

Dieses Jahr waren wir „richtig“ in Urlaub, meine Kinder und ich. Inklusive der Ausbeute einer Menge netter neuer Urlaubsbekanntschaften und postkartenreifer Bilder: Sonne, weißer Strand und türkisblaues Meer. Das Ganze mit einem explizit familienfreundlichen, ökologisch bewussten Reiseanbieter.
Was das bedeutete:
- Familienbetriebene Unterkunft mit hübsch terrakottafarbenen Bungalows statt anonymer Bettenburg,
- Büffet zum Nachschöpfen, bis das Ganze eben aufgegessen war, statt All-you-can-Eat und Softdrinks in Plastikbechern,
- Fein abgestimmtes Programm für Eltern und Kids mit einer Prise Info zu Land und Leuten und viel Zeit für Entspannung,
- Ökosteuer für den Aufenthalt, Klimaanlage nur bei Bedarf und wenn, dann zum Extrapreis,
- Jutebeutel als Gastgeschenk und die Bitte, auf Plastiktüten zu verzichten.
Was es aber auch bedeutete:
- Wir waren in der Enklave weißer, umwelt- und sozial bewusster, finanziell solventer Mittelschichtfamilien: alle Gäste deutschsprachig, kultiviert und wohlerzogen,
- Der Flug zum Ein-Wochen-Paradies war für die Umwelt trotz atmosfair-Abgabe definitiv nicht ganz so paradiesisch. Der CO2-Ausstoß vermutlich so hoch wie ein Jahr Autofahren statt Lastenbike…
- Die Anfahrt mit Bahn und Fähre wäre auch möglich gewesen, sie hätte nur fast zwei Tage länger gedauert. Machte mit Kids also keiner.
- Land und Leute blieben in der Woche doch eher Randnotiz. Der Guide einer der Touren meinte auf die Frage, womit die Menschen vor Ort ihren Lebensunterhalt verdienten: Von Mai bis November mit Tourismus, im Rest der Zeit mit der Hoffnung, dass das nächste Jahr besser läuft.
- Ach ja… und am Ende waren wir ganz froh, dass bei uns zuhause aus dem Wasserhahn Trinkwasser kommt, dass das Meer zwar weiter weg, aber der Wald auch weniger ausgedorrt ist und dass wir unsere Dörfer nicht Richtung Hauptstadt verlassen müssen, um überhaupt Arbeit zu finden.
Sicherlich, Pauschalurlaub mit dem Ökotreiseanbieter ist vermutlich für die Menschen vor Ort und die Natur etwas weniger belastend als der Billig-Trip. Letztlich wäre Urlaub im Naherholungsgebiet, zwei Stunden mit der Bahn entfernt, aber vermutlich weniger teuer. Fürs Portemonnaie und für die Natur.
Es ist ja nur für diese eine Woche…
Hier aber kommt unsere große Achillessehne als Eltern ins Spiel. Wir wollen unseren Kids doch etwas gönnen – wenigstens einmal im Jahr, im Sommer eben. Und uns selbst irgendwie auch. Stress haben wir die anderen elf Monate über schon genug.
Also trennen wir im Urlaubsort Müll, zahlen die Ökosteuer, ermahnen unsere Kids, die Füße nach dem Strandbesuch nur zwei Minuten abzubrausen. Aber wir fliegen eben doch (weil es schneller geht), wir kaufen das dritte Eis eines multinationalen Lebensmittelkonzerns an diesem Tag (weil die Kinder danach quengeln), wir buchen die Speedboottour, auch wenn wir damit Krach und Wasserverschmutzung erzeugen (weil es scheinbar alle machen).
Gut meinende, ehrlich bemühte Ökoschweine
Wir sind, wenn wir ehrlich sind, gut meinende, ehrlich bemühte Ökoschweine. Ist ja nur für diese Woche. Oder?
Und es ist einfach nicht so leicht, es wirklich gut zu machen. Zumindest im Sommer, in der schönsten Zeit des Jahres. Oder?
Und es fällt ja sicher nicht ins Gewicht. 358 Tage im Jahr sind wir doch brav. Oder?
Oder?
Danke an Manja (mamastisch.com), die mich mit ihrem Beitrag zu meiner „Sommer“-Blogparade (noch bis 09.09.25) zu diesem (selbst-)kritischen Kommentar inspirierte.
Herzlichen Gruß, Sarah Zöllner (mutter-und-sohn.blog)
Die Autorin ist freie Journalistin, Autorin für Familien- und Gesellschaftsthemen sowie Mutter eines Kindergarten- und eines Grundschulkindes.
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[Fotos: privat]
