
Vielleicht etwas seltsam, sich in einem Blog, der sich an Eltern richtet, die Frage zu stellen: „Will ich ein Kind?“ Aber warum eigentlich nicht? Du hast, liest du diesen Beitrag als Mutter oder Vater, offensichtlich einmal mit „Ja“ darauf geantwortet. Oder zumindest mit „Warum nicht?“ Wie würdest du mit der Erfahrung, die du heute hast, antworten?
Hinter der Frage „Will ich ein Kind?“ steht ja nicht nur die Überlegung: Bin ich bereit, die nächsten 15 bis 20 Jahre einen sehr großen Anteil meiner Zeit, Kraft und körperlichen Ressourcen für die Begleitung eines oder mehrerer eigenständiger Wesen aufzubringen? Für Wesen, die mir später zu nichts verpflichtet sind und mit denen mich dennoch – im Guten wie im Schlechten – ein lebenslanges Band verbinden wird?
Insbesondere als Frau stellt sich auch die Frage: Wie gehe ich damit um, dass Kinder voraussichtlich reale Einschränkungen für meine Bewegungs- und Wahlfreiheit, meine gesellschaftliche Teilhabe und sogar für meine körperliche Gesundheit haben werden? Denn ja, das werden sie. Auch 2026 für Mütter, rein biologisch, aber auch rechtlich und sozial bedingt, noch weit stärker als für Väter.
Mit Sozialromantik a la „dann bist du im Alter nicht allein“ oder gar „dann sorgt jemand für dich“ hat das in Zeiten zunehmender beruflicher und privater Mobilität , in denen es eher die Regel als die Ausnahme ist, als Familienangehörige weit voneinander entfernt zu wohnen, wenig zu tun. Denn auch im Alter pflegen Frauen eher, als dass sie gepflegt werden, schon allein, weil sie schlicht häufig länger als ihre männlichen Partner leben. Und nicht jedes Kind legt wert darauf, den Kontakt mit dir bis ins hohe Alter zu halten.
Vier Fragen, die du dir stellen solltest
Welche Fragen wären also weit sinnvoller als die generelle Frage „Will ich Kinder?“
- Falls Kinder, unter welchen Umständen? Und mit welchem/r Partner/in?
- Was bin ich bereit, dafür zu geben – und was nicht?
- Welche Ressourcen habe ich, um mein Leben mit Kindern so zu gestalten, dass es auch mir als Mutter oder Vater dabei gut geht?
- Was erhoffe ich mir von einem Leben mit Kindern? Und falls nichts davon eintritt, will ich dann immer noch ein Kind?
Kinder bedeuten immer ein komplexes System aus über Jahre bestehender Verbundenheit, aber auch Verbindlichkeit. Für mich stellt sich da – auch aus feministischer Sicht – die Frage: Aus welcher Ausgangslage heraus treffe ich diese Entscheidung?
Auf wie stabilen Beinen steht also meine meine Partnerschaft, wie gut kenne ich meinen Partner oder meine Partnerin nicht nur körperlich und emotional, sondern auch mit Blick auf praktische Fragen: kann ich mir einen Alltag – tatsächlich in guten wie in schlechten Zeiten – mit ihm oder ihr vorstellen? Funktionieren wir als Paar vor allem, wenn es rund läuft – oder auch, wenn es stressig wird?
Wie gut bin ich selbst aufgestellt? Kinder zu begleiten braucht nicht nur Liebe, sondern auch Durchhaltevermögen, Organisationstalent, Frustrationstoleranz – und bestenfalls ein schon bestehendes stabiles Netz aus Menschen, die mich als Mutter oder Vater unterstützen, bestärken und aufrichten können. Allein Eltern zu sein (auch als Paar allein zu zweit) ist definitiv um vieles schwerer, als dieses Glück und die damit einhergehende Verantwortung teilen zu können.
Welche Ressourcen habe ich also an eigener Zeit, physischer Kraft und psychischer Stabilität sowie praktischer Unterstützung im Alltag? Habe ich Geld genug, um – notfalls auch allein – mit meinem Kind gut leben zu können? Und falls eine dieser Komponenten fehlt: wie kann ich sie mir verschaffen, oder wer oder was kann hier einen Ausgleich schaffen?
Ein Kind fragt dich später nicht: „Mama (oder Papa), kannst du für mich da sein?“ Es ist vielmehr einfach da und braucht dich, anfangs zu 100 Prozent – also frag dich, was DU brauchst, um hierfür die Kraft, Zeit und auch die finanzielle und praktische Stabilität zu haben!
Und dann, nicht zuletzt, ist die Entscheidung „Ja, ich will ein Kind!“ doch oft eine Bauchentscheidung. Ein klares Gefühl: „Ja, es passt jetzt!“ oder „Nein, es passt jetzt eben nicht!“ Zweifel müssen dabei kein Hindernis sein. Sie weisen vielmehr auf ungeklärte Fragen hin, die dieses eigentlich klare Gefühl begleiten. Es lohnt sich also, hier genau hinzusehen.
Was also wäre heute deine Antwort auf die Frage „Will ich ein Kind?“ Und welche Fragen würdest du dir vor dem eigentlichen Kinderbekommen stellen?
Herzlich, Sarah Zöllner (mutter-und-sohn.blog)
Die Autorin ist freie Journalistin, Autorin für Familien- und Gesellschaftsthemen sowie Mutter eines Kindergarten- und eines Grundschulkindes.
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