euch Männer mit im Boot!
Tja, und so leben wir dahin im Jahr 2024. „Gleichberechtigt“. Mit allem Optionen für alle – wenn nicht gerade was dazwischen kommt. Dann wird die männliche Mithilfe kurzfristig eingestellt. Der arbeitsfreie Nachmittag im Beruf gestrichen. Bei ihm natürlich. Sie rockt das schon (und ist – da Teilzeit im Beruf – ohnehin nachmittags zuhause).
Tja, Brücken werden nicht von einer Seite aus gebaut. Und Tunnels nicht von einer Seite aus gegraben. Wollen wir als Gesellschaft ernsthaft diesen Riesenberg aus stereotypen Rollenbildern, familienfeindlichen Strukturen und individuell sexistischer Prägung überwinden, müssen wir schon von beiden Seiten aus tätig werden. #Esgehtnurgemeinsam proklamiert ein Hashtag auf Social Media. Wir Mütter graben schon. Okay, Väter, jetzt seid ihr dran: lasst TATEN sprechen!
Sarah Zöllner (mutter-und-sohn.blog)
Die Autorin ist freie Journalistin, Autorin für Familien- und Gesellschaftsthemen sowie Mutter eines Kindergarten- und eines Grundschulkindes.
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[Foto: Pixabay]

Ja, so ist es. Seit 18 Jahren alleine erziehend, eine Tochter (14) mit einem Mann („lass uns Eltern sein“), der mir sagte, „ich werde hinter dir stehen“. Heute weiß ich , hinter mir heißt nicht zu mir oder zum Kind. Meine drei anderen Kinder sind erwachsen, in festen Beziehungen. Dadurch habe ich einen Blick auf die neue Generation „Paare und Eltern“ und kann nur bestätigen, intern hat sich in den letzten 33 Jahren (so lange bin ich bereits Mutter) nichts geändert. Was nach außen toll und revolutionär aussieht, beinhaltet intern, genau wie du beschrieben hast, das alte Rollenbild.
Du und ich regen uns auf, mahnen oder zeigen drauf. Die jungen Frauen finden es zum Teil okay, oder wenn nicht, sind zum Teil zu müde zu kämpfen.
Ich habe zwei Söhne erzogen, deren Vater sich in ihrer Kindheit aus dem Staub gemacht hat und wieder kam, als sie junge Männer waren. Vielleicht erinnern sie sich, wenn sie selbst Väter sind. Ich hoffe es.
Liebe Grüße
Britta
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