Ein bisschen Schummeln schadet nicht? Über den Umgang mit Werbung in Blogs

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Mein Blog wird bekannt. Vor kurzem habe ich die erste Anfrage zu einer Anzeigen-Kooperation erhalten. 

Mein erster Anzeigen-Kunde? 

Eine Dame, nach eigener Aussage „Freelancerin“ im Auftrag eines großen Online-Modeportals, meldete sich per Mail bei mir und bekundete Interesse, einen Artikel auf meinem Blog zu veröffentlichen. Darin sollte ein Link auf ihren Auftraggeber verweisen. Es bleibe mir überlassen, ob sie oder ich selbst den Artikel verfasse, mein Blog sei inhaltlich für das von ihr vertretene Unternehmen ansprechend, es bestehe Interesse an einer Zusammenarbeit.

Ich gebe zu, einen Moment lang fühlte ich mich geschmeichelt: ohne dass ich irgendeine Form von Anzeigen-Akquise betrieben hatte, schien sich ein Werbekunde für meinen Blog zu interessieren. Ich erklärte, nähere Details erfahren zu wollen. 

Diese wurden mir bereitwillig mitgeteilt. Die Dame informierte mich, 2-3 Do-Follow (also für Suchmaschinen relevante) Links, darunter einer auf die Website ihres Unternehmens, solle der Artikel enthalten und er solle nicht als Werbung gekennzeichnet sein. Ein Verweis auf die Zusammenarbeit mit ihr sei jedoch möglich. Bei Interesse solle ich gerne meine Honorarvorstellungen mitteilen. 

Schleichwerbung mit nicht als Werbung gekennzeichneten Links  

Ich brauchte eine Weile, aber dann hatte auch ich es kapiert: hier ging es ganz klar um Werbung, die nicht als Werbung gekennzeichnet sein sollte. Ich brauchte eigentlich nur meinen gesunden Menschenverstand, um zu begreifen, dass das Angebot nicht „koscher“ war. Dennoch spielte ich tatsächlich mit dem Gedanken, es anzunehmen, unter der Prämisse, den Artikel selbst zu verfassen/ die Freelancerin als von Unternehmen XY beauftragt im Artikel zu benennen/ einen Teil der potentiellen Einnahmen an eine gemeinnützige Organisation zu spenden und darauf im Artikel hinzuweisen. Haha…

War denn das zu fassen? Ich fühlte mich ernsthaft versucht, in meinem Blog bezahlte Werbung zu machen, ohne sie sauber und offiziell als solche zu kennzeichnen? Das passte ja großartig zu Artikeln, in denen ich aufrichtiges und authentisches Handeln beschreibe. Eine viertelstündige Recherche ergab zudem: diese Art der Schleichwerbung ist schlicht Betrug und kann zu Abmahnungen seitens anderer Unternehmen sowie zu Rückstufungen im Suchmaschinenranking führen. Rechtlich sauber ist sie jedenfalls nicht.

Einzig mögliche Antwort also:

„Sehr geehrte Frau XY, 

Ihnen ist sicher bekannt, dass bezahlte Do-Follow-Werbelinks, die nicht explizit als Werbung gekennzeichnet sind, gegen gesetzliche Vorgaben verstoßen.

Ich danke Ihnen für das Interesse an meinem Blog. Sollten Sie in der Zukunft Interesse an einer klar als Werbung erkennbaren Zusammenarbeit haben, bin ich durchaus interessiert an einer Kooperation.

Mit freundlichen Grüßen Sunnybee“

Genau diese Mail schickte ich dann ab. 

Und warum schreibe ich hier im Blog so offen darüber?

Weil ich Werbung per se nicht verkehrt finde. In den letzten Monaten habe ich wahrgenommen, dass einige, auch von mir geschätzte, Bloggerinnen und Blogger auf ihren Seiten Werbung platzieren. Manchmal ganz offensichtlich als Werbebanner, manchmal als Artikel, in dem ein bestimmtes Produkt vorkommt und der als „von XY gesponsert“ gekennzeichnet ist. Besonders sympathisch finde ich das nicht, ich gebe es zu. Aber Bloggen kostet Energie und Zeit (und je nach Aufwand) auch richtig Geld, um z.B. mit Interviewpartnern zu sprechen oder bestimmte Themen zu recherchieren und damit journalistischen Ansprüchen gerecht zu werden. Warum sollte man damit nicht auch Geld verdienen wollen und können?

Andererseits will ich bezahlte Werbung als Werbung erkennen. Das erwarte ich von anderen Websites, deren Inhalte ich ernst nehme, und ich handle selbst entsprechend. Daher hier auch nochmal explizit: Alle Hinweise auf Bücher, Websites oder Unternehmen, die ich bisher in meinem Blog verlinkt habe, sind nicht-kommerziell: ich erhalte für ihre Verbreitung kein Geld oder Sachwerte, sie sind rein persönliche Empfehlungen. Links setze ich, weil mich die Inhalte, zu denen sie führen, überzeugen und sie thematisch meine Artikel ergänzen. 

Sollte dies einmal anders sein, weil ich von einer Organisation oder einem Unternehmen eine Anfrage zur Zusammenarbeit erhalten habe, sollte ich also z.B. einen gesponserten Artikel schreiben, so würde ich ihn klar als Werbung kennzeichnen. Ansonsten werde ich meine Artikel weiter großzügig verlinken, ohne jede Empfehlung meinerseits als Werbung zu kennzeichnen. Dafür ist das World Wide Web schließlich gemacht, zur Unterhaltung, Vernetzung und Weitergabe von Information. Dabei ethische und juristische Grenzen zu überschreiten kann manchmal ganz schön verführerisch sein. Betrug bleibt es trotzdem und daher sage ich dazu NEIN. 

Wie seht ihr das? Bezahlte Werbung in euren Blogs: Stellt sich die Frage für euch? Und, falls ihr tatsächlich bezahlte Werbung schaltet, was ist eure Erfahrung damit? Ich freue mich sehr über eure Kommentare!

Herzlichen Gruß, Sunnybee

[Foto: Pixabay]

Grabe dort, wo Wasser ist: 5 Schritte zu beruflichem und privatem Erfolg

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Beruflich und privat erfolgreich zu sein bedeutet für jede/n etwas anderes. Während die eine sich mit den Telefonnummern ihrer VIP-Freunde in der Tasche und dem 100.000€ Jahreseinkommen erfolgreich fühlt, sucht der andere im Job die Möglichkeit, etwas zu bewirken und freut sich, von seinen Freunden zum Patenonkel der neugeborenen Tochter ernannt zu werden. Und ein dritter ist froh, nach zwei Jahren Projektarbeit die erste unbefristete Anstellung ergattert zu haben.

Was ist beruflicher und privater Erfolg für mich? 

Ich persönlich definiere beruflichen und privaten Erfolg so: Ich habe die persönlichen, finanziellen und strukturellen Ressourcen, um umsetzen, was mir wirklich wichtig ist und es gelingt mir, andere dafür zu begeistern. Beruflicher und privater Erfolg bedeutet für mich somit eher die Verwirklichung von Werten mit der daraus resultierenden Zufriedenheit als  das Erreichen äußerer „Benchmarks“ wie der nächsthöheren Gehaltsstufe, dem noch interessanteren Job oder dem immer größer werdenden Freundeskreis. 

Äußerlicher Erfolg ist auch wichtig

Zugleich ist es mir durchaus wichtig, einen gut bezahlten, gesellschaftlich anerkannten und inhaltlich sinnvollen Job auszuüben. Und ich freue mich über einen wirklich tragfähigen,  reichen Freundeskreis wie vermutlich (fast) jede/r von uns. Auch Anerkennung und eine bestimmte Reichweite meines Blogs oder des Stammtischs für Allein- und Getrennterziehende, den ich 1x pro Monat gemeinsam mit einer Freundin organisiere, ist mir wichtig. Insofern kann ich Business-Coach Dr. Johanna Disselhoff, auf die ich kürzlich gestoßen bin, nur zustimmen: gerade wir Frauen müssen uns darin üben, nicht nur „um der Sache Willen“ fleißig aktiv zu sein, sondern unsere Qualitäten und unsere beruflichen und privaten Erfolge auch im rechten Licht zu präsentieren. Auf ihrer Website gibt sie fünf wirklich brauchbare Tipps, wie du im beruflichen Rahmen auf dich und deine Leistung aufmerksam machen kannst.

5 Schritte zu beruflichem und privatem Erfolg

Ich beziehe mich hier auf Disselhoffs Punkte, gehe jedoch noch einen Schritt weiter. Damit bin ich bei 

Tipp Nr. 1: Fang nicht immer wieder von vorne an

Mal angenommen, Du wolltest etwas zum Steuerrecht für Alleinerziehende in Erfahrung bringen. Vermutlich würdest du im Netz recherchieren (z.B. bei der in Finanzdingen ziemlich gewitzten Madame Moneypenny), in einer Chat-Gruppe deine Frage posten oder dich im Freundeskreis umhören, ob jemand Bescheid weiß. Eher unwahrscheinlich, dass du ganz alleine versuchen würdest, das deutsche Steuerrecht und seine Schlupflöcher zu durchdringen? 

Dann hast du bereits einiges richtig gemacht!

Nutze, was da ist und fange nicht immer wieder bei Null an. Beratungsstellen und Coaching-Angebote helfen dir, wenn du von etwas keine Ahnung hast. Bestehende Netzwerke, Stammtische, Chat-Gruppen, wenn du Kontakte knüpfen möchtest, oder dein Anliegen bekannter machen möchtest. Bringe in Erfahrung, wer schon groß ist in dem Bereich, in dem du erst noch groß werden möchtest – und mache diese Menschen auf dich aufmerksam. Uns Frauen fällt das oft nicht leicht: wir wollen nicht aufdringlich sein, uns nicht zu sehr in den Vordergrund spielen, empfinden Kontakte, die wir aus den oben genannten Motiven anstrebten, als „unecht“ oder gar „berechnend“. Aber das sind sie nicht: vielmehr greifst du dabei klug auf Ressourcen zurück, die andere vor dir geschaffen haben – ebenso wie du selbst wieder zur Ressource werden wirst für diejenigen, die nach dir kommen. Es ist ein Geben und Nehmen: „Netzwerken“ im eigentlichen Sinn. 

Tipp Nr. 2: Sei stolz auf das, was du tust 

Gut kannst du in vielen Dingen werden. Aber deinen Erfolg genießen, sobald du ihn denn einmal hast, kannst du nur, wenn du innerlich überzeugt bist von dem, was du tust und sogar stolz darauf. Stell dir vor, du spielst mit dem Gedanken, eine wissenschaftliche Karriere anzustreben. Tatsächlich wird deine Dozentin auf dich aufmerksam und bietet dir zunächst eine Anstellung als wissenschaftliche Mitarbeiterin und anschließend eine Promotionsstelle an. Dein Promotionsthema bekommst du sozusagen auf dem goldenen Tablett serviert, da es für deine Professorin dem Drittmittelerwerb dient, sie für dieses Forschungsprojekt also Geld für ihren Lehrstuhl bekäme. Nimmst du das Angebot an? Mir selbst ist genau dies vor einigen Jahren widerfahren – und ich habe NEIN gesagt. Weil ich vom Thema der Arbeit nicht überzeugt war und drei Jahre meines Lebens lieber meinen eigenen Zielen als dem Drittmittelerwerb widmen wollte. Das Angebot war äußerlich toll und für jemanden mit anderen Beweggründen sicher auch interessant – ich selbst wäre dabei nicht glücklich geworden. Das wusste ich damals und davon bin ich noch heute überzeugt. Ich wäre nicht stolz auf das gewesen, was ich erreicht hätte, denn ich war innerlich nicht davon überzeugt. Das bringt mich zu…

Tipp Nr. 3: Finde heraus, was du wirklich willst

Wenn dich etwas mit Begeisterung erfüllt, wirst du richtig gut darin werden. Du wirst auch während Durststrecken dabei bleiben können und gerade dadurch besteht die große Chance, dass du tatsächlich erfolgreich wirst. Ich verstehe unter dieser Art der Begeisterung nicht ein kurzfristiges Entzücken über irgendetwas, sondern eine tiefgehende Überzeugung, dass richtig ist, was du gerade tust.  Warum würden wir sonst unserem Baby klaglos 870x die versch…en Windeln wechseln? Warum würden wir jahrelange Ausbildungen oder echte berufliche Durststrecken auf uns nehmen, um einer Sache treu zu bleiben, bzw. ein Ziel zu erreichen und wären im tiefen Inneren auch noch zufrieden damit? Weil es uns sinnvoll erscheint und sich in irgendeiner Weise mit unseren grundsätzlichen Werten deckt. Will ich Spaß und Zerstreuung oder anderen helfen? Will ich Macht oder mich innerlich weiterentwickeln? Finde es heraus. Z.B. mit diesen 10 Fragen hier. Und dann…

Tipp Nr. 4: Grabe nur dort, wo Wasser ist

Ich könnte auch sagen: Suche dir Gleichgesinnte. Aber das erfolgreiche „Nach-dem-Wasser-Graben“ meint mehr. Werde sehr aufmerksam dafür, wie die Menschen, mit denen du gemeinsame Ziele verfolgen möchtest, auf das reagieren, was du tust. Ich z.B. schreibe diesen Blog seit inzwischen knapp einem Jahr. Einige Menschen, von denen ich es eigentlich erwartet hätte, reagieren so gut wie gar nicht darauf, andere waren kurzfristig hellauf begeistert, haben ihr Interesse aber ähnlich schnell wieder verloren. Und dann gibt es noch diejenigen, die irgendwann als Leser/innen dazu gekommen sind, vielleicht erst sporadisch, dann immer regelmäßiger und mich inzwischen zu beinahe jedem Beitrag mit ihrem Kommentar und eigenen Überlegungen erfreuen. 

Ich würde sagen, das Beispiel des Blogs lässt sich auf Freundschaften wie Geschäftsbeziehungen übertragen: du wirst immer Menschen begegnen, die schlicht kalt lässt, worum du dich bemühst und wer du bist. Daran änderst du auch nichts, wenn du „gräbst“ wie verrückt. Du schürfst dir höchstens die Finger wund. Dann gibt es die schnell und hellauf Begeisterten. Sie können dich in deinem eigenen ersten Enthusiasmus unterstützen, aber verlass dich nicht darauf, dass sie noch da sein werden, wenn dein Weg nach den ersten vielversprechenden Schritten  steiniger werden sollte. Tja, und dann gibt es, in Freundschaften wie in Geschäftsbeziehungen, diejenigen mit dem „langen Atem“, die dir und dem Anliegen, das du vertrittst, echtes Interesse entgegenbringen. Letztlich liegt das daran, dass deine Werte und die daraus resultierenden Ziele in ihnen selbst etwas anklingen lassen. Daher bleiben sie „am Ball“ – wie du selbst. Mit diesen Menschen kannst du wirklich etwas auf die Beine stellen. Hier liegt die Grundlage für tiefe Freundschaften oder verbindliche, wirklich fruchtbare Zusammenarbeit in der Arbeitswelt. 

Tipp Nr. 5: Tu Gutes und sprich darüber

Und wie findest du diese Juwele der zwischenmenschlichen Kooperation? Diese Menschen, die jedes deiner Netzwerke erst wirklich tragfähig machen? Glück? Gutes Karma? Ich würde vielmehr sagen: Hier lohnt sich das Trommeln, Klappern, Federschütteln wirklich: du hast etwas zu geben (nämlich ein Produkt, Projekt oder eine Idee, die du mit wirklicher innerer Überzeugung (=> Tipp Nr. 2) vertrittst. Und du brauchst Gleichgesinnte (=> Tipp Nr. 4), damit diese Idee tatsächlich „in die Welt“ kommen kann. Somit knüpfst du Kontakte (=> Tipp Nr. 1), nicht um deiner selbst, bzw. um deines persönlichen Erfolgs Willen, sondern, weil du von dem, was du erreichen willst, wirklich überzeugt bist. Weil es sich tatsächlich mit deinen Werten deckt (=> Tipp Nr. 3).

Ich bin überzeugt, das wird dich tatsächlich erfolgreich machen. Menschen fühlen sich angezogen von innerer Überzeugung. Das bringt dir die Aufmerksamkeit und letztlich den strukturellen und finanziellen Rahmen, durch den du deine Ziele verwirklichen kannst. Und damit es dir tatsächlich Freude macht, sie zu erreichen und dich somit letztlich auch erfolgreich zu fühlen, musst du dem folgen, wohin dich deine Überzeugung trägt. Erkenne, was du tief in deinem Inneren willst – und dann lebe danach. Das macht dich wirklich erfolgreich; vor allem nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich. 

In diesem Sinne: herzlich viel Erfolg!😉

Sunnybee

[Foto: Pixabay]

Kleines Verzeichnis klangvoller Wörter: „The winner is…“

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Erinnert ihr euch?

Bevor ich verrate, wer von euch kreativen Wortschöpferinnen und Lieblingswortbesitzern sich bald über ein echtes BUCH VON MIR freuen kann (vielleicht reißen sich eines Tages die Sammler drum…), hier noch einmal die Zusammenfassung, worum es überhaupt ging:

Das war das Gewinnspiel

1) Vor etwa einem Monat habe ich meine treuen Leserinnen und Leser nach ihrem absoluten Lieblingswort gefragt.

2) Dabei habe ich einige ganz wunderbare Wort-Schätze eurerseits erhalten. Ihr findet sie hier und hier, jeweils in den Kommentaren. In den Artikeln habe ich auch gleich einige meiner Lieblingswörter mit euch geteilt, z.B. Mätresse, Langmut oder das I-Tüpfelchen.

The Winner is…

Und damit – tata – die Verlosung, mit Glücksfee „Schorsch“, von meinem Sohn zu diesem Zweck großzügig zu Verfügung gestellt:

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Tataaa – herzlichen Glückwunsch, liebe Lea!

Und danke für deine tolle Wortneuschöpfung „eingezwercht“.

Wer wissen will, was das genau heißt, lese hier deinen Kommentar! Wenn du mir über kontakt(at)mutter-und-sohn.blog deine Anschrift schickst, macht sich mein Werk auf den Weg zu dir!😀

Liebe Grüße, Sunnybee

Sex. Sex. Sex. Oder: Bin ich plötzlich prüde geworden?

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Werbeplakat: Unternehmen bewusst geschwärzt.

Sexy, die sechs Damen auf diesem Werbeplakat? Vor wenigen Tagen fuhr ich auf dem Weg zur Arbeit direkt auf sie zu.

Verführerisch und überlebensgroß 

Verführerisch und überlebensgroß lächelten sie mir entgegen. Direkt neben einer Ampel, an der der Durchgangsverkehr alle 2-3 Minuten zum Stehen kommt. Und in unmittelbarer Nähe dreier (!) Schulen, die Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 10 und ca. 30 Jahren besuchen. 

Ich selbst war auf dem Weg zur Arbeit. Allerdings voll bekleidet, anders als die lächelnden Ladys, die im Auftrag eines Online-TV-Senders zum „Amateur Star-Wettbewerb 2019“ aufriefen. In welchem Bereich sich der Wettkampf abspielen würde, war angesichts der Kleiderwahl und Posen unschwer zu erraten.

Nun ja. Ich blieb stehen, machte das oben abgebildete Foto und beobachtete einen Augenblick lang die Passanten, deren Blicke die halbnackten Damen streiften. 

Und ich war tatsächlich schockiert.

Wer kommt auf die Idee, ein solches Plakat in der „Einflugschneise“ Hunderter junger Menschen zu platzieren, die täglich auf diesem Weg zur Schule gehen? Was soll dabei jungen Männern – und Frauen – vermittelt werden? „Schau mal, uns Damen gibt’s im Sonderangebot?“, „Warum zur Schule gehen, wenn man mit rein physischen Attributen so schnell berühmt werden kann?“ 

„Amateurwettbewerb“ – suggeriert das nicht auch eine gewisse Unschuld, à la „Mädel von nebenan“? Schau mal, noch posieren hier Mia Blow oder The Real Barbie of Berlin, aber mit etwas Engagement und Silikon könntest morgen schon DU hier stehen!… 

Sex sells – Und wer greift zu?

Ich habe einen dreijährigen Sohn, für den „Sex sells“ momentan noch nichts anderes als eine lustig gezischelte Lautfolge ist. Aber das Prinzip wird sich ihm sicher in wenigen Jahren erschließen. Mit jedem „Schau-mal-was-hat-die-für-Titten“-Filmchen auf dem Handy, das ihm seine Kumpel zeigen, wenn er elf, zwölf, dreizehn Jahre alt ist. Mit jeder Bordell-Werbung auf Taxis. Mit Plakaten wie diesem hier. Du bist der (potentielle) Kunde. Und Frauen sind die, die (potentiell) zu kaufen sind. Beziehungsweise nicht alle. Es gibt die „anständigen Frauen“, denen du nie ein solches Angebot unterbreiten würdest. Aber offensichtlich auch die, bei denen die Hürde nicht so groß ist. Sie scheinen sich ja geradezu darum zu reißen, dir ihre Reize anzubieten. 

Hure oder Heilige? 

Was wir täglich wahrnehmen prägt irgendwann unser Bild von der Welt. Was für ein Frauenbild vermitteln solche, vollkommen selbstverständlich im öffentlichen Raum platzierten, Werbeanzeigen meinem Sohn? Was würden sie meiner Tochter vermitteln? 

Sorry: Ich habe keine Lust, in einer Welt zu leben, in der mir solche Werbung auf dem Weg zur Arbeit „entgegenplärrt“. Genauso wenig, wie ich mir eine solche Welt für meinen Sohn wünsche. Ich gebe zu, ich war kurz versucht zu einer Guerilla-Aktion wie den PorNo-Stickern, welche die feministische Zeitschrift EMMA vor einigen Jahren als Heftbeilage und handfestes Statement gegen sexistische Werbung verbreitete.

Statt dessen schreibe ich jetzt hier im Blog. Und meinem Sohn werde ich erklären und vorleben, dass Sexualität etwas Wunderbares sein kann: selbstverständlich und schön. Und auch, dass sie sein sehr persönliches, intimes Geschenk sein wird an Menschen, die ihm wichtig sind und mit denen er sie tatsächlich erleben möchte. Vor allem aber bemühe ich mich schon jetzt, ihm zu zeigen: es gibt Grenzen – seine eigenen und die anderer – und beide sind zu respektieren. 

Kürzlich habe ich den klugen Satz gelesen: 

„Kinder brauchen keine Grenzen. Kinder brauchen Erwachsene, die Grenzen haben.“

Vielleicht werde ich, wenn er zwölf, dreizehn, vierzehn ist, mit ihm sprechen, sollten wir an einem Werbeplakat wie dem oben beschriebenen vorbeikommen. Vielleicht spreche ich dann auch gar nicht über Sex mit ihm. Aber hoffentlich habe ich ihm bis dahin vermittelt, dass Frauen nichts sind, was man sich „per Klick“ bestellt. Auch wenn sie im Netz, in Bordellen und wie hier auf der Straße scheinbar so „easy“ verfügbar sind. Wer so von Frauen denkt, erniedrigt jedenfalls nicht nur diese – sondern vor allem sich selbst. 

Herzlichen Gruß, Sunnybee

PS. Wer etwas gegen diese Art sexistischer Werbung tun möchte: Die weltweit aktive Frauenrechtsorganisation Terre des femmes gibt auf ihrer Website konkrete Tipps: Wie wehre ich mich gegen sexistische Werbung?

Der Prinz auf dem schneeweißen Ross. Ein Kommentar zum Valentinstag

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Vermutlich sind wir Frauen im Herzen alle ein wenig „Schneewittchen“. Oder „Dornröschen“. Oder „Rapunzel“. 

Wir versorgen unsere Kinder, stehen unsere Frau im Beruf, treffen unsere Freundinnen zum Cocktail oder Ingwertee und verdienen unser eigenes Geld. Wir haben schon mindestens einen Frosch geküsst und vielleicht auch schon den ein oder anderen Prinzen erlebt, der sich wieder zum Frosch verwandelt hat. 

Eigentlich müssten wir es besser wissen. 

Wir haben monatelang unseren Freundinnen vor, während und nach unserer Trennung unser Leid geklagt, von unserer inneren Zerrissenheit, unserer Hoffnung, Enttäuschung, unserem Schmerz und unserer Sehnsucht berichtet. Wir waren froh, dass sie an unserer Seite waren, diese tollen Frauen, die wir stolz unsere Freundinnen nennen. „Liebe vergeht, Freundschaft besteht“, prosteten wir uns nach langen Gesprächen beschwipst zu und einen Moment lang spürten wir sie dankbar: die Solidarität unter Frauen. Ein Glück, dass wir unsere Freundinnen hatten, da unser sonstiges Leben gerade auseinander zu fallen drohte. 

Der Prinz tritt auf.

Und doch: da meldet sich dieser wunderbare Kerl über das Datingportal. Da hat uns der Single-Papa des Kindergartenfreunds zu einem Kaffee eingeladen. Da haben wir über den Freizeittreff, das Alleinerziehendennetzwerk, den Sprach-Stammtisch diesen einen, wunderbaren Mann kennen gelernt. Auf einmal ist alles anders. Eben noch im Glassarg eingesperrt? Er öffnet den Deckel und beugt sich zu uns herab. Eben noch oben auf der Burg mit unserem Haar beschäftigt? Für ihn lassen wir es sofort und bereitwillig herunter. Eben noch schlafend hinter Dornenhecken? Für diesen Mann greifen wir selbst zur Heckenschere. 

Wir sind verliebt. Das Leben ist wunderbar. 

Ok. Der Beruf läuft weiter. Unsere Kinder können wegen Magen-Darm wieder mal nicht in denn Kindergarten. Wir müssen auch noch die Frist für das nächste Projekt einhalten. Aber dazwischen jeden Abend wenigstens am Telefon Gespräche. Der Sex ist neu und aufregend. Er ist es! Sagte ich es schon? Wir sind verliebt. Bald bis über beide Ohren. Wir schweben zur Kita, zur Arbeit, zurück in seine Arme. Das Leben ist großartig. Lebenswert. 

Nun ja, es ist auch ganz schön anstrengend. Bevor er zu Besuch kommt, räumen wir noch schnell die Wohnung auf und wischen uns die Breiflecken vom Hemd. Er soll uns schließlich erkennen als das, was wir sind: seine Königin! Nö, Prinzessinnen sind wir nicht, wir haben ja nicht auf den Prinz gewartet. Wir sind ja wunderbar auch ohne einen Mann an unserer Seite zurechtgekommen. 

Aber wenn er jetzt schon mal da ist…

Ok, er ist ziemlich eigenwillig, was seine Freizeitgestaltung angeht und zeigt sich nicht gerade engagiert, an unsere Seite zu eilen, wenn unser Kind zum dritten Mal innerhalb von zwei Monaten nachts die Kissen vollkotzt. Wir haben Verständnis. Er hat ja sein eigenes Kind, seinen Beruf, eben sein Leben. Wir sind schließlich seine Königin. Wir können unser Leben gut selbst regeln. Haben wir, bevor wir ihn kannten, ja auch getan. 

Anstrengend ist es allerdings schon. Der erste Streit. Wir sind erschöpft. Unsere Freundinnen fragen, ob es uns gut gehe. Natürlich, alles prima. Wir haben diesen wunderbaren Mann an unserer Seite. Wir sind doch glücklich. Und außerdem fahren wir jetzt in Urlaub zusammen. Unser Kind und seine Kinder verstehen sich gut. Das hat so was Heimeliges, Vertrautes, fühlt sich einfach gut an, hach… fast wie Familie. 

Unsere Freundinnen? 

Wir haben leider so wenig Zeit jetzt. Sie haben natürlich Verständnis. Jede von uns kennt das: in einer Partnerschaft steht eben der Partner an erster Stelle. Wir wollen uns mal wieder treffen. Aber unsere Freundin scheint unseren Partner sowieso nicht so richtig zu mögen. Schon dass sie fragt, ob wir glücklich sind! Und dann ist sie mit anderen Dingen beschäftigt, für die wir gerade einfach keinen Kopf haben: Frauennetzwerke, gesellschaftliche Themen – sie wird es sehen, wenn sie selbst wieder in einer Partnerschaft lebt: Beziehungspflege ist auch Arbeit. Wir haben schließlich unser Glück am Laufen zu halten.

Tja… und so läuft es dann: zwei Jahre, fünf Jahre, vielleicht zwanzig Jahre. Vielleicht erinnern wir uns irgendwann wieder an unsere Freundinnen und bereuen, dass wir sie über Monate und Jahre kaum wahrgenommen haben. Vielleicht merken wir aber auch erst, dass wir sie brauchen, wenn der Prinz doch wieder zum Frosch wird. Wir schimpfen und hadern, wir teilen mit unseren Freundinnen unsere Zerissenheit, unsere Hoffnung, Enttäuschung, unsere Sehnsucht und unseren Schmerz. Und sind heilfroh, dass wir sie haben. 

Denn unter Freundinnen ist man ja immer für einander da. Oder?

Herzlichen, nachdenklichen Gruß, Sunnybee

PS. Wem das sarkastisch erscheint – ist es eigentlich nicht. Eher realistisch: laut einer Statistik der Bundeszentrale für politische Bildung lag die durchschnittliche Ehedauer bei einer Scheidung im Jahr 2011 bei etwa 14 Jahren; die meisten Ehen, die geschieden wurden, scheiterten jedoch nach 5-7 Jahren. Insgesamt scheiterte mehr als jede dritte Ehe. Im Vergleich: beste Freundinnen begleiten uns, wenn wir Mitte 30 sind, teilweise bereits seit 20-25 Jahren. Die Wahrscheinlichkeit, dass „die Liebe vergeht, die Freundschaft besteht“, ist also relativ groß. Vielleicht sollten wir dies durch unsere Wertschätzung Freund/innen gegenüber auch während unserer Partnerschaften noch deutlicher zum Ausdruck bringen?

[Foto: Pixabay]

Wie riecht der Februar? Eine Übung in Achtsamkeit

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Wonach riecht eigentlich der Februar?

  • nach von Regen durchnässten, in der Tasche vergessenen Wollhandschuhen?
  • nach Schweiß unter Winterjacken, wenn der Frost des Morgens am Mittag frühlingshaften Temperaturen gewichen ist?
  • nach Holzkohlerauchfäden, die die Luft durchziehen?
  • nach erdbeerliköriger Kotze, Polyesterstoff und dem Fettstift der Schminke an Karneval?
  • nach Puderzucker, der beim Hineinbeißen von Fastnachtskrapfen aufstiebt?
  • nach lehmig in der Sonne verdampfenden Pfützen?

Meine Mitbloggerin fundevogel hat mich mit ihrem wunderbaren Blogbeitrag zu den Düften des Januars dazu inspiriert, in den Februar hineinzuschnuppern. 

Ein Geruch und drei Erkenntnisse

Ich tat es während der Fahrt von meiner Arbeitsstelle zum Kindergarten meines Sohnes und bemerkte drei Dinge:

  • während man Rad fährt, riecht man (fast) nichts. Der Fahrtwind lässt nur die Wahrnehmung der intensivsten Gerüche zu. Das wirkliche Riechen erfordert also offensichtlich, ebenso wie das wirkliche Betrachten, ZEIT!
  • Wirklich Riechen, Schnuppern, Wahrnehmen schenkt auch Zeit. Die verbrachte Zeit scheint sich zu dehnen. Ich denke das in den Sekunden, nachdem ich tatsächlich vom Rad abgestiegen bin, mich zu einer Pfütze herunterbeuge und versuche, den leicht kalkigen, erdigen Duft des verdunstenden Wassers einzufangen. Jetzt, während ich die Erinnerung daran niederschreibe, muss ich an Momo denken, Hauptfigur des gleichnamigen Kinderbuchklassikers des Autors Michael Ende: als alles hetzt und rennt und die unheimlichen „grauen Männer“, die „Zeitdiebe“ dieser feinsinnigen Parabel, ihr auf den Fersen sind, bewegt sie sich so langsam es geht, Schritt für Schritt, folgt einer Schildkröte, die ihr den Weg zu ihrem nächsten Ziel weist. Daran muss ich denken, als ich, gebeugt über „meine“ Pfütze, den Fluss des Tages für einen Augenblick durchbreche: das bewusste sich Zeit Nehmen gibt gefühlt Zeit zurück.
  • damit bin ich bei dem, was mir diese Meditation über den Duft, den flüchtigsten aller sinnlichen Eindrücke, deutlich macht: werde ich langsam, weitet sich meine Wahrnehmung. Und lasse ich zu, dass das geschieht, geschieht etwas Wunderbares: ich komme wieder bei dem an, was ich tue. Frei nach Eckhart Tolle: Jetzt! Und Jetzt. Und Jetzt. 

Als Mensch mit ohnehin feiner Wahrnehmung, manchmal überflutet von den Reizen einer Großstadt und dem Leben, das mein Alltag als berufstätige und getrennt erziehende Mutter mit sich bringt, ist dieser Augenblick eine willkommene Erinnerung: 

Das Leben zeigt sich dir als erfüllend, lebensvoll und wunderbar – wenn du ihm den Raum dazu gibst. 

Herzliche, feinsinnige Grüße an diesem Wochenende, Sunnybee

PS. Wer mag, hier eine Buchrezension von mir zum Thema: 

Jorge Bucay: „Drei Fragen“ und Eckhart Tolle: „Jetzt!“

[Foto: Pixabay]