
Mütter und Finanzen – ein heikles Thema. In den letzten Monaten sind dazu gleich drei lesenswerte Bücher erschienen, die ich euch hier vorstellen möchte. Das Besondere: Mit allen Autorinnen habe ich persönlich gesprochen und weiß: Worüber sie schreiben, ist ein Herzensthema für sie – und sie kennen sich in ihrem jeweiligen Bereich richtig gut aus.
Dr. Birgit Happel „Auf Kosten der Mütter“

Das wohl bekannteste Buch der Runde: „Auf Kosten der Mütter“ von Soziologin und Finanzexpertin Dr. Birgit Happel, erschienen 2023 im Kösel-Verlag. Der griffige Titel lässt den Inhalt bereits ahnen: Hier geht es einerseits um eine gesellschaftskritische Abrechnung mit Strukturen, die Müttern in rechtlicher und finanzieller Hinsicht das Leben schwer machen, andererseits um konkrete Tipps, wie sie zu mehr finanzieller Selbstbestimmung finden können. Stereotype Rollenbilder, Gender Pay Gap und die schwierige Vereinbarkeit von Familie und Beruf führen Frauen – und erst recht Mütter – nämlich direkt in die finanzielle Abhängigkeit. Dazu kommt, dass familiäre Care-Arbeit noch immer nicht als Wirtschaftsfaktor anerkannt und zum Beispiel im Bruttoinlandsprodukt berücksichtigt wird – obwohl ohne sie Erwerbsarbeit im Grunde gar nicht möglich wäre.
Mütter und Frauen mit Pflegeverantwortung tragen die ökonomischen Folgen von bezahlter und unbezahlter Arbeit. Unterbrochene Erwerbsbiografien bringen Karrierewege ins Schlingern. Oft können Frauen die durch Care-Arbeit entstehenden Brüche in ihren Berufsbiografin nicht mehr glätten und tragen hohe finanzielle Risiken, die bis zur Altersarmut reichen. (Auf Kosten der Mütter, S. 31)
Finanzexpertin Dr. Birgit Happel, selbst Mutter, kennt die typischen Glaubenssätze, die Frauen und Mütter in Bezug auf Geld immer noch häufig mit sich herum tragen: „Damit kenne ich mich nicht aus“, „viel zu kompliziert“ oder gleich: „darum kümmert sich mein Mann“. Warum finanzielle Aufklärung und Selbstbestimmung für Frauen mit Familie so wichtig ist und was konkret die ersten Schritte sind, die jede Frau gehen kann, darüber klärt dieses Buch auf. Kompetent, klarsichtig, kämpferisch – eine Empfehlung für jede Frau, die Kinder hat oder haben möchte!
Silke Wildner und Otto N. Brenzinger „Alleinerziehend auf der sicheren Seite“

Das zweite Buch der Runde, „Alleinerziehend auf der sicheren Seite“ von Silke Wildner und Otto N. Bretzinger (Wolters Kluwer, 2024), richtet sich an Alleinerziehende, zu 95 Prozent Mütter, die meist besonders umfassend Care-Verantwortung tragen und leider noch immer häufig von Armut betroffen sind. In jeder fünften Familie in Deutschland lebt nur ein Elternteil mit den Kindern zusammen, fast jede zweite dieser Familien lebt am Existenzminimum. Anders als Dr. Birgit Happels Buch thematisiert dieser Ratgeber die gesellschaftlichen Zusammenhänge, die hierzu führen, nur am Rande. Statt dessen erhältst du als Leserin konkret und handfest eine Menge Informationen und praktische Tipps zu rechtlichen und finanziellen Fragen, die den Alltag Alleinerziehender bestimmen.
Der Ratgeber beginnt mit einer Definition der verschiedenen Formen des Alleinerziehendseins, beantwortet Fragen zu Umgangsmodellen, Unterhaltsansprüchen, finanziellen Hilfen, Kinderbetreuung, Unterstützungs- und Beratungsangeboten und zur Vorsorge im Krankheits- und Todesfall. Quasi das „Rundum-Paket“ der Rechtsberatung für Alleinerziehende.
Spannend: Neben Journalist und Jurist Otto N. Bretzinger, der die rechtlichen Fragen beantwortet, macht Bloggerin, Autorin und Podcasterin Silke Wildner, selbst alleinerziehend und gut vernetzt, den Praxischeck und teilt Erfahrungen aus ihrer Community. Ob der Ratgeber tatsächlich „der einzige Rechts- und Finanzratgeber [ist], den du [als Alleinerziehende:r] brauchst“, wie der Untertitel etwas vollmundig verspricht, sei dahingestellt. Jedenfalls ist er ein übersichtliches und kompaktes Nachschlagwerk zu allen Themen, mit denen sich Alleinerziehende wohl oder übel auseinandersetzen müssen – und damit ein ganz konkreter Ansatz zu mehr finanzieller und rechtlicher Selbstbestimmung. Praktisch, informativ und mit dem Extra-Realitätscheck – lesenswert!
Inga Krauss „Wenn der Tod dazwischenkommt“

Das dritte Buch, das ich euch vorstellen möchte: „Wenn der Tod dazwischenkommt. Von der Patchwork-Mama zur alleinerziehenden Witwe mit zwei Kindern“ von Inga Krauss (BoD, 2024). Halb Erfahrungsbericht, halb Ratgeber zum Thema Hinterbliebenenrente und Absicherung Verwitweter und ihrer Kinder, zeigt es anschaulich, warum finanzielle und rechtliche Aufklärung für Mütter so wichtig ist.
Im ersten Teil des Buches beschreibt Autorin Inga Krauss offen, wie sie sich als intelligente und beruflich eigenständige Frau wider besseren Wissens nach und nach in emotionale, finanzielle und rechtliche Abhängigkeit begab und nach der Krebserkrankung und dem frühen Tod ihres Mannes mit Erbstreitigkeiten, Schulden und existenziellen Belastungen konfrontiert wurde.
In diesem Buch geht es um mein Leben, meine Geschichte und auch um meine Finanzen. Meine Geschichte ist so vielfältig und so katastrophenreich und so anders als geplant, dass sie ein eigenes Buch wert ist. Ehrlich, unverblümt, schonungslos und mit Happy End! (Wenn der Tod dazwischenkommt, S. 13)
Das Buch macht tatsächlich sehr deutlich, dass Liebe und Vertrauen allein nicht reichen, um im Krisenfall finanziell abgesichert zu sein. Und es zeigt zugleich ganz konkret, wie Mütter es besser machen können. Ein umfassender Info-Teil zu Unterstützungsangeboten und der rechtlichen Situation von verwitweten Alleinerziehenden und ihren Kindern rundet das Buch ab und gibt damit dem wichtigen Thema, verwitwet alleinerziehend zu sein, Raum. Dieses ist auch in der Alleinerziehenden-Community nämlich oft wenig präsent. Packend, persönlich und informativ!
LESETIPP: Das Buch ist der zweite Band der Reihe „Allein mit Kind“, ins Leben gerufen von Silke Wildner und Christina Rinkl, in der Alleinerziehende ihre Erfahrungen in Buchform veröffentlichen und damit die Vielfalt des Alleinerziehendseins sichtbar machen. Weitere Bände folgen noch dieses Jahr.
Finanzielle Aufklärung macht Mütter stark – packen wir sie an!
Sich mit der eigenen finanziellen und rechtlichen Situation zu befassen, sich über Möglichkeiten der Geldanlage und Altersvorsorge zu informieren und finanzielle Fragen nicht einfach „in Männerhand“ zu geben, ist für jede Frau – und Mutter – essentiell. Das machen die drei vorgestellten Bücher deutlich. Wer Zusammenhänge verstehen und die eigene Unwissenheit überwinden will, ist mit ihnen herzlich dazu eingeladen. Schon allein deswegen sage ich mit Überzeugung: Investiert in diese drei Bücher – es lohnt sich!
Herzlichen Gruß, Sarah Zöllner (mutter-und-sohn.blog)
Die Autorin ist freie Journalistin, Autorin für Familien- und Gesellschaftsthemen sowie Mutter eines Kindergarten- und eines Grundschulkindes.
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[Fotos privat. Ich danke den Verlagen, bzw. Autorinnen für die Rezensionsexemplare. Der Beitrag gibt dennoch natürlich ausschließlich meine persönliche Meinung wieder.]

Ein Gedanke zu „NEU: Drei Finanz- und Rechtsratgeber, die ihr lesen solltet (Buchrezension)“