Chaos im Kopf (Teil 1)

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Ich mag Struktur. Daher hier kurz die Themen dieses Blogbeitrags:

  • Sex
  • Zeichentrickfilme
  • To-do-Listen
  • Kinderzimmerteppiche

Ich beginne mit Punkt 2: Zeichentrickfilme.

Vor etwa drei Jahren habe ich einen Trickfilm des Disney-Studios Pixar gesehen: „Alles steht Kopf“ („Inside out“). Im Kopf der kleinen Riley halten in einer Art „mentaler Schaltzentrale“ die Gefühle Freude, Trauer, Wut, Angst und Ekel die Gefühlswelt des Mädchens in Balance, wobei „Freude“ (ein strahlend fröhliches, herumwirbelndes Persönchen) die anderen vier, eher weniger repräsentativen, Gefühle anfänglich gut in Schach – d.h. vom Schaltpult der Gefühlszentrale fern – zu halten weiß. Das gelingt, bis Riley mit ihren Eltern umzieht, sich ihre ganze (äußere) Welt verändert und „Freude“ wie „Trauer“ (ein reizendes, dauermelancholisches Pummelchen) durch eine Verknüpfung unglücklicher Ereignisse aus der Schaltzentrale herauskatapultiert werden. Jetzt herrscht Chaos in der Gefühlswelt des Mädchens. „Alles steht Kopf“ – und es bleibt die Frage: Finden „Freude“ und „Trauer“ ihren Weg zurück?

Warum erzähle ich das hier?

Weil der Film, wie eigentlich jeder gute Kinderfilm, neben der offensichtlichen Unterhaltung eine „zweite Ebene“ bietet: in einer Szene hat „Trauer“, die bis dahin eher linkische Statistin des Films war, ihren großen Auftritt. Eine weitere Figur des Films, ein etwas überdrehter, immer fröhlicher Freund Rileys, der nur in der Fantasie des Mädchens existiert, muss feststellen, dass er, je älter Riley wird, zunehmend an Bedeutung für sie verliert. Die Erkenntnis macht ihn tieftraurig. „Freude“ versucht, ihn mit Späßen und Ratschlägen aufzuheitern, aber nichts davon lindert seinen Schmerz. Da setzt sich „Trauer“ neben ihn in all ihrer „transusigen“, antriebslosen Melancholie und – ist einfach da. Hört zu. Sagt schließlich etwas in der Art: „Ja, das ist wirklich traurig, kann ich verstehen.“ Und hilft ihm allein dadurch, dass sie präsent ist – und da sein lässt, was dem Spaßvogel fremd und düster erscheint: die Traurigkeit.

Und damit zu Punkt 3: To-Do-Listen.

Wir Erwachsenen lieben ja Struktur. Effizienz. Excel-Tabellen und Lebensarbeitszeitkonten. Okay, wir fluchen auch darüber, aber letztlich ist es das, was uns glücklich zu machen scheint: die Folge absichtsvoller Handlung soll keinesfalls Chaos sein, sondern Ergebnisse, die sich sehen, messen, kausal begründen lassen. Struktur möge Struktur mit sich bringen, auf Ordnung Ordnung folgen.

Woran Punkt 4 anschließt: Kinderzimmerteppiche.

Wer hat schon einmal, nach ca 20-minütiger Spielzeit, das zuvor top aufgeräumte Kinderzimmer eines 2 1/2-Jährigen betreten? „Chaos“ ist das Wort, das den dort herrschenden Zustand am besten beschreibt. Wo zuvor der Blick ungehindert auf einen liebevoll ausgewählten, zentral positionierten Kinderzimmerteppich (sic!) fiel, stapeln sich jetzt 45 Duplosteine, 28 Memorykärtchen, ein in seine Einzelteile zerlegtes  Playmobilauto, zwei Kuscheltiere, Außerdem noch zwei Kissen aus dem Wohnzimmer und eine elektrische Zahnbürste, die als Reparaturwerkzeug im Einsatz war… Und das alles ist das Ergebnis höchst sinnvoller Tätigkeit (jedenfalls aus der Sicht eines unter Dreijährigen): Mit den Memorykärtchen wurde zuerst eine Straße gebaut, an deren Ende die Duplostein-Werkstatt für das zu reparierende Auto zu errichten war. Dieses fuhr erst einmal, wie am Vortag gesehen, durch die „Waschanlage“ (Zahnbürste), um dann wütend weggeschleudert zu werden, weil eine Tür beim Öffnen klemmte. In diesem Moment sollte „Mamaaa!“ zu Hilfe kommen, betrat das Zimmer und erhielt den oben geschilderten „chaotischen“ Eindruck…

Chaos“ scheint also auch eine Frage der Perspektive zu sein: was für mich willkürlich und ungeordnet erscheint, birgt für dich vielleicht innere Struktur – oder ist zumindest die Folge einer absichtsvollen Handlung.

Und damit zu Punkt 1: Sex.

Sex – jawohl, „guter“ Sex – hat ja neben gegenseitiger Anziehung und Leidenschaft auch verdammt viel mit Loslassen zu tun. Kaum eine/r möchte sich vermutlich ernsthaft beim Sex beobachten lassen (ausgesprochen selbstdarstellerisch veranlagte Menschen mal ausgenommen;-)), denn – das ist jedenfalls mein Eindruck: wirklich „Loszulassen“ fühlt sich innen präsent, intensiv und im extremsten Fall grenzerweiternd an – von außen, kühl und nüchtern betrachtet, mag es eher verstörend wirken:  verrenkte Gliedmaßen, gerötete Gesichter, Hecheln, Grunzen, Stöhnen…

Und jetzt die Fäden zusammen.

Folgst du noch der Argumentation? Dann hier die abschließende, zu erörternde 100.000-Euro-Frage;-):

Was haben „Trauer“ im Zeichentrickfilm, der Kinderzimmerteppich meines Sohnes und guter Sex gemeinsam? Und wo sind dem gegenüber die To-Do-Listen zu verorten?

Wenn du jetzt denkst: was soll das alles?! Die Frau spinnt, in den Blog schaue ich nie wieder – dann warte noch einen Augenblick und bedenke: Chaos, auch dieses hier, ist immer eine Frage der Perspektive. Zuweilen liegt ihm eine tiefere Ordnung zugrunde, so auch hier – würde ich sagen.

Welche? Schreib mir!

Auflösung im zweiten Teil dieses Blogbeitrags!

Ein Kommentar zu „Chaos im Kopf (Teil 1)

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