
In Zusammenarbeit mit Annika Johannes von nachderkur.de
Eine Mutter- oder auch Vater-Kind-Kur kann dir als Mutter oder Vater Raum zur Erholung vom anstrengenden Familienalltag bieten, dir Möglichkeiten der Gesundheitsvorsorge und Entspannung zeigen und wichtige Impulse geben, wie du deinen Alltag nach der Kur gestalten kannst. Dennoch bleibt die große Frage: Wie das Erlebte in das „ganz normale Leben“ nach der Kur integrieren? Annika Johannes berät Eltern, aber auch Kurkliniken, zu genau diesem Thema.
Annika, du hast die Plattform nachderkur.de gegründet. Was hat dich dazu motiviert?
Die Plattform nachderkur.de habe ich im Dezember 2024 veröffentlicht. Die Idee entstand im Januar 2024, als ich selbst auf einer Mutter-Kind-Kur war. Ich habe die Kur sehr genossen und habe mir zwischendurch Gedanken gemacht, was danach kommt und wie ich besser mit stressigen Situationen umgehen kann. Aber einen Leitfaden für „Nach der Kur“ oder ein Follow-up seitens der Kurklinik gab es dafür nicht. Die Gedanken „Wie machen es denn andere nach der Kur?“ , „Wie geht es anderen Eltern nach der Kur?“ oder „Was gibt es für Angebote speziell nach der Kur?“ haben mich nicht losgelassen. Somit schrieb ich nach und nach Ideen auf.
Ich bin Fan von Nischenangeboten, um spezielle Zielgruppen anzusprechen und abzuholen. Das hat mich motiviert, ein Konzept auf die Beine zu stellen.
Grundlage deiner Beratung ist eine Umfrage, die du selbst unter Müttern und Vätern durchgeführt hast. Wie lief diese Umfrage ab und was ist ihr wichtigstes Ergebnis?
Ich habe eine große Umfrage erstellt, um Mütter und Väter, die bereits auf einer Mutter- oder Vater-Kind-Kur waren, zu befragen, wie es ihnen nach der Kur geht, was ihnen geholfen oder gefehlt hat und was sie jetzt noch brauchen, um den Kureffekt nachhaltig in den Alltag zu integrieren.
Über 125 Teilnehmer:innen haben bereits mitgemacht und die Online-Umfrage hat kein festes Ende. Jeder, der von der Kur kommt, kann mitmachen und sich durch die 18 Fragen leiten lassen. Es sind offene, geschlossene Fragen und Multiple-Choice-Fragen dabei.
Gefunden habe ich meine Teilnehmer:innen online, über Instagram, Facebook, LinkedIn und mein eigenes Netzwerk. Viel lief auch über Weiterempfehlung. Die Verteilung, wie viel Väter und Mütter teilgenommen haben, kann ich nicht auswerten. Die Umfrage ist anonym und fragt keine persönlichen Daten ab. Mir ging es in erste Linie um die Erfahrungswerte und Wünsche der Eltern. Die Ergebnisse bieten mir eine gute Orientierung, um ein initiales Angebot zu gestalten, welches ich Schritt für Schritt aus- und umbauen kann.
Die wichtigste Erkenntnis aus der Umfrage ist für mich, dass ein Großteil der Befragten es herausfordernd findet, Ergebnisse aus der Kur in ihren Alltag zu integrieren. Der Wunsch ist da, dass sich nachhaltig etwas verändert. Jede Antwort der Umfrage hat ihre Berechtigung und das Spannende ist für mich, dass viele Aussagen konstant bleiben und immer mehr Gewichtung erzielen, je mehr Eltern teilnehmen. Das bestärkt mich natürlich sehr in meinem Tun.
Am hilfreichsten fanden die befragten Eltern in der Kur offenbar – neben Bewegung und Sport – die Möglichkeit, Zeit für sich zu haben. Wie bewertest du dieses Ergebnis?
Sport und Bewegung haben, Stand Februar 2025, 71% der Befragten als sehr hilfreich in der Kur empfunden. Die Zeit, die Mütter und Väter für sich selber während der Kur haben, ist im Vergleich zum normalen Alltag nicht zu toppen. Das haben knapp 74 % der Befragten als sehr wertvoll empfunden. Es sind im Grunde hauptsächlich diese zwei Punkte, die im Alltag bei vielen Eltern zu kurz kommen. Dazu kommt, dass jeder für sich in den drei Wochen wieder Dinge entdeckt, die einem gut tun. Sport und Bewegung ist wichtig für unsere Gesundheit und unsere Psyche. Aber wir brauchen auch Zeit, um unsere Akkus wieder aufzuladen.
Bei etwas über 50 Prozent der Befragten ändert sich im Alltag wenig bis nichts. Das ist ja (leider) immer noch viel und erklärt gut, warum du das NachderKur- Coaching anbietest. Wie beurteilst du diese Zahlen?
Die Frage „Wie sehr hat sich dein Alltag nach der Mutter- oder Vater-Kind-Kur verändert?“ liefert eine sehr entscheidende und wichtige Antwort. Das Ergebnis bestätigt mein Angebot. Aktuell sagen knapp 39% der befragten Eltern, dass sich ihr Alltag nach der Kur kaum verändert hat. Vieles ist gleich geblieben. Irgendwas hat sich bei den Befragten, die das angegeben haben, mit Sicherheit im Alltag geändert. Aber das Hamsterrad läuft weiter wie vorher. And that’s the Point: Es ist verdammt schwer, den Hamster ohne Unterstützung zu stoppen.
Nur 14,5 % sagen aktuell, dass sich gar nichts geändert hat und alles wie vorher ist. Hier weiß man nicht genau, was dazu geführt hat. Aus meiner Sicht ist die Veränderung im Alltag nach der Kur ein Prozess. Man kann nicht in der ersten Woche nach der Kur erwarten, dass sich plötzlich alles für und mit einem selbst ändert. Viele starten gleich am nächsten Tag wieder im Job und es geht von vorne los. Viele kommen mit einem Kopf voller Ideen, neuen Vorsätzen, Kraft und Motivation wieder nach Hause. Das muss sich erstmal setzen und auch mit der Partnerin oder dem Partner besprochen werden, wenn der Wunsch nach Veränderung da ist.
Nach der Frage „Wie sehr hat sich dein Alltag nach der Mutter/Vater-Kind-Kur verändert?“ habe ich mit der Frage angedockt: „Welche neuen Routinen konntest du nach der Kur erfolgreich in deinen Alltag integrieren?“. Das ist ein bunter Mix den Eltern geantwortet haben und es zeigt, dass Motivation da ist!
Knapp 60 Prozent der von dir befragten Eltern geben an, sich nach der Kur wegen Verpflichtungen im Alltag nicht regelmäßig Zeit für sich nehmen zu können. Was rätst du Müttern oder Vätern diesbezüglich in deiner Beratung?
Zu viele Verpflichtungen im Alltag (Haushalt – Termine jonglieren – Schule – Beruf): Das ist weitaus mehr als eine 40-Stunden-Woche. Und für mich nicht erstaunlich, dass so viele der befragten Eltern diesen Punkt angegeben haben.
Ich schlüpfe nicht in die Beraterrolle. Ich verfolge den systemischen Ansatz und unterstütze Eltern dabei, für sich eigene Lösungen zu entdecken. Dazu gebe ich Impulse, stelle gezielt Fragen und arbeite mit den Eltern in Coachingstunden oder in Workshops an diesem Thema. Natürlich kann ich auch aus meiner Erfahrung mit drei Kindern und einer mehr als 30-Stunden-Arbeitswoche sprechen und meine Tipps weitergeben, aber mein Konzept muss nicht zwingend anderen gefallen oder für sie auch zutreffen. Ich bleibe neutral und möchte den Eltern einen Mehrwert schaffen, indem sie mehr über sich selbst lernen und reflektieren.
Problem: Keine Zeit
Lösung: durch systemische Methoden zeige ich auf und visualisiere gemeinsam mit meinen Klienten, wo Zeit ist. Schritt für Schritt finden wir heraus, wie man „umschichten“ kann. Also nicht nur “Ich habe keine Zeit und kann nichts machen”, sondern wir gehen in die Analyse: “Wo ist die Zeit und wie kann ich umorganisieren?”
Du berätst neben Eltern auch Kurkliniken, die ihr Angebot für Eltern nachhaltig wirksam gestalten wollen. Was rätst du den Kliniken, damit Mütter und Väter das Gelernte in ihren Alltag übertragen können?
Hierzu habe ich die Frage „Was hättest du nach der Kur gebraucht, um die neuen Erkenntnisse und die erlernten Inhalte besser in den Alltag zu integrieren?” in meine Umfrage aufgenommen. Kurkliniken kann ich so gezielter beraten und ihnen spiegeln, was sich Eltern über das Kurangebot hinaus noch wünschen.
Was ich grundsätzlich Kurklinken mitgeben kann: Jede Mutter und jeder Vater erinnert sich an die Kur zurück. Die ersten Tagen sind genauso wichtig wie die letzten. Von daher kann man in den letzten Kurtagen noch viel bewirken, neben Kofferpacken und Abschlussgesprächen. Viele Eltern legen wert auf einen Leitfaden und auf Austausch nach der Kur. Bei der Umsetzung unterstütze ich gerne!
Wie reagieren Kurkliniken auf deine Umfrage und dein Coaching? Sehen sie beides als Chance oder sind sie eher skeptisch?
Viele sind neugierig und wollen mehr erfahren. Ich bin mit verschiedenen Institutionen im Austausch und gespannt, was sich daraus ergibt.
Auf welchen Wegen erreichen dich Eltern, die sich zu deinem Angebot informieren wollen?
Auf meiner Website gibt es viele weitere Informationen und wer Interesse hat, kann für ein unverbindliches Gespräch direkt einen Termin buchen. Auch Instagram ist ein beliebter Kanal, um mit mir in Kontakt zu kommen.
Über die Gastautorin

Annika Johannes ist Mutter von drei Kindern im Alter von sieben bis 14 Jahren und arbeitet selbstständig als Systematischer Coach und HR Interim Managerin in Hamburg. Annika begleitet Eltern nach ihrer Mutter- oder Vater-Kind-Kur mit Coaching- und Workshopangeboten, um nachhaltige Veränderungen in Alltag zu fördern. Darüber hinaus hat Annika über 15 Jahre Erfahrung im Bereich Human Resources und unterstützt Unternehmen entlang des Employee Life Cycles.
Kontakt: annika@nachderkur.de www.nachderkur.de
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[Titelbild: Pixabay, Porträt: Annika Johannes]
